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Panorama BB

23. November 2017 | 12:37 Uhr

Der Burgbau zu Wildberg

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Jürgen Petke errichtet derzeit die alte Sumpfburg als Modell / 2015 wird es die 700-Jahr-Feier im Dorf geben

svz.de von
erstellt am 30.Dez.2014 | 13:42 Uhr

Ein winziger, kaum fingerhutgroßer Eimer baumelt am Brunnen. Nebenan hängt ein kleiner Kupfertopf über den Kohlen. Der große, aus Feldsteinen gemauerte Turm steht noch etwas abseits. Ihn muss Jürgen Petke erst noch auf sein Modell setzen. Der 64-Jährige aus Ostprignitz-Ruppin baut derzeit die Wildberger Burg nach.

Besucher, die in Petkes Wohnzimmer sitzen, merken schnell: Hier hat sich jemand der filigranen Handarbeit verschrieben. Ein großes Schiffsmodell in der Ecke zeugt davon. Es wurde von dem Wildberger selbst gebaut – wie schon viele, viele Nachbildungen vorher. Dazu kommt eine gewisse Leidenschaft für die Historie. Seit rund 30 Jahren sammelt Petke Zeugnisse aus der Vergangenheit, ob Säbel, Uniformen oder Bilder. Sein Hobby ist kein Geheimnis, daher war es auch nicht besonders überraschend, dass Siegfried Naumann ihn vor zirka vier Jahren ansprach, ob er nicht einmal ein Modell der Wildberger Burg bauen will.

Hintergrund war, dass das Dorf in diesem Jahr sein 700-jähriges Bestehen feiern will. Doch Petke war skeptisch: Es gibt kaum Überlieferungen zu dem einst wehrhaften Gebäude. „Ich fragte: ‚Wie soll ich das machen? Es gibt doch keine Unterlagen‘“, erinnert er sich. Anfang 2014 gab es diese dann doch: Naumann und der Wildberger Ortschronist Egbert Zemlin haben einige Fakten zur Burg zusammengetragen, darunter ein Grundriss und eine alte Beschreibung. Nur ein Bild gab es weiterhin nicht.

Doch Petke reichte das erst einmal, er machte sich im Februar 2014 an die Arbeit. Dafür besetzte er die heimische Küche. Aus winzigen Feldsteinen setzte der gelernte Maurer nach und nach in Detailarbeit den Turm zusammen – mit Fenstern, einem Tor und einem geschlossenen Holz-Aufbau mit Dachschindeln. Doch irgendwann reichte die Küche einfach nicht mehr aus, vor allem da auch Burghof und Wall noch dazukommen mussten.

Petke zog also ins Freie auf den Hof an der Wildberger Bergstraße. Er nahm eine 1,40 mal 1,10 Meter große Unterlage, die sozusagen das Fundament der Burg bildet. Nach und nach entstanden der Erdwall, die hölzerne Abgrenzung aus Mini-Pfählen, die Zugbrücke und der voll ausgestattete Hof mit Brunnen, Feuerstelle und Sandboden. Um diesen zu fixieren, hat Petke den Untergrund geleimt und anschließend den Sand darauf rieseln lassen. Der Überschuss wird nun noch abgesaugt. Auch die Begrünung des Walls wird durch jede Menge Leim bewerkstelligt.

Petke ist sehr zuversichtlich, dass das Burgmodell, das inzwischen in der Garage überwintert, bis zum 11. Juli fertig wird. Denn dann steht in Wildberg die 700-Jahr-Feier an. Ortschronist Egbert Zemlin plant aber, die Burg auch später noch zu präsentieren – während einer großen Ausstellung in der Turnhalle, die nach dem großen Fest ansteht. Dann wird es auch einige Infos zu dem stattlichen Gebäude geben.

Ursprünglich hatten die Slawen das Areal nahe dem alten Bahnhof erschlossen. Sie bauten laut Zemlin den Ringwall, der mit Holzpfählen befestigt wurde – lange bevor es Wildberg gab. Später wurden die Slawen von den Deutschen vertrieben. Die Freiherren und Edlen von Plotho ließen sich in der Region nieder. Sie haben den Ringwall ausgebaut und als Festung genutzt, um sich gegen die Herren von Arnstein zu verteidigen. So entstand der große Burgturm, der eine Sicht bis nach Neuruppin und Fehrbellin ermöglicht haben soll, so die Überlieferung.

Zur Zeit Theodor Fontanes stand die Burg schon nicht mehr. Aber der berühmte Schriftsteller erwähnt ihre Reste, die Turmmauern, die noch lange zu sehen waren. Und auch ein anderer bekannter Deutscher hat Verbindungen zur Wildberger Burg: Als die Burg im späten 19.  Jahrhundert wieder ausgehöhlt wurde, um mit der Muttererde das Moor ringsherum urbar zu machen, war der bekannte Arzt Rudolf Virchow dabei, der sich auch auf dem Feld der Archäologie betätigte. Virchow beschrieb viele Funde, die während der Arbeiten zutage gefördert wurden.

All diese Anekdoten rund um das Bauwerk wird Zemlin im Jubiläumsjahr noch öfter zum Besten geben müssen. Daher hegt er auch große Erwartungen in das Burgmodell von Jürgen Petke, das diese längst vergessene Zeit erlebbar machen soll. „Er ist der Praktiker, ich der Theoretiker, so Zemlin.

Wenn das Projekt Burg beendet ist, kann sich Petke vorstellen, sich der Wildberger Kirche zu widmen. „Aber erst, wenn andere Vorhaben abgeschlossen sind“, sagt er. „Na, das kann ja noch dauern“, meint seine Frau Sylvia mit Blick auf die Garage, in der noch viel Arbeit wartet.

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