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Forschungsgelände : Der Kaiser am Straßenrand

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Leiter der Obstbau-Versuchsstation des Landesamtes weiß um die Geschichte, Besonderheiten und speziellen Vorzüge jeder einzelnen. Der Fachmann ist ein wandelndes Lexikon, kaum ist er mit den Erläuterungen zu einer Sorte fertig, setzt er seine Erklärungen fort.

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erstellt am 12.Sep.2014 | 08:00 Uhr

Es sind schon die Farbspiele, die optisch bezaubern. Hier mittelgroße Früchte in einem satten Rot, gleich daneben besonders große Exemplare, die in eher blassgelber Grundfarbe mit rötlichen Bäckchen daherkommen – und ein Stück weiter kleinere in einem dunklen, beinahe bronzeartig wirkenden Gelbton. Apfel ist keineswegs gleich Apfel.

Das weiß eigentlich jeder, doch die ganze Bandbreite dessen, was die Vielfalt dieses Kernobstes ausmacht, wird erst so richtig deutlich, wenn jemand vor den Baumreihen auf dem Areal am Rande des Müncheberger ZALF-Geländes (Zentrum für Agrarlandschaftsforschung) steht. Dicht an dicht hängen die Früchte an den Zweigen, und auch Dr. Hilmar Schwärzel schaut voller Stolz auf die reifende Pracht.

1000 Apfelsorten stehen hier vereint, und der Leiter der Obstbau-Versuchsstation des Landesamtes weiß um die Geschichte, Besonderheiten und speziellen Vorzüge jeder einzelnen. Der Fachmann ist ein wandelndes Lexikon, kaum ist er mit den Erläuterungen zu einer Sorte fertig, macht er schon wieder mit der nächsten bekannt.

Es sind etliche darunter, von denen der Laie in seinem Leben noch nie etwas gehört haben mag. Sehr zu Unrecht, wenn der Experte auf den „wunderbaren Geschmack“, Ertragsfülle oder auch Robustheit der Bäume zu sprechen kommt. Nachvollziehbar aber anhand der Anmerkungen, dass eben vieles dieses traditionellen Reichtums heute aus Vorgärten, Obstplantagen und von den Straßenrändern verschwunden ist.

Die Ochsennase zum Beispiel: „Schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist die nicht mehr in der baumschulischen Anzucht“, erläutert Schwärzel mit Blick auf die großen, hellen Früchte. Das Material, das in Müncheberg überdauert, ist „von uralten Bäumen zwischen Süd-Mecklenburg und Sachsen zusammengetragen worden“, merkt er noch an.

Noch gigantischer, beinahe kindskopfgroß, können die Früchte bei Kaiser Alexander werden. Eine uralte russische Sorte, die sich dort bei den winterlichen Intensivfrösten bewährt hat und deshalb in der Weimarer Zeit auch in unseren Breiten heimisch wurde. Ursprünglich aus Schweden stammt wiederum der Herbststreifling, wie der Livländer Grafensteiner wegen seiner charakteristischen Musterung auch genannt wird. Die Berliner Traditionsbaumschule Späth machte sie ab den 1920er-Jahren in der Mark heimisch, gerade nach dem Extremwinter 1928/29 sei das eine gute Empfehlung für widerstandsfähiges Material gewesen.

Aktuell startet auf dem Hof die Selbstpflücke: „Wir haben hier derzeit 300 genussreife Sorten“, so Schwärzel, wozu übrigens auch etliche Birnen und Pflaumen gehören.

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