zur Navigation springen

Projekt Für Gesundheit und Umwelt : Das Auto bleibt stehen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Grundschüler in einer Gemeinde in Potsdam-Mittelmark sollen in dieser Woche zu Fuß oder mit dem Rad zum Unterricht kommen.

Bis morgen haben Kleinmachnows Grundschüler autofrei. Alle fünf Grundschulen der Gemeinde haben Eltern aufgerufen, ihre Kinder in dieser Woche nicht mit dem Auto zu bringen. Stattdessen sollen die Schüler das Fahrrad nutzen oder zu Fuß zur Schule kommen.

Die Initiatoren ziehen eine positive Zwischenbilanz. „Es sind nur wenige Autos zu sehen. Höchstens zwei Handvoll Eltern fahren ihre Kinder weiter zur Schule“, berichtete Sprecher Peter Sahlmann von der „Lokalen Agenda 21 Kleinmachnow“ gestern. Normalerweise würden Hunderte Eltern mit ihren Fahrzeugen allmorgendlich für ein Verkehrschaos vor den fünf Grundschulen der Speckgürtel-Gemeinde in Potsdam-Mittelmark sorgen. „Leidtragende sind dann die Schüler, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen und vom starken Autoverkehr gefährdet werden“, meint Sahlmann.

Auch aus diesem Grund macht sich die für Fragen rund um den Verkehr zuständige Agenda-Arbeitsgruppe für mindestens eine autofreie Woche pro Schuljahr stark. Gemeinsam mit den Kleinmachnower Grundschulen hat sie die Eltern auch in diesem Frühjahr aufgerufen, ihre Kinder während der Aktion zu Fuß oder mit dem Fahrrad zum Unterricht zu schicken. Noch bis Freitag läuft die autofreie Schulwoche, für die eigens ein Begleitservice für jüngere Schüler angeboten wird. An bestimmten Treffpunkten werden sie von älteren Schulkameraden oder einem Erwachsenen in Empfang genommen und bis zur Schule begleitet.

Vor drei Jahren hatte die Waldorfschule den Anfang gemacht. Seit zwei Jahren sind auch alle anderen Grundschulen dabei. Lediglich die Internationale Schule Berlin-Brandenburg (BBIS) habe diesmal verzichtet, erläutert Sahlmann. „Das Problem ist, dass ihr Einzugsbereich mit bis zu 25 Kilometern vergleichsweise groß ist.“

Verkehrsberuhigung und Reduzierung des motorisierten innerörtlichen Straßenverkehrs im Sinne der Umwelt wie auch Verkehrssicherheit sind wichtige Forderungen, für die die Agenda Kleinmachnow seit Jahren eintritt. Dafür sollten Kinder frühzeitig lernen, Spaß am Laufen und Radfahren zu haben und dabei schonend mit der Umwelt umzugehen, meinen die Akteure. „Bewegung und frische Luft sind positive Begleiterscheinungen“, resümiert Sahlmann. Für besorgte Eltern hat er derweil eine Statistik parat. „In Deutschland kommen Kinder auf dem Schulweg öfter im Auto zu Schaden als zu Fuß oder auf dem Fahrrad“, sagt er.

Für das Projekt „Autofreie Schule“ ist die Agenda-Gruppe Verkehr im vergangenen Jahr mit dem Umweltpreis des Landkreises Potsdam-Mittelmark ausgezeichnet worden. Sahlmann sieht trotzdem noch Potenzial nach oben. „Nur etwa 15 Prozent der Eltern haben im vergangenen Jahr auch nach der Aktionswoche noch auf den Transport ihrer Kinder mit dem Auto verzichtet. Wir wünschen uns diesmal natürlich mehr Nachhaltigkeit.“


Kein Modell für eine Gegend wie die Prignitz


Darüber hinaus würde sich Sahlmann freuen, wenn andere Kommunen in Brandenburg dem Kleinmachnower Beispiel folgen würden. Auch im Bildungsministerium würde man diese Entwicklung gutheißen. „Wir begrüßen dieses Projekt sehr“, betont Sprecher Stephan Breiding. Insbesondere in städtisch geprägten Regionen sei es lohnenswert, wenn Eltern über Alternativen zum Auto nachdenken würden.

Anders sei die Situation allerdings in ländlichen Regionen wie der Uckermark oder der Prignitz. Dort seien die Entfernungen zwischen Wohnort und Schule mitunter viel zu groß, als dass der Schulweg zu Fuß oder auf dem Rad bewältigt werden könne. „Aber es geht ja darum, bewusster mit dem Thema Schulweg umzugehen“, sagt Breiding.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen