Brandenburg : Die Lobbyistin der Jugend

An Ideen mangelt es nicht: Brandenburgs neue Landesschülersprecherin Pauline Reinicke wollte Bildungsminister Baaske ihre Forderungen präsentieren.
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An Ideen mangelt es nicht: Brandenburgs neue Landesschülersprecherin Pauline Reinicke wollte Bildungsminister Baaske ihre Forderungen präsentieren.

Die 17-jährige Pauline Reinicke aus Vehlefanz vertritt Interessen von Brandenburger Schülern

svz.de von
13. November 2014, 18:23 Uhr

Am vergangenen Wochenende ist Pauline Reinicke erstmals dem Mann begegnet, dem sie künftig flüstern soll, was sich Brandenburgs Schüler so wünschen – Günter Baaske (SPD). Der neue Bildungsminister hatte seinen ersten öffentlichen Auftritt bei der Tagung des Landesschülerrates und dort unumwunden zugegeben, dass er in seinem neuen Politikfeld noch nicht ganz so durchsieht. Bislang war der Minister für Arbeit und Soziales zuständig.

Ob Baaskes bildungspolitische Jungfräulichkeit von Vor- oder Nachteil für die 17-jährige Vehlefanzerin ist, wird sich noch zeigen. Seit Sonntag ist Pauline Reinicke Landesschülersprecherin und damit die ranghöchste Interessenvertreterin der Brandenburger Schülerschaft. Ihr erster Eindruck vom Minister: „Er scheint offen für unsere Ideen zu sein.“

Schon heute wird Pauline Reinicke nach Potsdam ins Ministerium fahren. Baaske hat die wesentlichen Eltern-, Lehrer- und Schülervertreter zu einem ersten Treffen eingeladen. Für die Vehlefanzerin wird das die erste Gelegenheit sein, dem neuen Ressortchef ein paar Forderungen zu präsentieren. An Ideen mangelt es ihr und ihren Mitstreitern im Landesschülerrat jedenfalls nicht. Im Gepäck hat Pauline Reinicke unter anderem einen Antrag, der nicht weniger als den perfekten Lehrer fordert. „Wir wollen, dass eine Evaluationspflicht für Lehrer eingeführt wird“, sagt die Gymnasiastin. Im Klartext heißt das: Die Landesregierung soll eine Qualitätskontrolle für Lehrer installieren. Wie die genau funktionieren soll, darüber sind sich die Schülervertreter bislang nicht noch im Klaren. Eine Überlegung ist, dass sich die Lehrer selbst evaluieren und die Ergebnisse dann offen diskutieren lassen sollen. Fraglich ist, ob das praktikabel ist. „Über die Ausgestaltung müssen wir natürlich noch reden, aber das Ziel ist klar“, sagt Pauline Reinicke.

Gesprächsbedarf sieht die Vehlefanzerin auch beim Unterrichtsfach „Lebensgestaltung, Ethik, Religion“ – kurz LER. Bislang können Brandenburgs Schüler wählen, ob sie am LER- oder alternativ am konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen wollen. Eines der beiden Fächer muss aber belegt werden. Pauline Reinicke will das Land davon überzeugen, LER zum Pflichtfach zu machen. Der Religionsunterricht soll fakultativ als Ergänzung angeboten werden.

„Nach unserer Auffassung kommen die Bereiche Lebenskunde und Ethik im Religionsunterricht zu kurz“, begründet die frisch gebackene Landesschülersprecherin.

Ihre Hauptaufgabe sieht die angehende Abiturientin aber darin, die Interessen der Schüler wieder stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. „Wir müssen uns stärker bemerkbar machen, mehr Aufmerksamkeit auf uns lenken.“ Um das zu erreichen, will die Vehlefanzerin die Arbeit der Schulbeiräte in den Landkreisen stärken. „Dort laufen die Probleme aus den Schulen als erstes auf. Dort müssen wir uns kümmern.“

Pauline Reinicke geht ausgesprochen ambitioniert zu Werke. Das überrascht insofern, als sie bereits im Frühjahr kommenden Jahres ihr Abitur ablegen wird. Danach will sie als Au Pair nach Amerika gehen. Wahrscheinlich wird sie den Staffelstab also schon in weniger als einem Jahr wieder weitergeben. Ihr könnte kurz vor Ende ihres Schülerlebens eigentlich auch schnuppe sein, was aus den Schulen im Land wird. Ist es ihr aber nicht.

Was also treibt sie eigentlich an? „Mir ist die Schulqualität eben wichtig. Jeder sollte Schule genießen können. Die Erwachsenen, die zu entscheiden haben, stecken da oft nicht mehr drin. Deshalb müssen wir Jungen einige Dinge in die Hand nehmen.“


Digitale Möglichkeiten als großes Thema


Ein Thema, dem viele Erwachsene nicht immer mit der nötigen Souveränität begegnen, sind Handys an den Schulen. Heute besitzt eigentlich jeder Schüler eines. Den Lehrern sind die Geräte aber ein Dorn im Auge, weshalb sie an vielen Einrichtungen tabu sind. „Es ist ja noch einzusehen, dass Handys und Smartphones im Unterricht ausgeschaltet sein müssen. Was nicht einleuchtet, ist, dass wir sie auch nicht in den Pausen nutzen dürfen.“ Zur Lebenswirklichkeit der Jugend von heute gehört eben auch, dass Pausentratsch nicht allein auf dem Schulhof ausgetauscht wird, sondern auch über Online-Netzwerke wie WhatsApp und Facebook.

Dass der Einzug von Smartphones in die Schulen ganz reale Schattenseiten hat, scheint dann aber doch eher ein Thema der älteren Semester zu sein. Auch am Bollhagen-Gymnasium wurden schon Nacktbilder einer Schülerin über das Internet herumgereicht. Cybermobbing sei zwar immer wieder ein Thema unter den Schülersprechern. In deren Gremien scheint es jedoch keine allzu große Rolle zu spielen.

Schon mehr bewegt die Schüler-Lobbyisten, warum sich die Schulen so schwer tun, den Einsatz von Notebooks und Tablets zuzulassen. Der Wissenstransfer spielt sich noch immer vor allem auf dem Papier ab. „Auch darüber wird zu reden sein“, sagt die Schülerin. Zerbricht sich die 17-Jährige mal nicht den Kopf über die Schulen, spielt sie Querflöte oder geht ins Fitnessstudio, engagiert ist sie zudem im Netzwerk Courage, das sich für Projekte gegen Fremdenfeindlichkeit stark macht. Lehrerin will Pauline Reinicke später übrigens nicht werden. Ihr schwebt ein Studium im kommunikativen Bereich vor. Da kann ihr jetziges Ehrenamt nicht schaden.

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