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Eine liebeserklärung an die heimat : Die Schönheit der kleinen Dinge

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Anja Gevers ist in beiden Welten zu Hause – in Bayern und in Brandenburg. „Aber ich habe nur eine Heimat. Die Felder, Seen und Dörfer um Oranienburg berühren mich immer ganz besonders“, erzählt die 36-Jährige. Jetzt hat sie ihren Eltern ein Stück Heimatgefühl geschenkt.

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erstellt am 19.Okt.2014 | 11:00 Uhr

Anja Gevers ist in beiden Welten zu Hause – in Bayern und in Brandenburg. „Aber ich habe nur eine Heimat. Die Felder, Seen und Dörfer um Oranienburg berühren mich immer ganz besonders“, erzählt die 36-Jährige am Telefon. Bis zu sechs Mal im Jahr macht sie sich mit Mann und den zwei kleinen Kindern vom Fuße der Alpen auf den Weg nach Brandenburg zu ihren Eltern und ihren Großeltern.

Letztes Mal hatte sie dabei ein selbst gestaltetes Fotobuch im Gepäck, eine Liebeserklärung an den Garten ihrer Eltern und die angrenzende Landschaft. Besonders gepackt hat das Buch ihren ein paar Kilometer weiter auf einem eigenen Hof lebenden Großvater. Der 87 Jahre alte Horst Exner griff sogleich zum Telefonhörer, rief bei unserer Zeitung an: Heimat bedeute für ihn, sich wohlzufühlen, sich an früher zu erinnern, die kleinen Dinge des Alltags zu schätzen, den alten Apfelbaum im Garten, den im Vergleich zur Stadt besonderen Geruch im Dorf. „Was ich hier in der Gegend seit meiner Kindheit kenne, strahlt eine solche Ruhe aus“, schwärmt Horst Exner. „Das ist Heimat.“

Seit 60 Jahren wohnt er mit seiner Frau, die wie er aus Berlin stammt, in Schmachtenhagen. Als quasi die Visualisierung seiner Gedanken und Gefühle empfindet er nun das Fotobuch seiner Enkeltochter. „Landleben“ ist es überschrieben. Mit einem guten Blick für Details hat Anja Gevers den elterlichen Gartenpavillon festgehalten, einen kleinen Brunnen, eine im Abendlicht leuchtende Mauer, ihre eigenen Kinder zu Besuch im Hasenstall oder auf einer Schaukel unter einem alten Baum.

Auf Landschaftspanoramen, mit dem Weitwinkelobjektiv aufgenommene Bilder, verzichtet sie in dem Buch fast durchgehend. „Mir geht es darum, genau hinzusehen“, sagt sie selbst. „Dinge, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken, können auf einmal eine besondere Farbkomposition eröffnen, die Schönheit der Natur im Detail zeigen, nicht nur im großen Ganzen.“

Fragt man sie, was für sie „Heimat“ ist, kommen als Antwort auch sehr genaue Beobachtungen. Den Gesang der Feldlerche nennt sie als Erstes. „Da fühle ich mich zu Hause.“ Überhaupt: die im Vergleich zu Bayern ursprünglichere Natur, die Weite im Gegensatz zur dichten Besiedlung in Süddeutschland. Kiefernwälder, Seen, Felder, der hiesige Dialekt der Menschen, ihre Direktheit – all das ist für Anja Gevers Heimat.

„Das weckt Erinnerungen an die Kindheit und beschert mir ein Gefühl der Wehmut, wenn ich wieder die Reise nach Bayern antrete.“ Aber eine Rückkehr ist für sie kein Thema. Sie liebt die Berge, den bayerischen Humor. Seit nunmehr 17 Jahren lebt sie im Süden, arbeitet bei der Lufthansa in der Verwaltung. Mit dem Fotobuch wollte sie ihren Eltern eine Freude machen, die zuletzt beruflich viel unterwegs waren und nun wieder mehr Zeit im heimischen Gartenparadies verbringen können.

Froh ist sie darüber, wie viel Spaß ihre drei und zehn Jahre alten Kinder bei den Familientreffen in Brandenburg haben. „Hasen und Hühner, viel Platz zum Herumtoben. Es gibt bei ihnen durchaus eine Bindung an die Orte meiner Kindheit“, freut sich die Mutter. Aber „Heimat“ wird es für die Kleinen nicht werden, die haben sie in Bayern. „Niemand kann zwei verschiedene Orte als seine Heimat betrachten“, glaubt auch Horst Exner. „Ein großes Glück ist es, dort alt zu werden, wo man seine Jugend verbracht hat.“

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