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Sicherheit in Ämtern : Brüllen und pöbeln im Finanzamt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Gewerkschaft sorgt sich um Mitarbeiter / Seit April neues Sicherheitskonzept für 14 Finanzämter

svz.de von
erstellt am 15.Jan.2015 | 11:56 Uhr

Übergriffe auf Mitarbeiter in Behörden sorgen bundesweit immer wieder für Schlagzeilen. Brandenburg blieb zwar bislang von schweren Zwischenfällen verschont. Dennoch wachsen in den Amtsstuben die Sorgen – und damit auch der Wunsch nach mehr Schutz.

„Der Ton wird rauer. Die Zahl der aggressiven Kunden steigt.“ Nahezu wortgleich äußern sich ein Finanzamt-Vorsteher, der Sprecher des zuständigen Ministeriums sowie der Landeschef der Steuergewerkschaft über die Stimmung in den Ämtern. Und dann kommt auch schnell die Sprache auf Attentate wie jenes vor vier Monaten in einem Finanzamt in Schleswig-Holstein, bei dem ein verärgerter Kunde einen Mitarbeiter erschoss.

„Etwas Vergleichbares hat es bei uns noch nicht gegeben, dennoch beschäftigen wir uns mit der Frage, wie wir die Ämter sicherer machen können“, sagt Thomas Vieweg, Sprecher des Finanzministeriums. Seit April 2014 gebe es ein neues Sicherheitskonzept für die 14 Finanzämter. Dazu gehören Mitarbeiter-Schulungen zum Thema Deeskalation sowie die Erarbeitung von Notfallplänen und Einrichtung von Teams zur Krisenbewältigung. Auch der Draht zur Polizei sei intensiviert worden. Organisatorisch gehe der Trend dahin, dass Kunden zunächst nur bis zu einer Servicestelle im Haus gelangen und nicht geradewegs zu den Büros durchmarschieren können. Alles Schritte, die die Steuergewerkschaft begrüßt.

Landeschef Hans-Holger Büchler moniert jedoch, dass sie bislang nicht flächendeckend umgesetzt worden seien. „Deeskalationstraining wird nur teilweise angeboten.“ Büchler mahnt, mit den Anstrengungen für mehr Sicherheit nicht nachzulassen. „Es wird in den Ämtern gebrüllt und gepöbelt, das Konfliktpotenzial ist hoch“, warnt er. Beispielhaft verweist er auf Situationen, in denen Beamte gezwungen seien, Autos zu pfänden, Bargeld einzuziehen oder Kunden über eine deftige Steuernachzahlung zu informieren. „Da kommt es schnell zu Rangeleien.“ Ausraster würden deshalb ein Risiko bergen, da meist ein Beamter mit dem Kunden allein im Büro sei.

Zuverlässige Zahlen über die Zwischenfälle gibt es nicht. Das Ministerium hatte die Ämter dazu 2014 befragt und die Gesamtzahl von 19 ernsteren, aber zum Glück lediglich verbalen Attacken ermittelt. Da allerdings der Zeitraum für die Vorfälle bei der Befragung nicht definiert war, geben die Zahlen wenig Aufschluss. Das Land will sie künftig jährlich abfragen.

Zu einer anderen Maßnahme, die der Gewerkschaft sehr am Herzen liegt, laufen laut Ministerium derzeit „Voruntersuchungen“. Es geht um den sogenannten stillen Alarm, den Mitarbeiter in kritischen Situationen auslösen können. „Wir wünschen uns das sehr“, betont der Gewerkschafter.

Gute Erfahrungen haben damit bereits die Stadtverwaltung Bernau und die Kreisverwaltung Oberhavel gemacht. Während nach Angaben einer Sprecherin der Stadt im Barnim lediglich einige neuralgische Bereiche mit der Software ausgestattet seien, profitieren in Oberhavel rund 1000 Mitarbeiter von dem Alarmsystem, in das laut Verwaltung 75  000 Euro investiert wurden. Ein Sprecher der verantwortlichen Firma „Stiller Alarm“ mit Sitz in Potsdam erklärt das Prinzip: „Es geht nicht in erster Linie darum, sofort die Polizei einzuschalten, sondern zunächst auf Knopfdruck Kollegen in Nachbarbüros zu verständigen, die dazukommen und durch ihre Anwesenheit die Situation entschärfen.“

 

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