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Wetter : Da braut sich was zusammen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

So ungewöhnlich wie in den vergangenen Wochen ist das Wetter selten / Jetzt ist Beruhigung in Sicht

svz.de von
erstellt am 17.Aug.2014 | 15:27 Uhr

Drückende Schwüle einerseits – überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und umgestürzte Bäume andererseits: Die Großwetterlage über Deutschland und Mitteleuropa war in den vergangenen Wochen eine ganz besondere. Seit dem Siebenschläfer Ende Juni hat uns der bisherige Sommer beständig hohe Temperaturen, feuchte Luft und schwere Unwetter inklusive Blitz und Donner beschert.

Die Hitze hat selbst Spuren in Brandenburgs Straßen hinterlassen. Höhepunkt war Ende Juli, als zwei von drei Fahrstreifen auf der Autobahn 2 zwischen Ziesar und Wollin zeitweilig gesperrt werden mussten. Betonplatten der 15 Jahre alten Autobahn hatten sich unter der Hitzestrahlung mehrerer Tage um bis zu 20 Zentimeter angehoben. Der Automobilclub ADAC kritisiert eine mangelnde Instandhaltung, die sich nicht nur im Winter, sondern auch bei hohen Temperaturen im Sommer räche.

Dass das Wetter ungewöhnlich war, merken die Meteorologen an den vielen Unwettergutachten, die sie zurzeit für Versicherungen erstellen müssen, weil umgestürzte Bäume Dächer oder Autos zerstört haben. Aber auch der Blick auf die Messstationen offenbart Bemerkenswertes. Zum Beispiel, dass örtlich viel mehr Regen als gewöhnlich gefallen ist. „Zum Teil über 100 Liter pro Quadratmeter in einer bis sechs Stunden“, sagt Andreas Friedrich, Sprecher beim Deutschen Wetterdienst (DWD).

Im meteorologischen Sommer 2014, der von Juni bis August reicht, musste der DWD bisher an fast 40 von 66 Kalendertagen amtliche Unwetterwarnungen herausgeben. Immer wieder wurde auch die höchste Stufe der „extremen Unwetterwarnung“ ausgerufen. Erst kürzlich hatte ein schweres Gewitter mit Starkregen und Hagel im Süden Brandenburgs große Schäden angerichtet. In Cottbus musste der Bus- und Straßenbahnverkehr zeitweilig eingestellt werden, weil Schienen und eine Unterführung unter Wasser standen. Die Feuerwehr musste zu 150 Einsätzen ausrücken.

DWD-Sprecher Friedrich spricht von einer „Laune der Natur“, die für die eher seltene Großwetterlage über mehrere Wochen hinweg verantwortlich gewesen sei. Durch „irgendwelche Zufälle“, die kein Wissenschaftler kenne, sei die Atmosphäre chaotisch. In der Folge hätte sich eine ganze Reihe von Tiefdruckgebieten mit feucht-warmer Luft über Deutschland festgesetzt. Lokal hätten sich teils große Gewitterzellen entwickelt, die sich anschließend an Ort und Stelle entladen hätten. Der Klimawandel spiele dabei aber keine Rolle.

Aktuell beruhigt sich das Wetter wieder etwas: Die große Hitze ist vorbei und die Unwettergefahr vorerst gebannt, erklärt Friedrich weiter. In den kommenden Tagen stelle sich über Mitteleuropa eine typische Westwetterlage ein.

Vor allem den Getreide-Bauern dürften die Niederschläge aufs Gemüt geschlagen sein. Sie hofften eigentlich auf eine stabile Hochdruckwetterlage. Die Unwetter haben viele reife Getreideähren plattgedrückt, erläutert Holger Brantsch, Sprecher beim Landesbauernverband. Die liegenden Pflanzen könnten nur schwer von den Mähdreschern aufgenommen werden.

Entsprechend länger dauert die Ernte, die Produktivität sinkt, sagt Brantsch. Zudem könnten sich Pilzerkrankungen auf den Getreidefeldern ausbreiten. Ob der Sommer noch einmal zurückkehrt, ist indes völlig unklar. „Was das Wetter nach dem 20. August angeht, lässt sich Petrus noch nicht in die Karten gucken“, berichtet DWD-Sprecher Friedrich. Möglich sei alles. Auch, dass es wieder drückend schwül wird.

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