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Dem Auerhuhn gefällt die Mark

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Pilotprojekt zur Wiederansiedlung des größten europäischen Vogels in Südbrandenburg läuft Ende 2014 aus

svz.de von
erstellt am 09.Okt.2014 | 12:46 Uhr

Die Wiederansiedlung des Ende der 1990er-Jahre in Brandenburg ausgestorbenen Auerhuhns scheint geglückt. Kurz vor Abschluss einer dreijährigen Pilotstudie, in der insgesamt 60 schwedische Wildfänge in der Niederlausitzer Heidelandschaft ausgesetzt wurden, deutet alles auf einen Erfolg hin.

Die spannende Frage, was in der Niederlausitzer Heidelandschaft zuerst da war – die Henne oder das Ei – kann Lars Thielemann ganz klar beantworten: das Auerhuhn, und zwar seit Mai 2012. Thielemann ist Leiter des Naturparks „Niederlausitzer Heidelandschaft“ – und das Auerhuhn ist ihm nicht erst seit Start des Pilotprojekts ans Herz gewachsen. Streng genommen ist der gänsegroße Vogel in seine alte Heimat zurückgekehrt. 26 Hennen traten damals unfreiwillig den Weg von Schweden nach Südbrandenburg an.

Den an sich scheuen Tieren wurde ihr Appetit auf frische Grashalme nach der Schneeschmelze in der Provinz Västerbotten zum Verhängnis – sie versammelten sich an nordschwedischen Straßenrändern, wo sie aus langsam fahrenden Autos mit einem Kescher eingefangen und nach Brandenburg transportiert wurden.

Die Jagd auf das Auerhuhn erfolgte mit dem Segen der EU. 400 000 Euro stellten Brandenburg und die Europäische Union für den auf drei Jahre ausgelegten Wiederansiedlungsversuch bereit, durch den das Wappentier des Naturparks „Niederlausitzer Heidelandschaft“ wieder in Südbrandenburg heimisch werden soll.


2000 Tiere leben wohl in Deutschland


Dort war es bis Ende der 1990er-Jahre auch zuhause, verschwand dann aber von der Bildfläche, weil Braunkohleabbau, Truppenübungsplätze und Kiefernmonokulturen nicht nach seinem Geschmack waren. Inzwischen gilt der größte europäische Hühnervogel gar als ausgestorben – der Gesamtbestand in Deutschland wird auf etwa 2000 Tiere geschätzt.

Thielemann ist zuversichtlich, dass die Zahl wieder steigt. Zumindest das Projekt in Südbrandenburg „hätte nicht besser laufen können“, zieht der Naturparkleiter ein erstes Fazit. Von den 60 Rückkehrern hat knapp die Hälfte überlebt. „Von den 60 sind 28 nachweislich tot“, ergänzt Projektkoordinatorin Diana Sachs. Die Ursachen sind vielfältig: Neben natürlichen Feinden wie Fuchs und Habicht sind den Vögeln Freileitungen, Schutzzäune und Autos gefährlich geworden.

Bis Ende des Jahres wird Thielemann die Erkenntnisse des Feldversuchs wissenschaftlich aufarbeiten, danach muss die Politik entscheiden, ob das Projekt fortgesetzt wird. Aus seiner Sicht: unbedingt. Die Voraussetzungen seien gegeben: Die Forstwirtschaft habe sich zum Vorteil entwickelt, der Grundwasserspiegel steige, Moore würden renaturiert. „Entscheidend ist die Qualität der Wälder auf großer Fläche“, beschreibt Thielemann die Rahmenbedingungen. Das Auerhuhn sei als Leittier für andere bedrohte Arten das Sahnehäubchen obendrauf. „Wenn das mit dem Auerhuhn klappt, klappt es auch mit den anderen“, ist Thielemann überzeugt.

Die anfängliche Hoffnung, dass die vor zwei Jahren importierten Auerhennen bereits von potenten Hähnen in Schweden befruchtet worden sein könnten und in Brandenburg den ersten Nachwuchs ausbrüten würden, erfüllte sich nicht. Im vergangenen Jahr wilderte das Land deshalb erneut 26 Auerhühner in der Heide aus – und hatte gleich noch ein paar schwedische Hähne mit im Gepäck.

Alle wurden mit GPS-Sendern ausgestattet, die bis zu 15 Monate Signale senden und eine halbwegs perfekte Überwachung möglich machen – inzwischen haben sie ausgefunkt, und die Wissenschaftler müssen die geschätzten 25 bis 30 Tiere indirekt über deren Kot und Federn nachweisen.

So konnte Lars Thielemann auch in diesem Juli endlich eine Sensation vermelden: Die Feder eines Jungtiers konnte zweifelsfrei einem 2013 ausgewilderten Huhn zugeordnet werden, das in Südbrandenburg gebrütet hatte und zuvor von einem Hahn in Schweden erfolgreich bestiegen worden war. Für Thielemann der Beweis, dass das Auerhuhn in der Lausitz eine Zukunft hat.

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