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Lifestyle : Der raue Preuße wird fünf

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Cornelia Bohn ist mit dem noch jungen Whisky ihrer Brennerei zur Botschafterin der Uckermark geworden.

svz.de von
erstellt am 17.Mai.2015 | 09:00 Uhr

Schönermark Etwas sanfter ist er geworden – der erste Fünfjährige aus dem Fass der Preußischen Whiskydestillerie Schönermark. Kenner erwarteten das Ergebnis mit Spannung. Schöpferin Cornelia Bohn ist mit ihrem Hochprozentigen zu einer Art Botschafterin der Uckermark geworden.

Ihren spektakulärsten Auftritt hatte sie in New York in Reitstiefeln und preußischer Uniform. „What‘s that?“ entfuhr es den Whisky-Päpsten Amerikas angesichts der jungen Frau aus dem so völlig unbekannten Ort irgendwo in der alten Heimat der Einwanderer. Die stand mit ihren ungewöhnlichen Flakonflaschen, auf denen das schwarze Friesenpferd springt, inmitten der ganz Großen der Szene und ließ auf ungewöhnliche Art den ganz frischen Whisky ihrer winzigen Brennerei verkosten. „That‘s good“ schmunzelten die Amerikaner anerkennend.

Ein solcher Spruch kommt in der rauen Whiskywelt einer Goldmedaille gleich. Dass sich eine Frau in die Domäne der Herren wagt, ist gar nicht mehr so selten. Doch die durchgestylte Werbekampagne mit Imagefilm und Verpackung, mit Extra-Broschüre und dreidimensionalem Messebild hat eingeschlagen. Wild galoppierende Friesen, junge Frauen in preußischen Uniformen, Männer mit Kaiserbart und Nebel über grünen Wiesen sind die uckermärkische Antwort auf legendäre Werbebilder made in Amerika. Sie sollen die Geschmacksrichtung des ersten Preußenwhiskys und das Lebensgefühl seiner Macher symbolisieren.

 „Inzwischen fühle ich mich wie eine Art Botschafterin der Uckermark“, sagt Cornelia Bohn. Sie muss Vorträge halten, wie sie als Frau eine eigene Brennerei betreibt. Sie muss auf internationalen Messen den rauen Hochprozentigen aus Schönermark inmitten der kaum noch überschaubaren Konkurrenz behaupten. Sie muss nach Monaco, um über ihre Verpackungsidee zu referieren. Zwischendurch war der Preuße ausverkauft. Von der jüngsten Abfüllung im November gab es gerade noch bis Dezember Nachschub, dann zuckten die Händler mit den Schultern. Obwohl der halbe Liter nicht gerade zu den billigen seiner Klasse gehört, ist Cornelia Bohn bisher noch nicht reich geworden. Das liegt an den derzeit gebrannten geringen Mengen. Wegen der wachsenden Nachfrage gibt sie ab Juni ihren Job in einer Apotheke auf und widmet ihr Leben nun ganz der mit viel Liebe und familiärer Hilfe aufgebauten Brennerei. Die befindet sich in einem früheren Pferdestall mitten in Schönermark. Seit dem Start im Sommer 2009 läuft die kupferglänzende Anlage. Hinter einer sicher verschlossenen Tür ruhen die Eichenfässer. Von 2000 auf vielleicht 5000 Flaschen pro Jahr könnte die Produktion steigen. Eine weitere Investition ist notwendig.

Vom Mahlen des gemälzten Getreides bis hin zur Abfüllung und der persönlichen Unterschrift der einzeln numerierten Flaschen begleitet Cornelia Bohn ihren Whisky in Handarbeit. Den Prinzipien bleibt sie preußisch treu: Nur ein Fass im Abverkauf. Für den Aufwand bedanken sich Whiskykenner aus ganz Deutschland. Der erste Fünfjährige ist nicht mehr so rau, etwas milder, dennoch kräftig, ohne zu brennen, ein wenig süßer und dennoch nicht deutlich anders als die bisherigen Abfüllungen. Wann es den ersten Zehnjährigen gibt, kann die Chefin nicht sagen. Logischerweise nehmen die Vorräte der ersten Jahre ab. Auch der Alkoholgehalt – Folge des natürlichen Schwunds in den Fässern, die fast unter Außenklima lagern. „Die Engel holen sich ihren Anteil“, sagen die Brennmeister.

Und auch der Zoll. Der allerdings in Euro. Bewerten lässt sie den wilden Preußen nicht. Wieder ein Prinzip der Uckermärkerin. Erst wenn ein Bewerter von selbst kommt, sich die eigenen Proben zieht und dann zu Hause in Ruhe genießt, könne er überhaupt zu einem objektiven Urteil gelangen.

 „Ich mache einen ehrlichen Whisky, also verlange ich eine ehrliche Bewertung.“ Mit amüsanten Anekdoten führt sie zweimal jährlich uckermärkische Gäste durch den Backsteinbau. Ob sie künftig von der Produktion leben kann, zeigen die kommenden Jahre. „Wir leben in der Uckermark und mit unserem Lebensstandard nicht auf der großen Spur“, sagt Cornelia Bohn. „Aber bereut habe ich meinen Whiskytraum nie.“

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