Insekt des Jahres 2015 : Der Falter, der den Sommer bringt

Kommt nur im Osten der Mark vor: der Silbergrüne Bläuling
Kommt nur im Osten der Mark vor: der Silbergrüne Bläuling

Wo er vorkommt, da geht es auch vielen anderen Arten gut: Der Silbergrüne Bläuling ist das Insekt des Jahres 2015 – er fliegt in Ostbrandenburg häufig

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15. März 2015, 09:00 Uhr

Das ist ein Schmetterling, der den Sommer bringt. Wenn der Silbergrüne Bläuling ab Mitte Juli zwischen Blüten gaukelt, dann ist der Sommer auf seinem Höhepunkt. Der Falter, dessen Namen bisher nur Kenner kannten, ist zum Insekt des Jahres 2015 gewählt worden. Nicht nur, weil er schön aussieht. Der Bläuling gilt als ein Symbol für intakte Natur. „Er ist immer dann da, wenn die Bedingungen stimmen“, sagt Thomas Schmitt, Direktor des Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut (SDEI) in Müncheberg (Märkisch-Oderland), das eine große Schmetterlingssammlung beherbergt.

Schmetterlingsexperte Schmitt ist Vorsitzender des Kuratoriums „Insekt des Jahres“, das den Bläuling in Berlin präsentierte, zu einer Zeit, in der sich noch kein Falter draußen blicken lässt. Die Raupen des Bläulings stecken gut verpackt in ihrer Eihülle und warten. Um im Sommer dann als prominente Falter durch Ostbrandenburg zu flattern.

Brandenburg ist das nördlichste Verbreitungsgebiet dieser Art in Europa. Der Silbergrüne Bläuling fliegt zwischen Frankfurt (Oder) und Schwedt, vor allem an den Oderhängen. Er kommt relativ häufig vor und gehört nicht zu den vom Aussterben bedrohten Arten. Aber: Auch sein Lebensraum schwindet. Der Bläuling besiedelt sogenannte Magerrasen, in Brandenburg sind das bestimmte Sandmagerrasen. Der Name Magerrasen trügt: „Das sind die artenreichsten Lebensräume Mitteleuropas“, erläutert Thomas Schmitt, der über diesen Bläuling promoviert hat.

Mit der Wahl des Falters will das Kuratorium besonders auf dessen gefährdete Lebensräume – Wiesen mit vielen Blumen wie Orchideen und zahlreichen Insekten – aufmerksam machen. Der Falter kommt nur dort vor, wo diese Lebensräume intakt sind. Wer ihn schützt, bewahrt damit auch zig andere Arten, die dort existieren. Bedroht sind diese blühenden Landschaften durch die Landwirtschaft. „Kunstdüngung und auch organischer Dünger sind tödlich für sie“, sagt Schmitt.

Deshalb sind diese Falter hauptsächlich in Naturschutzgebieten und auf ehemaligen Truppenübungsplätzen zu Hause. Allerdings lassen sich die Schmetterlingswiesen auch dort nur erhalten, wenn der Mensch eingreift und zum richtigen Zeitpunkt mäht. An den Oderhängen ist das zum Teil schon problematisch, schildert Schmitt, weil sie zu wenig beweidet werden. Ohne Pflege drohen solche Gebiete aber mit Büschen zuzuwachsen. Die Pflege von Kulturlandschaften ist hier auch Naturschutz. Denn der Falter braucht die offene Landschaft in der bestimmte Pflanzen gedeihen, von denen er sich ernährt. Die Schmetterlinge saugen im Sommer Nektar von verschiedensten, bevorzugt violetten Blüten. Die Raupen, die im März schlüpfen und sich im Juni verpuppen, fressen in Brandenburg ausschließlich die Bunte Kronwicke, eine lila blühende krautige Pflanze.

Um bestehen zu können, braucht der Schmetterling relativ viele solcher Wiesen. Der Silbergrüne Bläuling gehört zu den Arten, die in kleinen, isolierten Nischen nicht überleben. Inzucht würde die Population zerstören. Er benötigt größere Flächen oder viele zusammenhängende Lebensbereiche, wo zahlreiche Schmetterlinge leben oder andere von außen zuziehen können. Nur so wird das Erbgut in der Gemeinschaft ausreichend durchmischt.

Dafür nehmen die Falter auch längere Wege in Kauf: Forscher haben beobachtet, dass sie bis zu 30 Kilometer weit fliegen können. Es sind vor allem ältere Weibchen, die auswandern und neue Kolonien gründen. Sie haben dafür eine besondere Strategie entwickelt. Etwa 90 bis 95 Prozent ihrer Eier legen sie in ihrem alten Zuhause ab. Mit den restlichen fünf Prozent machen sie sich auf in unbekannte Gefilde – um sie zum Beispiel in eine neue Kolonie zu investieren. „Das funktioniert so ähnlich wie bei vorsichtigen Investoren“, sagt Thomas Schmitt.

Allerdings brauchen die Falter auch einen geeigneten Ort, der für eine Neubesiedlung taugt. Dafür können Brandenburger etwas tun, indem sie ein Stück Wiese in ihrem Garten reservieren, das nur einmal im Jahr gemäht wird. Dann können sich Blumen wie die Flockenblume ansiedeln – Futter für die Schmetterlinge.

Solche kleinen Flecken in Gärten helfen, Lebensräume miteinander zu vernetzen, sie sind wie kleine Inseln in einem Archipel. „Wenn jeder ein kleines Stück Garten insektenfreundlich gestalten würde“, meint Thomas Schmitt, „wäre viel gewonnen.“

Der Silbergrüne Bläuling

Vorkommen: nur in Europa verbreitet mit Ausnahme von Skandinavien und Finnland. Der Silbergrüne Bläuling kommt auch in Deutschland häufig vor. Brandenburg ist sein nördlichstes Verbreitungsgebiet.

Aussehen: 2,5 bis 3 Zentimeter Flügelspannweite. Nur bei den Männchen schimmert die Oberseite der Flügel blaugrün. Die der Weibchen sind braun gefärbt.

Falterfreunde: Das sind die Ameisen. Sie beschützen die Raupen des Bläulings vor parasitischen Wespen, die ihre Eier in die Raupen ablegen. Die Schmetterlingsraupen kaufen sich diesen Schutz mit einem süßen Sekret, das sie aus Drüsen absondern, und das die Ameisen gerne fressen.

Nahrung: Die Falter saugen Nektar verschiedenster Blüten. Die Raupen sind Spezialisten. Sie fressen in Süddeutschland nur Hufeisenklee und in Brandenburg ausschließlich Bunte Kronwicken. Die brandenburgischen Vorkommen gehören gemeinsam mit den sächsischen zu einer Linie. Sie sind vom Balkan eingewandert.

Wann kann man sie beobachten? Ab Mitte Juli fliegen die ersten Falter. Vereinzelt sind sie bis in den frühen Herbst zu sehen.

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