2,3 Prozent mehr : Bus und Bahn werden teurer

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Das kündigte die Geschäftsführerin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Susanne Henckel, an.

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17. August 2015, 22:00 Uhr

Die Fahrt mit Bussen und Bahnen in Berlin und Brandenburg soll zum 1. Januar 2016 teurer werden. Das kündigte die Geschäftsführerin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Susanne Henckel, an.

In einem Interview mit der „Berliner Morgenpost“ sagte Henckel, ein entsprechender Beschluss solle vom VBB-Aufsichtsrat noch bis Ende September getroffen werden. Konkrete Zahlen nannte sie nicht. Die Berechnungen seien nicht abgeschlossen. Zuletzt waren die Ticketpreise zum Jahresbeginn um durchschnittlich 2,3 Prozent erhöht worden. Einzelfahrscheine verteuerten sich mit wenigen Ausnahmen um jeweils zehn Cent.

Zwar gebe es durch die gestiegenen Fahrgastzahlen mehr Ticketeinnahmen. „Das heißt auf der anderen Seite aber auch mehr Aufwand bei den Verkehrsunternehmen“, unterstrich Henckel. Die BVG, aber auch die Unternehmen im Schienenpersonenverkehr hätten ihr Angebot in den vergangenen Jahren ausgeweitet. Das bedeute mehr Fahrzeuge, mehr Energieverbrauch und mehr Personal. „Das rechnet sich nicht von selber. Daher ist es gut, dass die Verkehrsunternehmen über die Ticketpreise mit Einnahmesteigerungen rechnen können“, betonte die VBB-Chefin.

Nachdem es in der Vergangenheit immer wieder politische Kontroversen gegeben hatte, hatten die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg im Oktober 2014 ein Verfahren beschlossen, wonach die Tarife für den Nahverkehr beider Länder einmal jährlich nach einem Indexverfahren angepasst werden sollen. Die Rate sei dabei an die Entwicklung der Verbraucherpreise gekoppelt und nicht wie anderswo nur an die der Energiepreise. „Da gibt es teilweise erhebliche Sprünge, andere Verbünde haben ihre Ticketpreise da auch schon zweimal im Jahr angepasst“, erklärte Henckel. Fahrgastverbände und die Opposition haben den Automatismus regelmäßiger Fahrpreiserhöhungen bereits oft kritisiert. Henckel sprach sich gegen ein Bürgerticket aus, das sie ungerecht findet. Grüne und Linke wünschen sich ein solches Ticket, bei dem alle Berliner einen Pauschalbetrag für den Nahverkehr zahlen, egal ob sie mit Bus und Bahn fahren oder nicht. „Ich persönlich sehe die Idee sehr kritisch“, meinte sie.

Henckel kritisierte die Umsetzung: „Zum einen, wie will man den richtigen Wert für die Umlage ausrechnen? Denn wenn das Land die Verluste aus dem fehlenden Fahrscheinverkauf nicht aus dem Haushalt, also mit Steuergeld ausgleicht, muss es eine Umlagefinanzierung geben.“ Das hieße aber, jeder in Berlin gemeldete Bürger müsse jeden Monat einen Beitrag für den öffentlichen Nahverkehr bezahlen. Diejenigen, die etwa nur mit dem Fahrrad unterwegs seien, müssten für die Wahl eines umweltfreundlichen Verkehrsmittels dann noch ein Art Strafsteuer zahlen.

Derweil kritisierte Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband IGEB die Erhöhung, die vor allem in den dünn besiedelten Regionen Brandenburgs kaum vermittelbar sei. Beim Regionalexpress 2 (Wismar – Berlin – Cottbus) werden in Südbrandenburg einzelne Halte gestrichen. „Das Angebot wird hier eindeutig schlechter, die berlinfernen Regionen sind die gelackmeierten“, kritisiert Wieseke und fordert mehr Investitionen in den Nahverkehr

Andreas Wendt / Stefan Kegel Kommentar Seite 5

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