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Umweltministerium stellt Millionen für Prävention in Aussicht : Die Bibermanager kommen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Vorsorge sei besser, als hinterher Schäden zu regulieren oder sich in langwierigen Gerichtsverfahren aufzureiben, sagte Umweltminister Jörg Vogelsänger.

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2015 | 12:01 Uhr

Das Zusammenleben von Mensch und Biber soll in Brandenburg künftig besser geregelt werden. Vorsorge sei besser, als hinterher Schäden zu regulieren oder sich in langwierigen Gerichtsverfahren aufzureiben, sagte Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) gestern zu dem Entwurf eines Sieben-Punkte-Plans. Noch zu Wendezeiten waren Biber im Land fast ausgerottet. Inzwischen haben sich die Tiere so stark vermehrt, dass sie aus Sicht vieler Anwohner und Landeigentümer ein Problem darstellen.

Vogelsänger (SPD) hatte anschließend den Entwurf der neuen Biberverordnung mit Vertretern des am stärksten betroffenen Landkreises Märkisch-Oderland diskutiert. Vorgesehen ist, bis zu einer Millionen Euro jährlich zu investieren, um Biberschäden zu vermeiden. 300  000 Euro sollen die Gewässerunterhaltungsverbände erhalten, um beispielsweise Dämme zu beseitigen. 700  000 Euro aus EU-Gelder sollen pro Jahr für die Sicherung von Dämmen, Teichen und Gehölzen zur Verfügung stehen. Landwirte können zudem Gewässerschutzstreifen an Gräben anlegen und im Rahmen des Vertragsnaturschutzes abrechnen. Das Land wird zwei Bibermanager einstellen, die bei Konflikten angerufen werden können.

Henrik Wendorff, Vizepräsident des Landesbauernverbandes und Landwirt in Märkisch-Oderland, sprach von einem guten ersten Schritt. Nun müssten sich die Naturschutzverbände bewegen und die Entnahme – sprich den Abschuss von Bibern – außerhalb von zu definierenden Schutzgebieten nicht länger durch Klagen blockieren.

Der Landrat von Märkisch-Oderland, Gernot Schmidt (SPD), betonte im Anschluss an die Sitzung, das Ministerium habe offiziell eingeräumt, dass der Biber im Oderbruch in gesicherten Populationen lebe und dort nicht mehr als gefährdete Tierart anzusehen sei.

Laut Umweltministerium leben in Brandenburg bis zu 4000 Biber, ein Drittel davon im Oderbruch. Ab 500 Tieren in einer Region könne man von einem gefestigten Bestand ausgehen. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) lobt den Entwurf der neuen Verordnung ebenfalls. Es sei positiv, dass das Land nun mehr auf vorbeugende Maßnahmen setze, sagte der Landesvorsitzende Friedhelm Schmitz-Jersch. Eine erste Verordnung, die vor zwei Jahren erarbeitet wurde, war gescheitert. Laut Schmitz-Jersch habe sie den Kreisen eine Lizenz zum Töten von Bibern ausgestellt.

Aktuell klagt der NABU vor dem Oberverwaltungsgericht gegen eine auf der alten Verordnung fußende Festlegung von Schutzgebieten in Märkisch-Oderland, außerhalb deren Biber geschossen werden können. „Es gibt keinen Anlass zum massenhaften Abschlachten von Bibern“, erklärte Schmitz-Jersch. Er verweist darauf, dass der Nager nach wie vor zu den streng geschützten Arten zählt. Landrat Schmidt sieht die Naturschutzverbände am Zug. In der Diskussion um die neue Verordnung seien sie aufgefordert an der Problemlösung mitzuwirken, auch wenn dafür Tiere aus der Natur entnommen werden müssen, sagte er.

 

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