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Mit Mistgabel getötet : Die Qualen der Weihnachtsente

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

„Auf den Aufnahmen sind Verstöße gegen geltendes Recht zu sehen.“

svz.de von
erstellt am 19.Dez.2014 | 07:23 Uhr

Bei diesen Aufnahmen dürfte vielen Verbrauchern der Appetit vergehen: Unscharfe Bilder zeigen, wie ein Traktor durch einen Stall voller weißer Enten fährt. Ein Mitarbeiter ist zu sehen, wie er – offenbar routiniert – mit einer Mistgabel auf eine der Enten einschlägt, sie aufspießt und auf den Traktor wirft. Ob sie noch lebt, ist nicht zu erkennen.

Die Aufnahmen aus Neuhardenberg (Märkisch-Oderland) sind von Aktivisten der Tierschutzorganisation Animal Equality gemacht worden, deren Sprecher Hendrik Haßel betont: „Der Betrieb wurde zufällig ausgewählt, weil er einer der größten in ganz Deutschland ist.“ Eigentlich habe man allgemein dokumentieren wollen, wie es Enten in vielen Mastbetrieben geht. Etwa, dass die Wassertiere oft keinen Zugang zu Wasser haben und vielerorts derart überzüchtet werden, dass es ihnen schwer fällt, sich auf den Beinen zu halten. „Den meisten Verbrauchern ist gar nicht bewusst, welche Qualen Enten in der Mast durchleiden müssen“, sagt Haßel.


Nicht der erste Fall


Er schätzt, dass die Bilder „wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs“ sind. Experten zeigen sich schockiert. So zitiert „Spiegel Online“ Christian Sürie von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover: „Auf den Aufnahmen sind Verstöße gegen geltendes Recht zu sehen.“ Animal Equality hat deshalb Strafanzeige gegen den Betrieb gestellt.

Sürie schätzt, dass solche Szenen in deutschen Entenställen „die absolute Ausnahme“ seien. Dieses Urteil teilt Haßel nicht. „Da wäre ich wesentlich vorsichtiger“, sagt er. Für die PHW-Gruppe („Wiesenhof“), an deren Tochter Fläminger Entenspezialitäten der Neuhardenberger Betrieb 2013 eine Million Enten geliefert hat, ist dies nicht der erste Skandal dieser Art. Erst im Spätsommer hatte RTL über einen Vertragslandwirt aus Bayern berichtet, der gegen das Tierschutzgesetz verstoßen hatte. PHW hatte damals den Vertrag mit dem Landwirt gekündigt und Strafanzeige gestellt. Nun geht das Unternehmen ebenfalls so vor. „Wir distanzieren uns in aller Form von diesem Betrieb“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Das Vertragsverhältnis mit der Neuhardenberger Entenmast wurde fristlos gekündigt.“ Auch Strafanzeige habe man bereits gestellt. Gegen die betroffenen Mitarbeiter würden Konsequenzen gezogen.

 

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