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Hells Angels : „Die leben in einer Parallelwelt“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Auch ein ehemaliger Präsident des Rockerclubs wurde Ziel eines Anschlags, den zwei Mitglieder des Clans verübt haben sollen.

svz.de von
erstellt am 05.Mai.2015 | 10:00 Uhr

In der Welt der Hells Angels werden Auseinandersetzungen zumeist auf blutige Art und Weise geregelt. Auch ein ehemaliger Präsident des Rockerclubs wurde Ziel eines Anschlags, den zwei Mitglieder des Clans verübt haben sollen. Für sie fordert die Staatsanwaltschaft hohe Haftstrafen.

Christian M. machte durchaus einen furchteinflößenden Eindruck. Sein glattrasierter Schädel und das Gesicht sind fast vollständig mit Tätowierungen überzogen, ebenso beide muskulöse Arme. Lässig lehnt sich der 33-jährige Angeklagte zurück, wenn Staatsanwalt Stephan Golfier über ihn in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) spricht, manchmal umspielt ein Lächeln seine Lippen.

„Er ist hochaggressiv, in Rockerkreisen gefürchtet und seine Vorstrafenliste ist lang“, sagt der Ankläger über den Hells Angel, der Mitglied der „Nomads“ war, einer Art Elitetruppe des Rockerclans, die von Berlin aus agierte. Für Golfier steht fest: „Der Angeklagte war der ideale Mann für einen Angriff auf Hocko, er scheute kein Risiko.“

Mit „Hocko“ meint der Staatsanwalt den früheren Präsidenten des gleichen Clubs, Holger B. Dieser wurde im Mai 2011 vor seinem Wohnhaus in Altlandsberg (Märkisch-Oderland) von mehreren Angreifern mit Baseballschlägern und Messern malträtiert. Dabei soll M. den blutigen Angriff aus dem Hinterhalt eingeleitet haben. Nur mit viel Glück überlebte das 53-jährige Opfer.

Für den Staatsanwalt ist das Motiv des Anschlags klar: Beide Angeklagte aus dem Rockermilieu – neben Christian M. der Strausberger Nico T. – wollten sich mit der brutalen Tat die Vollmitgliedschaft bei den Hells Angels „verdienen“. Sie hätten sich mit Mutproben bei den „Nomads“ bewähren müssen, „sie taten alles, was man ihnen aufträgt“, so Golfier. Auch die Beweislast spricht laut Staatsanwalt für Christian M., dessen DNA-Spur auf der Jacke des Opfers gefunden wurde. Außerdem will ihn Holger B. neben Nico T. als Angreifer identifiziert haben.

Den Anschlag wiederum wertet Golfier als Folge interner Querelen im Rockerclub. Holger B. hatte die Rockergruppierung in der Hauptstadt selbst aufgebaut und galt zudem als einer der mächtigsten Höllenengel deutschlandweit. Dann wurde er 2008 in einem Handstreich aus dem Club geworfen worden. Über die Gründe könne nur spekuliert werden, so der Staatsanwalt. Sein Nachfolger, André S., sperrte sich beharrlich gegen seine Rückkehr. Trotz seiner „unehrenhaften Entlassung“ habe B. auf seine Reputation gedrängt, was viele Berliner Hells Angels verärgerte, erklärt Golfier. Letztlich sei eine Bestrafungsaktion eingeleitet worden, die von beiden Angeklagten ausgeführt werden sollte.

Wie in dem Milieu üblich, versuchte auch B. die Angelegenheit außerhalb der staatlichen Strafverfolgung zu regeln: Er setzte einen Auftragskiller auf André S. an. Der „Nomads“-Boss wurde im Sommer 2012 vor seiner Kneipe in Berlin niedergeschossen. Im vergangenen Dezember wurde Holger B. für diese Tat zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Zwischenzeitlich packte er bei der Polizei aus und machte auch in dem Frankfurter Prozess umfassende Aussagen.

Angesichts der Brutalität derartiger Rockerfehden müsse der Staat nachdrücklich einschreiten, fordert Golfier. „Die Angeklagten leben in einer Parallelwelt mit eigenen Regeln und sehen auch Racheakte als normal an.“ Für M. fordert er wegen versuchten Mordes zehn Jahre und sechs Monate Haft, für T. neun Jahre Gefängnis.

Der Verteidiger von Christian M. fordert dagegen einen Freispruch. Seinem Mandanten könne die Tat nicht nachgewiesen werden. Gleichzeitig stellt er die Glaubwürdigkeit des Zeugen Holger B. in Frage. Ein Urteil wird am Freitag erwartet.

 

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