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Meteorologen : Die Sturmwarner

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Potsdamer Meteorologen bereiten die Öffentlichkeit auf extremes Wetter vor: Sie geben die offiziellen Unwetterwarnungen heraus

svz.de von
erstellt am 08.Jan.2015 | 17:34 Uhr

In der Arbeitswelt von Thomas Endrulat existieren Pfeile und Schraffuren, die wie fein gezeichnete, expressive Grafiken erscheinen und doch nur Daten abbilden. Temperaturen, Luftdrücke und Feuchtigkeitswerte wandern über Monitore, mit denen meist nur Meteorologen etwas anfangen können. Am Ende soll eine Prognose stehen, die jeder versteht. „Und es wird die nächsten Tage heftig“, sagt er und zeigt einen Keil am Ärmelkanal. Endrulat rechnet mit größeren Schäden auch in der Region.

So einen schwerer Sturm vor der Haustür, der sei selten zu beobachten, sagt der Leiter der Regionalzentrale des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Potsdam. Den Höhepunkt erwartet er für morgen, wenn die Tiefs „Elon“ und „Felix“ selbst in Brandenburg für orkanartige Böen sorgen werden. Auch danach bleibt die Luft in Wallung. Hinzu kommen ungewöhnlich milde Temperaturen mit bis zu 14 Grad Celsius „Wer eine Grillparty am Sonntag plant, sollte sie lieber absagen“, sagt Endrulat scherzend.

Der Meteorologe und seine fünf Kollegen haben derzeit also viel Stress. Der Deutsche Wetterdienst, eine Einrichtung des Bundes, beliefert Leitstellen, Feuerwehren, Katastrophenschutzbehörden und Winterdienste mit detaillierten Vorhersagen. Hinzu kommen Bürgeranfragen, darüber hinaus Expertisen für Betreiber von Windrädern, Solaranlagen und Kraftwerken.

Im Fokus der Öffentlichkeit stehen jedoch Unwetterwarnungen, die beim DWD herausgegeben werden. Sechs Stufen hat die Skala – von einer unauffälligen Wetterlage bis zu den dunkelviolett dargestellten Warnungen vor einem extremen Unwetter. Bei einem Sturm gelte ab Windstärke 11 die höchste Kategorie, sagt Endrulat. Auf der Internetseite des staatseigenen meteorologischen Dienstes werden die regionalen Warnstufen farblich dargestellt. Der Potsdamer Wettermacher registriert dabei seit Jahren, dass die Öffentlichkeit immer feinfühliger auf Vorhersagen reagiert. Es geht um Millionenwerte in vielen Gebäuden oder Betrieben – ein Schaden kann verheerend sein. Zudem lässt sich ein Unwetter immer früher voraussagen. „Vor einigen Jahrzehnten konnten wir maximal drei Tage in die Zukunft blicken, heute, mit Hilfe der Technik und neuer Verfahren, deutlich länger“, sagt er.

Das heißt vor allem, dass die Computer in dem markanten Turmgebäude an der Michendorfer Chaussee heiß laufen. Bis zu 50 verschiedene Prognosen werden beim Wetterdienst errechnet, um am Ende möglichst nah an die natürlichen Schwankungen heranzureichen, erklärt Endrulat. Er macht es anschaulich: „Wir haben um den ganzen Globus ein Netz mit einer Maschenweite von 13 Kilometern gespannt.“ In Richtung Atmosphäre seien 90 dieser Netze übereinander ausgelegt. Abermillionen Daten müssen demnach ausgewertet werden. Rund 130 Wetterstationen betreibt der DWD allein in Brandenburg.

Auch bei diesem Aufwand kann man aus Sicht von Endrulat nie eine hundertprozentige Verlässlichkeit erreichen. So stehen die Potsdamer Experten auch immer wieder in der Kritik, wenn sie etwa Blitzeis zu spät oder gar nicht vorausgesagt haben. „Wenn Niederschläge bei null Grad Celsius erwartet werden, dann kann man erst spät sagen, ob sie als Schnee oder Regen fallen. Doch das kann das öffentliche Leben schnell aus dem Takt bringen“, erklärt der 52-Jährige.

„Es wird von uns erwartet, dass wir immer punktgenaue Prognosen wie die Abfahrtszeiten der Bahn liefern. Aber das können wir nicht, die Bahn auch nicht“, sagte er und lacht. Endrulat fordert in diesem Zusammenhang auch eine stärkere Sensibilisierung für Gefahren, die von Unwetter ausgehen können. „Man muss sich nicht den ganzen Tag einschließen, sollte aber selbst Vorkehrungen treffen und auf eigene Beobachtungen vertrauen“, meint er. „Das Gespür für Wetter geht in der modernen Welt leider immer mehr verloren.“

 

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