Ort der Gemeinschaft: : Der gesunde Konsum

Freundlich, übersichtlich und ein Ort der Gemeinschaft: „Der gesunde Konsum“ in Niederfinow.
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Freundlich, übersichtlich und ein Ort der Gemeinschaft: „Der gesunde Konsum“ in Niederfinow.

Die Stühle sind oft besetzt. Denn in dem Dorfladen kann nicht nur eingekauft werden. Ehrenamtliche Helfer bieten auch an jedem Wochentag ein warmes Mittagessen und frischen Kuchen an.

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30. November 2015, 16:54 Uhr

Der ältere Herr bleibt mitten im Laden überrascht stehen. „Was habt ihr denn hier gemacht? Das ist ja eine echte Überraschung“, ruft er. Der Konsum mit dem Namenszusatz „gesund“ in der Hebewerkstraße 111 hat frisch tapezierte, helle Wände, übersichtlich angeordnete weiße Regale, einen großen Tresen mit Kühltheke sowie eine gemütliche Sitzecke mit großem Tisch, Garderobe und vielen Stühlen.

Die Stühle sind oft besetzt. Denn in dem Dorfladen kann nicht nur eingekauft werden. Ehrenamtliche Helfer bieten auch an jedem Wochentag ein warmes Mittagessen und frischen Kuchen an. Heute gibt es Kürbissuppe für 2,90 Euro. Gekocht hat sie Rentnerin Elke Hartmann, die sich freut, dass es in dem langgezogenen Straßendorf endlich wieder einen Treffpunkt gibt. „Hier kommen zufällig Leute zusammen und ins Gespräch, die sich sonst nie begegnen - total toll.“ Demnächst können auch Päckchen und Briefe aufgegeben oder abgeholt werden.

Das Einkaufen werde hier tatsächlich manchmal zur Nebensache, hat Ute Peters-Pasztor beobachtet. Die 53-jährige Initiatorin des Dorfkonsums ist seit der Kommunalwahl im vergangenen Jahr ehrenamtliche Bürgermeisterin (parteilos) in dem 600-Seelen-Ort, der vor allem wegen des großen Schiffshebewerkes bekannt ist. „Der alte Konsum schloss vor einigen Monaten. In Niederfinow, aber auch den Nachbarorten Hohenfinow und Liepe, gibt es ansonsten nichts, wo man mal ungezwungen oder auch zufällig zusammenkommt“, erklärt die gebürtige Greifswalderin. Ältere Bewohner, die selbst nicht mehr Auto fahren, sind ihren Beobachtungen nach beim Einkaufen auf die Hilfe von Nachbarn angewiesen. Der nächste Supermarkt befindet sich im etwa zehn Kilometer entfernten Eberswalde.

Mit dem neuen Laden, an dessen Entstehen viele Freiwillige aus dem Ort beteiligt waren, verfolgt sie aber noch weitere Ziele: Angeboten werden vornehmlich regionale sowie Bio-Produkte und gesunde Kost. „Bei uns steht das Ayurveda-Salz gleich neben der herkömmlichen Mayonnaise und selbstgemachter Marmelade“, sagt Peters-Pasztor. Der Honig stammt von einem Imker aus dem Nachbarort, die Wurst vom Fleischer nebenan.

Wie gut die Waren angenommen werden, zeigt sich am selbst hergestellten Apfelmost. Die Früchte stammen aus den Gärten der Niederfinower. „Der Saft geht weg wie die sprichwörtlichen Semmeln“, sagt Verkäuferin Renate Wenzel. Lebensweisheiten und Hausmittel sowie Tipps zur gesunden Ernährung gibt es von Peters-Paztor, ehrenamtlichen Helfern und Vermieterin Gertrud Appel frei Haus. Die 93-Jährige schaut häufig in dem Laden vorbei, in dem sie selbst 1948 das erste Selbstbedienungsgeschäft der Region eröffnete.

Peters-Pasztor, die hauptberuflich als Kinder- und Jugendpsychiaterin in Eberswalde arbeitet, wünscht sich den Konsum auch als „sozialen Ort“. Eine Büchertausch-Ecke entsteht gerade, ein Regal mit Sachen zum Verschenken und eine Pinnwand, in der Anwohner annoncieren können, was sie suchen oder anbieten. „Bemerkenswert“, findet Barnim-Landrat Bodo Ihrke (SPD) das Engagement. „Gerade in ländlichen Regionen braucht es Mut und die richtige Idee, um etwas zu bewirken“, sagte er. Dieses Projekt sollte Schule machen.

Es gehe nicht darum, mit dem Konsum Gewinn zu erwirtschaften, sagt Ladeninhaber Attila Pasztor, Ehemann der Bürgermeisterin. „Eine schwarze Null reicht völlig“, meint der Psychologe, wohl wissend, dass viele Tante-Emma-Läden auf dem Lande dicht gemacht wurden, weil sie unrentabel waren. „Hoffentlich hält sich unser Konsum lange“, wünscht so auch jeder, der in den neuen Niederfinower Treffpunkt kommt.

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