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25 Jahre Kirchensanierung : Die akute Not ist behoben

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg hat hunderte Kirchen vor dem Verfall gerettet: Angebote jenseits der Predigt sollen Gäste anlocken

Im Mauerwerk breitete sich der Schwamm aus, in den Dächern waren Löcher. Vor 25 Jahren, im Jahr der Wiedervereinigung, boten zahllose Brandenburger Dorfkirchen ein klägliches Bild. Immer wieder machten erschreckende Zahlen die Runde. „1 000 Kirchen vom Einsturz bedroht“ titelte eine große Boulevardzeitung. Und sogar das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz warnte davor, dass die meisten Gotteshäuser nicht mehr zu erhalten seien. Denn 40 Jahre DDR, aber auch der Nationalsozialismus und die Weltkriege hatten vielerorts fast ein Jahrhundert lang Sanierungsarbeiten verhindert.

„Wenn man heute zurückblickt, kann man nur staunen“, sagt Bernd Janowski. Der Berliner Architekturfotograf gehörte zu einer Gruppe von gut 40 Kunst- und Kulturinteressierten, die im Sommer 1990 den „Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg“ gründeten. Mit einem Festakt in Potsdam feierte der Verein am Wochenende sein 25. Bestehen. „Wir sind damals mit Optimismus und großer Naivität ans Werk gegangen“, sagte Janowski.

Doch die Ehrenamtlichen haben viel erreicht: Mehr als 1,3 Millionen Euro konnten sie seit ihrer Gründung für die Gotteshäuser sammeln. Eine 2008 gegründete Stiftung verfügt heute über ein Kapital von mehr als 400  000 Euro, und wirft jährlich über 10   000 Euro Zinsen ab. Heute seien „die ganz großen Bauschäden beseitigt“, sagt Janowski. Hier und da müssten noch Dächer gemacht, oder Fundamente saniert werden. „Aber aus der akuten Notsituation sind wir raus.“ Nachholbedarf gebe es vor allem noch beim Inventar. Altäre, Schnitzfiguren und Wandgemälde seien vielerorts restaurierungsbedürftig.

Darum kümmert sich der Förderkreis in enger Zusammenarbeit mit den mehr als 300 lokalen Kirchbauvereinen. Man vernetzt sich, tauscht Erfahrungen aus – und einmal im Monat macht der Förderkreis mit der Wahl einer „Dorfkirche des Monats“ auf ein Gotteshaus aufmerksam. In der Prignitz kamen in den letzten Monaten etwa die Dorfkirchen von Sadenbeck, Demerthin und Helle zu dieser Ehre.

Und auch in der Politik genießt die Arbeit des Förderkreises hohe Anerkennung: Die landesweit rund 1  400 Dorfkirchen sind Teil unserer Kulturgeschichte und stiften für viele Menschen – auch unabhängig vom eigenen konfessionellen Bekenntnis – lokale Identität“, sagt Brandenburgs Kultusministerin Sabine Kunst (SPD). Der Förderkreis trage „mit seinem Engagement maßgeblich dazu bei, die Dorfkirchen in unserem Land zu sanieren, kulturell zu beleben, für den Tourismus zu erschließen und für nachfolgende Generationen zu erhalten.“

Doch mittlerweile drohen den Dorfkirchen neue Probleme: Mindestens genau so gefährlich wie die jahrzehntelange Vernachlässigung sei heute der demographische Wandel, sagt Janowski. „Heute drohen uns Kirchen verloren zu gehen, weil gerade in den kleinen Orten die Gemeinden so geschrumpft sind, dass die Gebäude langfristig nicht mehr gehalten werden könnten.“

Als Beispiel nennt er das 49 Einwohner zählende Dorf Sternhagen in der Uckermark. Dort wurde die Kirche in den 1990er-Jahren saniert, die Wagner-Orgel 2007 instandgesetzt. Doch genutzt wird das Gebäude heute nur an wenigen Tagen im Jahr. „Wir müssen auch neue Nutzungsformen für die Kirchen finden“, sagt Janowski. Zusammen mit dem Landesmusikschulverband hat der Förderkreis deswegen eine Konzertreihe gestartet: Unter dem Motto „Musikschulen öffnen Kirchen“ konzertieren Musikschüler in den Kirchen vor Ort. „Aber das kann nur der Anfang sein“, so Janowski. Das Land müsse sich überlegen, wie es mit ungenutzten Kirchen umgeht. „Denn eine Kirche ist mehr als ein Gottesdienstraum: Sie ist oft das älteste Haus im Ort – und meistens auch der letzte verliebene öffentliche Ort im Dorf.“

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