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Tierfreundschaft : Das Lämmchen und die Hündin

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Hundedame Lady hat einen kleinen Schafbock adoptiert / Ziehsohn kann dank Scheinschwangerschaft auch gesäugt werden

Ottos Durst ist schier unstillbar. Immer wieder tippelt der kleine Kamerunschafbock zu seiner Ziehmutter, schlüpft unter ihren Bauch, stupst mit der Nase die Zitzen an, um den Milchfluss des vermeintlichen Euters anzuregen – so, wie es Schaflämmer bei ihren Müttern nun mal instinktiv machen. Doch Lady, die Mama auf Zeit, ist kein Kamerunschaf, ist überhaupt kein Schaf, sondern eine stattliche Neufundländerdame. Und normalerweise würde sie ihren Nachwuchs auch nicht im Stehen säugen, sondern im Liegen. Weil aber Otto es so will, bleibt sie geduldig stehen, damit sich der Kleine satt trinken kann.

Lady und Otto – sie sind zurzeit die tierischen Stars in Schernsdorf, einem kleinen Ort nahe Müllrose (Oder-Spree). Es ist jetzt rund zwei Monate her, dass die dickfellige Neufundländerdame den kleinen Schafbock in ihr Herz geschlossen und adoptiert hat. Den Schafbock, der von seiner Herde verstoßen worden war. „Er hat jämmerlich geschrien, als wir ihn gefunden haben“, erzählt Joachim Augusta, auf dessen Grundstück Lady zu Hause ist. „Seine Mutter hat ihn nicht säugen lassen, auch kein anderes Mutterschaf. Der Kleine wäre wohl verhungert.“

Ein Häufchen Elend war es, das da auf der Weide lag. Der 64-Jährige und seine Lebensgefährtin Monika Gündel nahmen es mit nach Hause, in Absprache mit dem Eigentümer der Herde, wollten sie es mit der Flasche aufziehen.

Doch kaum waren sie angekommen, nahm sich Lady, die sieben Jahre alte Neufundländerdame, des Findlings an. „Sie hat ihn sofort gesäubert“, sagt Joachim Augusta, „hat ihn abgeleckt und auch gleich saugen lassen.“ Denn Lady war scheinschwanger, hatte Tage zuvor Besuch von ihrem Hundefreund aus der Nachbarschaft gehabt und konnte nun Milch geben. „Wir waren völlig überrascht“, betont ihr Herrchen, „von solch einer Adoption hatten wir noch nie gehört.“

Seit diesem ersten Tag sind Lady und Otto buchstäblich ein Herz und eine Seele. Der kleine Schaflammbock folgt seiner Ziehmutter auf Schritt und Tritt, weicht ihr nicht von der Seite. Er lernt auch von ihr, wie man sich als Vierbeiner so benimmt. Beispielsweise, was das Fressen angeht. „Hunde fressen ja auch ab und zu Gras, um damit ihren Magen zu reinigen“, erklärt Joachim Augusta. „Das Zupfen der Grashalme hat sich Otto von Lady abgeguckt.“ Doch vorerst ist die Hundemilch noch lebensnotwendig für das Böckchen. Auch wenn sie allein nicht ausreicht – Monika Gündel füttert von Anfang an mit Flaschenmilch aus Milasanpulver zu.

Die Beziehung zu dem Lamm ist auch für die Hündin ein Segen. Im Herbst 2013 musste ihr Partner eingeschläfert werden, nächtelang war ihr Heulen zu hören. „Seit sie Otto hat, ist sie glücklich“, freut sich Joachim Augusta. Und seitdem schläft Lady auch wieder friedlich – in ihrer Hütte, zusammen mit dem Lamm, das sich jeden Abend in ihr dickes Fell einkuschelt.

 

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