Attraktion: : „Chaos-Airport“ eröffnet

Der „Chaos-Airport' wartet auf dem Weihnachtsmarkt am Alexa auf Kunden.
Der „Chaos-Airport" wartet auf dem Weihnachtsmarkt am Alexa auf Kunden.

Immerhin eine Rolle kann der Problemflughafen in Schönefeld noch zuverlässig erfüllen: als Objekt des Spotts. Insofern war es nur eine Frage der Zeit, wann das schwer in Schieflage geratene Milliardenprojekt als Attraktion auf dem Rummelplatz vorgeführt wird.

svz.de von
03. Dezember 2014, 14:00 Uhr

Immerhin eine Rolle kann der Problemflughafen in Schönefeld noch zuverlässig erfüllen: als Objekt des Spotts. Insofern war es nur eine Frage der Zeit, wann das schwer in Schieflage geratene Milliardenprojekt als Attraktion auf dem Rummelplatz vorgeführt wird. Jetzt hat ein Erfurter Schausteller den „Chaos Airport“ auf dem Weihnachtsmarkt am Einkaufscenter Alexa aufgebaut.

Wer vier Euro am „Check in“ bezahlt, kann selbst in das Chaos eintauchen. Erst einmal müssen Passagiere ruckelnde Gepäckbänder überwinden, bevor sie in das Labyrinth des Terminals eintauchen: in ein Spiegelkabinett. Über kippelnde Stufen einer Rolltreppe gelangen sie eine Etage höher in die „Raucherkiste“, in der – wie beim Vorbild – die Entrauchungsanlage komplett versagt.

Auch ein dunkler Raum, in dem Kabel von der Decke hängen und Licht flackert, mutet wie eine verwaiste Baustelle an. In die Freiheit gelangen die Fluggäste nur, wenn sie sich zwischen Koffertürme durchzwängen, eine Notrutsche benutzen und letztlich das „Rollfeld“ überqueren – eine drehende Röhre, die jeder nur taumelnd durchquert.

Draußen wartet Thomas Kuss und zieht genüsslich an der Zigarette. Der 47- Jährige gehört zur Schaustellerfamilie Haberkorn, die in vierter Generation von Jahrmarkt zu Jahrmarkt tourt. „Man muss sich heute etwas einfallen lassen, um sich abzusetzen“, sagt Kuss. Als sie 2010 nach einer neuen Verwendung für einen ausrangierten Wagen suchten, seien sie auf die Idee gekommen, den BER aufs Korn zu nehmen. „Wir wussten, das Thema läuft. Da stößt sich jeder dran.“

Allerdings waren der Fantasie dann Grenzen gesetzt: vor allem bei den Kosten. Die Schaustellerfamilie hat für das Projekt so viel bezahlt wie für zwei Einfamilienhäuser. Ein hessischer Fahrzeugbauer hat es umgesetzt. Ursprünglich war noch eine 3-D-Kammer geplant, in der sich die Gäste auf der Landebahn wähnen sollten – per Simulation sollten Flugzeuge über ihren Köpfen dröhnen, Kerosingeruch inklusive.

„Im Gegensatz zum Flughafen konnten wir den Kostenrahmen natürlich nicht sprengen“, sagt Kuss und lacht. Dennoch gab es einige Irritationen bei der behördlichen Abnahme. So runzelten die Prüfer angesichts der von der Decke hängenden Kabel die Stirn. „Konnten wir erklären, sind alle nur Dekoration“, sagt Kuss.

Letztlich waren die bisherigen Stationen ein Erfolg. Die Schausteller haben den im April eröffneten „Chaos Airport“ auf großen Volksfesten in der ganzen Republik aufgebaut. „Die Leute waren glücklich“, sagt er. Wie die Berliner Flughafengesellschaft das Fahrgeschäft findet, bleibt offen. „Das ist nicht unser Thema“, teilte Sprecher Ralf Kunkel knapp mit.

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