Eichenprozessionsspinner : Der Kampf gegen die Raupen geht weiter

Fiese Tierchen.
Fiese Tierchen.

Das Land rüstet sich zu einem weiteren Schlag gegen den Eichenprozessionsspinner. Derzeit laufen nach Angaben des Forstministeriums die üblichen Genehmigungsverfahren zum Einsatz des unter Naturschützern umstrittenen Mittels Dipel ES.

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18. Februar 2014, 22:01 Uhr

Das Land rüstet sich zu einem weiteren Schlag gegen den Eichenprozessionsspinner. Derzeit laufen nach Angaben des Forstministeriums die üblichen Genehmigungsverfahren zum Einsatz des unter Naturschützern umstrittenen Mittels Dipel ES, mit dem der Schädling bekämpft werden soll. Die Schlacht um Brandenburgs Eichen ist noch nicht gewonnen. Aber nachdem Land und Kreise im vergangenen Jahr der gefährlichen Raupe den Kampf angesagt und zum 4,5 Millionen Euro teuren Großangriff aus der Luft und vom Boden aus geblasen hatten, scheint sich der Eichenprozessionsspinner von der erlittenen Niederlage nur schwer zu erholen.

„Die Zählungen der Ei-Gehege in den bekämpften Gebieten haben bislang ergeben, dass der Einsatz erfolgreich war“, sagt Birgit Korth vom Referat Wald und Forstwirtschaft im Agrarministerium. Fast 9000 Hektar Eichenwald und viele Alleen waren 2013 großflächig mit Dipel ES besprüht worden – bis auf wetterbedingte Rückschläge in der Prignitz erfolgreich. Bis 22. Februar soll Korth zufolge ein Gesamtüberblick seitens der Forstämter vorliegen, die derzeit stichprobenartig Baumkronen nach neuen Gelegen absuchen.

Der Einsatz der chemischen Keule war im vergangenen Jahr notwendig geworden, weil immer mehr märkische Eichen am Kahlfraß der Raupe zugrunde zu gehen drohten. Allein in den Potsdamer Schlössern und Gärten waren 70 Prozent der Bäume vom Schädling befallen. „Experten sagen, dass die Ausbreitung der Raupe langsam den Kulminationspunkt erreicht hat“, beruhigt Korth. Doch nach Einschätzung von Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade ist das noch kein Grund zum Aufatmen, denn der Spinner zieht nun Richtung Ostbrandenburg. „Wir können noch nicht entwarnen“, betont Schade. Zumal die Raupe nicht nur für Eichen, sondern auch für Menschen gefährlich ist. Die feinen Haare können beim Menschen nach Kontakt mit dem darin enthaltenen Gift Thaumetopo Jucken sowie Reizungen der Augen und Atemwege hervorrufen und beim Einatmen der Härchen sogar zum allergischen Schock führen.

Einer aktuellen, nicht repräsentativen Studie des Gesundheitsministeriums zufolge hat die Dipel ES-Offensive im vergangenen Frühjahr Wirkung gezeigt: Die Zahl der Erkrankungen, die auf Kontakt mit dem Schädling zurückzuführen sind, ist auf 1429 gesunken und damit gegenüber 2012 um 60 Prozent zurückgegangen. Ernsthafte Komplikationen wie allergische Schocks seien nicht mehr gemeldet worden, fasst Martina Korn vom Gesundheitsministerium zusammen.

Angesichts dieser Erfolgsnachrichten wollen Land und Kommunen in diesem Jahr auf den Einsatz aus der Luft verzichten und den Eichenprozessionsspinner auf etwa 2000 Hektar Waldfläche vom Boden aus bekämpfen. Um die dazu notwendige Genehmigung feilscht Potsdam derzeit mit dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, das dem Land beim Einsatz Insektizids Dipel ES eine zehnfach geringere Konzentration als noch 2013 vorschreiben will. Birgit Korth ist zuversichtlich, einen Kompromiss zu finden. Dabei drängt die Zeit: Der Kampf gegen die verbliebene Population muss aufgenommen werden, bevor der Schädling ins Larvenstadium fällt.

„Wir müssen auch in diesem Jahr flächendeckend bekämpfen, nur so kann es langfristig einen Erfolg geben“, sagt auch der Förster Eckhard Kakstein aus der Gadower Revier. Der milde Winter habe keinen Einfluss auf die Population strenger Frost ebensowenig. Der Kreis Prignitz liege mit den Vorbereitungen im Zeitplan, informiert die zweite Beigeordnete Dr. Sabine Kramer. Die Ausschreibung für die Bekämpfung aus der Luft sei abgeschlossen, der Kreisausschuss müsse noch die Vergabe offiziell genehmigen. Während landesweit die zu bekämpfende Fläche wohl kleiner ausfalle, dürfte sie in der Prignitz annähernd konstant bleiben, schätzt Kramer. „Wir sind in der Endphase der Erfassung.“

Auch landesweit werden die 2013 größtenteils vom Spinner bereinigten Waldflächen weiterhin beobachtet. „Wird eine Schadstufe festgestellt, dann erhöhen wir die Kontrolldichte“, erklärt die Schädlingsexpertin Birgit Korth. Aber sie glaubt, die Raupe in die Knie gezwungen zu haben. „Dort, wo wir im vergangenen Jahr im Einsatz waren, ist der Eichenprozessionsspinner weg – und der Vitalität der Eichen hat die Bekämpfung auch nicht geschadet.“

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