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Gegen Landflucht: : Bürokratie blockiert Ideen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Gute Ideen zur Belebung dörflicher Regionen - und damit gegen die weit verbreitete Landflucht - werden in Deutschland nach einer neuen Studie noch viel zu oft durch Bürokratie oder rechtliche Hürden blockiert.

Gute Ideen zur Belebung dörflicher Regionen - und damit gegen die weit verbreitete Landflucht - werden in Deutschland nach einer neuen Studie noch viel zu oft durch Bürokratie oder rechtliche Hürden blockiert. Zu diesem Ergebnis kommt die gestern veröffentlichte Untersuchung des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung unter dem Titel „Von Hürden und Helden - Wie sich das Leben auf dem Land neu erfinden lässt“.

„Der demografische Wandel teilt das Land zunehmend in Gewinner- und Verliererzonen“, so die Verfasser. „Die erdrückende Last von Regeln, Gesetzen, Verwaltungsvorschriften, Erlassen und Normen bewirkt, dass Behörden und Privatleute einen 100-Prozent-Fimmel entwickeln.“ Die Alternative zur „unerreichbaren 100-Prozent-Norm“ sei für die Bevölkerung „häufig null Prozent Versorgung bei einem bestimmten Angebot: Dann fährt eben gar kein Bus mehr, die Arztpraxis wird dicht gemacht und der Kindergarten geschlossen.“ „Die Versorgung mit Gütern und öffentlichen Dienstleistungen in den ländlichen, vom Bevölkerungsrückgang geplagten Gebieten Deutschlands wird immer schwieriger“, stellte der Direktor des Berlin-Instituts, Reiner Klingholz, fest.

„Gleichwertige Lebensverhältnisse, die das Grundgesetz auf dem Papier zum Leitbild stilisiert hat, sehen anders aus.“ Und er fragte: „Muss die ärztliche Berufsordnung verhindern, dass eine Zahnärztin wenig mobile ältere Patienten nach Bedarf mit ihrer rollenden Praxis aufsuchen darf? Muss die Freiwillige Feuerwehr in einem kleinen Dorf die gleichen hohen Standards erfüllen wie in einer dicht besiedelten Gegend?“ Zwischen 2006 und 2011 verloren laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung in Deutschland fast drei Viertel aller Gemeinden und Kommunalverbände Einwohner, die Bevölkerung konzentriert sich zunehmend in großen Städten. Zwar sei Deutschland insgesamt „zurück auf dem demografischen Wachstumspfad“, heißt es in der Studie unter Berufung auf das Statistische Bundesamt. Nachdem die Bevölkerung wegen niedriger Geburtenraten zwischen 2003 und 2010 schrumpfte, nimmt sie wieder zu. Der Grund: die zuletzt hohe Einwanderung - ob diese aber auch in Zukunft die Lücken schließen kann, sei unklar.

Die Studie nennt - neben einer umfangreichen Bestandsaufnahme mit aktuellen Daten und Fakten - zahlreiche Beispiele für erfolgreiche Projekte in betroffenen Regionen, unter anderem bei Mobilität, Bildung, Gesundheit, Pflege, Nahversorgung, Internet und Soziales.

Als vorbildlich im Bereich Nahversorgung wurde das DORV-Zentrum Jülich-Barmen (Nordrhein-Westfalen) vorgestellt: Der volle Name „Dienstleistung und Ortsnahe Rundum Versorgung“ ist Programm, denn hier wird alles an Dienstleistungen und Service angeboten, was sonst oft in Dörfern fehlt, die unter Auszehrung leiden. Außerdem wurde die Kindertagesstätte „Schnatterenten“ in Schwedt präsentiert: Sie ist rund um die Uhr geöffnet, betreut Kinder an allen Tagen der Woche - Eltern werden entlastet und müssen letztlich ihren Job nicht aufgeben.

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