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„Das ist richtig teuer“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Anstehende EU-Verordnung sorgt bei Krankenhausbetreibern und Verbänden für Unmut / Große Umbaumaßnahmen drohen

Die verschärfte EU-Vorschrift für die Standards für die Hubschrauberlandeplätze sorgt vor allem in den Reihen der Betroffenen für Unmut. So ist der Geschäftsführer der Landeskrankenhausgesellschaft, Jens-Uwe Schreck, empört über die Verordnung.

„Wir haben überall im Land sichere Landeflächen“, betont er. In seinen Augen schießt die EU in ihrem Streben nach Sicherheit über das Ziel hinaus. „Da wird nach der optimalsten Lösung gesucht, statt mit Augenmaß das zu verlangen, was sinnvoll und machbar ist.“ Leiden müssten darunter Menschen in Not, die darauf angewiesen seien, schnell an einen anderen Ort zu gelangen, statt vergleichsweise langsam mit dem Krankenwagen, warnt Schreck.

Auf der Kippe stehen vor allem Landeplätze in Innenstädten, wie eben in Rathenow. „Unser Landeplatz liegt 50 Meter von einem mehrgeschossigen Gebäude entfernt. Das ist der EU zu wenig“, erklärt Christina Tech, Logistikexpertin bei den vom Landkreis betriebenen Havelland Kliniken. „Die neuen Vorschriften legen zum Beispiel den einzuhaltenden Flugwinkel fest. Außerdem geht es darum, dass im Falle eines Falles auch ein Hubschrauber mit Triebwerksschaden sicher landen kann.“

Der Deutsche Hubschrauber Verband (DHV) indes hält die neuen Regeln für übertrieben bürokratisch und praxisfern. Das Netz der Luftrettung in Deutschland sei bereits jetzt äußerst sicher, sagt DHV-Geschäftsführer Thilo Scheffler. Laut Landeskrankenhausgesellschaft sei nun in jedem Einzelfall zu prüfen, ob und wenn ja wie man Plätze EU-konform nachrüsten könne. LKB-Geschäftsführer Schreck wünscht sich bei diesen Überlegungen Unterstützung vom Brandenburger Gesundheitsministerium, doch das winkt auf Nachfrage dieser Zeitung ab und verweist auf die Zuständigkeit des Bundesverkehrsministeriums.

Jens-Uwe Schreck blickt außerdem sorgenvoll auf die notwendigen Investitionen. Sie würden viele Häuser finanziell überfordern, vor allem wenn am Ende die einzige Lösung der Neubau eines Landeplatzes auf dem Dach sei. „Wenn es die Statik der Gebäude überhaupt zulässt, fallen da mehrere Millionen Euro an. Das ist richtig teuer.“

Das Rathenower Krankenhaus hofft stattdessen, den Landeplatz durch ein Hintertürchen behalten zu können. „Wir sind auf ihn angewiesen“, stellt Christina Tech klar. Und so wird im Bundesverkehrsministerium gerade an einer Ausnahmeregelung für Landeplätze mit relativ wenig Verkehr gearbeitet. Die Rede ist von maximal 100 Flugbewegungen im Jahr, womit Rathenow geholfen wäre. Ein Ministeriumssprecher wollte diese Zahl auf Nachfrage jedoch nicht bestätigen.

Der Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses Prignitz, Karsten Krüger, denkt ähnlich: „Das sind definitiv ziemlich hohe Anforderungen, die da erfüllt werden müssen. Und auch wenn ich nicht die Behörde bin, rechne ich mit Übergangszeiten zum Nachrüsten oder Ausnahmeregelungen.“ Doch sind diese Umbauten wohl für kleinere Einrichtungen, deren Landeplätze nicht wie der des Prignitzer Krankenhauses allein im Jahr 2013 je 1000 Landungen und Starts verzeichnete, recht schwer zu stemmen.

So ist die Zurückhaltung anderswo noch sehr groß. So lehnt es Jens-Uwe Schreck ab, die Namen aller kritischen Standorte in der Mark zu nennen. Von einer Klinik, die nach Informationen dieser Zeitung um ihren Platz bangen muss, gab es gestern auf eine diesbezügliche Anfrage keine Rückmeldung.

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