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Der Weg vom Tagebau zum Strand

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Lausitzer Braunkohlerevier arbeitet an der Zukunft als Tourismusregion / Senftenberg als Vorbild

svz.de von
erstellt am 15.Jul.2015 | 12:49 Uhr

Das Seenland Oder-Spree, der Spreewald oder die Ruppiner Seen zählen seit Jahren zu den beliebtesten Tourismusregionen des Landes. Das Lausitzer Seenland macht sich auf, mit seinen aus Tagebauen entstandenen Erholungsgebieten in diese Phalanx vorzudringen. Einer, der dies schon früh erkannt hat, ist Eckhard Hoika.

Er ist vor einigen Jahren als Ich-AG mit einem Fahrradverleih im Oberspreewald ins Tourismusgeschäft eingestiegen. Inzwischen hat er eine ganze Fahrradflotte, mehrere Mitarbeiter und bietet unter anderem geführte Touren rund um den Tagebau Welzow und die unterschiedlich gefluteten Restlöcher in der Region. Es gibt Exkursionen in Englisch und Französisch, und Hoika sucht gerade jemanden der Tschechisch spricht, um diese wachsende Zielgruppe erschließen zu können. Kathrin Winkler vom Tourismusverband Lausitzer Seenland weiß um die Herausforderungen, in einem Land wie Brandenburg mit seinen rund 2000 natürlichen Seen die 20 künstlichen zu vermarkten. Es muss darum gehen, die ganze Geschichte der Region zu erzählen, sagt sie: Die Braunkohlenutzung, die Veränderung der Landschaft, der Dörfer und das Entstehen der unterschiedlichen neuen Seen. Der Verein „Excursio“ in Welzow residiert im aufwändig umgebauten ehemaligen Bahnhof der Stadt.

Dort kann man erfahren, wie sich die Braunkohlebagger durch die Niederlausitz wühlten. Bei der Theorie muss es nicht bleiben. Der Verein bietet Exkursionen in die Tagebaue, direkt zu den stählernen Riesen, die sich durch 100 Meter Erdschicht wühlen, bis der Kohleflöz freigelegt ist.

13   000 Gäste nahmen im vergangenen Jahr die Angebote des Vereins an. Und kombinieren beispielsweise eine Fahrt in den Tagebau mit einer weiß gedeckten Tafel mitten in der Bergbau-Mondlandschaft oder mit einer Weinverkostung von den ersten Reben, die auf den sanierten Tagebauhängen gepflanzt wurden. In Großräschen ist bereits der nächste Schritt der Veränderung zu sehen. Das Seehotel in einem früheren Wohnheim eines Bergbauunternehmens wurde eingerichtet, als der See selbst noch eine Vision war. Heute ist die frühere Grube bereits halb gefüllt. Der dazu gehörende Hafen wird im Trockenen gebaut. Bis 2017 soll der endgültige Wasserstand erreicht werden und der Hafen geflutet sein.

80 der 120 Liegeplätze für Boote sind bereits vergeben. Neun Milliarden Euro sind von der bundeseigenen Bergbausanierungsgesellschaft in die ostdeutschen Braunkohlereviere geflossen, erklärt Klaus Freytag, Chef des Landesbergamtes. Für viele Probleme bei der größten Landschaftsumgestaltung Europas gab es keine Vorbilder. Bei der Sicherung der Böschungen lief nicht immer alles wie gedacht. Die Verockerung der Fließe durch ausgewaschenes Eisenoxid hatte niemand so vorhergesehen. Auch die Wasserqualität stimmte nicht in jedem Fall auf Anhieb.


Jedes Jahr kommen neue Attraktionen


Am Senftenberger See ist zu erleben, wie sich die Region entwickeln könnte. Seit den 70er Jahren entstand dort ein Erholungsgebiet, das sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Der frühere Tagebausee gilt als Badewanne Sachsens. In Senftenberg selbst ist in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Uferpromenade gebaut worden. 1524 Betten in Hotels und Pensionen und in einer familiengerechten Ferienanlage gibt es in der Stadt. Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) verhandelt mit Investoren über ein weiteres Hotel der gehobenen Klasse am Hafen.

Das Gäste-Potenzial sei längst noch nicht ausgeschöpft, sagt Tourismusmanagerin Winkler. Die Zuwachsraten an Übernachtungen sind höher als in anderen Landesteilen. Jedes Jahr kommen neue Attraktionen hinzu. In diesem Jahr ein neues Fahrgastschiff auf dem Senftenberger See. Über das Überleitersystem, das die künstlichen Seen verbindet, soll es Gäste in die ganze Region transportieren. Jeder See wird eine eigene Spezifik erhalten – ob Badesee, Naturidyll oder Rennstrecke für Jet-Ski. Es wird noch Jahre dauern, bis alles fertig ist, aber bereits der Weg dahin ist attraktiv. 

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