Ehrenpreis des Berliner Holocaust-Mahnmals : „Die NPD hat bei uns Hausverbot“

Für ihre Zivilcourage geehrt: Auf der Preisverleihung in Berlin zeigen Harald (l.) und Rainer Opolka naziverherrlichende Facebook-Ausdrucke von brandenburgischen NPD-Mitgliedern, die sie zu unerwünschten Personen auf ihrem Schloss erklärt haben.
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Für ihre Zivilcourage geehrt: Auf der Preisverleihung in Berlin zeigen Harald (l.) und Rainer Opolka naziverherrlichende Facebook-Ausdrucke von brandenburgischen NPD-Mitgliedern, die sie zu unerwünschten Personen auf ihrem Schloss erklärt haben.

Harald und Rainer Opolka aus Storkow setzen sich seit Längerem gegen Rechtsradikalismus ein. Nun haben die Zwillingsbrüder für ihre Zivilcourage den Ehrenpreis des Berliner Holocaust-Mahnmals erhalten.

svz.de von
07. November 2014, 16:18 Uhr

Sie haben Plakate gegen Nazis aufgehängt und zwei NPD-Funktionären den Zutritt auf das Schloss Hubertushöhe verweigert. Harald und Rainer Opolka aus Storkow setzen sich seit Längerem gegen Rechtsradikalismus ein. Nun haben die Zwillingsbrüder für ihre Zivilcourage den Ehrenpreis des Berliner Holocaust-Mahnmals erhalten.

Die Empörung ist ihnen immer noch ins Gesicht geschrieben. Auch zur Preisverleihung im Hotel Adlon haben die Opolka-Brüder noch einmal die ausgedruckten Auszüge der Facebook-Seiten von NPD-Mitgliedern aus Oder-Spree mitgebracht. Darauf sieht man Hakenkreuz-Aufmärsche, Knarren an Köpfen, aus denen das Blut spritzt, und Adolf Hitler neben Klaus Beier. Den NPD-Landeschef und einen weiteren Funktionär der Partei haben die beiden Brüder wieder vor die Tür gesetzt, als diese am 29. August beim „Sommerfest für Wirtschaft, Politik und Verwaltung“ auftauchten, zu dem sie von der Fürstenwalder Stadtverwaltung aus formalen Gründen geladen waren.

„Leute, die menschenverachtende Inhalte auf ihrer Webseite verbreiten, haben bei uns Hausverbot“, sagt Rainer Opalka und erntet auch am Dienstagabend Applaus. Die Brüder, die vor drei Jahren das Schloss Hubertushöhe bei Storkow aus der Insolvenz retteten, hatten sich vorher schon gegen Rechts eingesetzt. Als im Wahlkampf 50 Anti-Nazi-Plakate des SPD-Landtagsabgeordneten Klaus Ness über Nacht verschwanden, kauften sie kurzerhand für 1000 Euro gleich 500 neue und stiegen persönlich mit Ness auf die Leiter, um sie wieder anzuhängen.

„Vom Scharmützelsee bis nach Storkow hing über jedem NPD-Plakat ein weiteres mit der Aufschrift ,Nazis einen Vogel zeigen’ – eine wunderbare Aktion“, lobte auch Lea Rosh, Vorsitzende des Förderkreises „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ und überreichte den beiden den Ehrenpreis des Holocaust-Mahnmals. „Wir fühlen uns durch diese Auszeichnung sehr bestätigt“, freuten sich die 59-jährigen Zwillinge übereinstimmend, die für ihr Engagement bereits mehrfach persönlich von Neo-Nazis bedroht wurden.

„Zur Menschlichkeit aber gibt es keine Alternative. Man darf den dumpfen Hassparolen keinerlei Raum bieten“, sagt Rainer Opolka. Schon gar nicht auf dem um 1900 erbauten Schloss Hubertushöhe, in das 1933 Nazis einfielen, um den Besitzer, einen jüdischen, caritativen Kinderarzt, festzunehmen. Dieser wurde später genötigt, das Anwesen weit unter Wert zu verkaufen.

Die Opalkas, die mit der Erfindung von LED-Lampen Millionäre geworden sind, wollen den ehemaligen burgartigen Jagdsitz mit seinen pittoresken Türmen nun zu einem Kunst- und Literaturpark machen. „Weil der Amtsschimmel bekanntlich nicht so schnell läuft, werden wir wahrscheinlich erst 2017 Eröffnung feiern können“, wagt Harald Opolka eine Prognose.

Bis dato veröffentlichen die Brüder auf ihrer Webseite Gedichte von Goethe, Heine und Kästner, aber auch Selbstgeschriebenes. Wenn man sie auf das Thema Zivilcourage anspricht, spannen sie den Bogen zur Literatur. Deren Lektüre habe sie zu Humanisten gemacht, deren Pflicht es ist, dem unmenschlichen Nazitum Einhalt zu gebieten.

Dabei sind die Opalka-Brüder als Arbeiterkinder im Ruhrgebiet aufgewachsen. Nach dem Hauptschulabschluss hätten sie jedoch Kontakte zu intellektuellen Jugendlichen bekommen und entdeckten das Lesen für sich. Auf dem zweiten Bildungsweg holten die Brüder das Abitur nach und studierten.

1993 gründeten sie die „Zweibrüder Stahlwarenkontor GmbH“ in Beelitz (Teltow-Fläming) und siedelten 1997 nach Solingen über, wo die Firma auch heute noch ihren Hauptsitz hat. Ihre LED-Taschenlampen verkauften sich millionenfach in der ganzen Welt. Inzwischen haben sie Firmenanteile abgegeben und können sich mehr der Kunst widmen. Und dem Kampf gegen Rechts. „Der Ehrenpreis ist für uns Ansporn, weiterzumachen“, sagt Harald Opolka.

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