Mord an einer Möbelmarkt-Disponentin : Die Stille nach dem Tod der Tochter

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Im Prozess um den Mord Frau in Frankfurt (Oder) haben am Donnerstag die Eltern der Frau auf bewegende Art berichtet, welche Lücke der Tod ihrer Tochter gerissen hat. Ein Polizist schilderte außerdem die Kaltblütigkeit des Angeklagten nach der Tat.

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28. August 2015, 08:00 Uhr

Ein offener Mensch sei Petra F. gewesen, stets fröhlich und hilfsbereit. So schildert es ihr Vater auf dem Zeugenstuhl im Landgericht Frankfurt (Oder). Aber im vergangenen Spätsommer habe sie begonnen, sich zurückzuziehen, immer stiller sei sie geworden, zuweilen auch „kratzbürstig“. Habe er sie gefragt, was los ist, sei die meist mit einem erbosten Blick auf ihr Handy verbundene Antwort lediglich gewesen: „Der Mann nervt.“

Gemeint hat sie damit Daniel L., den die 36-Jährige über eine Partnerbörse kennengelernte hatte. Sie trafen sich einige Male, doch nach zwei Monaten beendete Petra F. die Beziehung zu dem um ein Jahr jüngeren Elektriker, weil er sie kontrolliert habe. Daniel L. fand sich damit nicht ab, stellte ihr nach, schrieb ihr: „Wenn ich dich nicht haben kann, bekommt dich auch kein anderer.“ Oder: „Ich erwische dich. Du bekommst deine Strafe.“

Im November 2014 ging sie zur Polizei, aber es nutzte nichts. Nachdem er die Tat offenbar lange geplant hatte, suchte Daniel L. seine Ex-Partnerin am 13. März gegen 13 Uhr an ihrem Arbeitsplatz auf, dem Büro einer Spedition in einem Frankfurter Möbelmarkt. Bewaffnet mit einem Küchenmesser und einer Schreckschusspistole überwältigte er sein Opfer in einem Gang zwischen dem Büro und dem Lager. Von den Schreien der Frau alarmierte Kollegen vertrieb Daniel L. mit der Schreckschusspistole. Petra F. starb an den Folgen zweier Stiche in das Herz bzw. die Lunge.

Ihr 57 Jahre alter Vater, ein Landwirt, hat seitdem mit Zusammenbrüchen und Schlafstörungen zu kämpfen. „Ich stürze mich in die Arbeit, bin aber im Kopf nicht bei der Sache, sondern bei Petra“, erzählt er vor Gericht. Seinen 37 Jahre alten Sohn habe der Tod seiner Schwester ebenfalls zu einem stillen Menschen gemacht. „Er besucht ihr Grab und redet mit ihr.“

Der Mutter der Toten, Saisonarbeiterin in der Landwirtschaft, ist vor Gericht anzumerken, wie sie sich um Fassung bemüht, als sie zunächst erzählt, wie ihr ihre Tochter erstmals voller Freude von der neuen Bekanntschaft berichtete. Als „supernett“ habe sie Daniel L. beschrieben und der Mutter auch gleich Fotos gezeigt. Doch wenig später sei die Stimmung umgeschlagen. Als sie mit Petra zum Einkaufen nach Polen fuhr, habe Daniel L. immer wieder per Telefon nachgefragt, mit wem sie wohin und wie lange unterwegs sei. Da seien erstmals die Worte gefallen: „Der nervt.“ Und kurz darauf habe die Tochter von ihrer Angst gesprochen, dass er ihr etwas antut.

„Ich hätte nie für möglich gehalten, dass dann so etwas passiert“, sagt die Mutter. Wie ein Endlosband verfolge sie das Geschehen seitdem. „Immer wieder frage ich mich, was sie erlitten hat, was sie zuletzt gedacht hat.“

Einen erschütternden Einblick in das Seelenleben des Angeklagten lieferte indes die Aussage jenes Kripo-Beamten, der am Tattag die erste Vernehmung durchführte. So habe Daniel L. angespannt gewirkt und auf die Frage nach dem Befinden geantwortet: „Ich habe kalte Füße, weil ich nicht weiß, wie es jetzt weitergeht.“ Als ihm der Beamte dann eröffnete, dass Petra F. ihren Verletzungen erlegen sei, habe sich Daniel L. augenblicklich entspannt. „Er verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich mit einem leichten Lächeln in seinem Stuhl zurück.“
Der Prozess wird am 10. September fortgesetzt.

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