Gemildertes Strafmaß durch Geständnis : Briefe im Wald entsorgt

Vor etwa einem Jahr hatte der Angeklagte fast 600 Briefe im Wald entsorgt.
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Vor etwa einem Jahr hatte der Angeklagte fast 600 Briefe im Wald entsorgt.

Insgesamt soll er zwischen dem 19. und 23. November 2013 genau 379 Briefe an 244 Empfänger aus dem Raum Kyritz nicht ausgeliefert haben.

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06. November 2014, 14:06 Uhr

Weil er Briefe im Wald entsorgt haben soll, musste sich der Pritzwalker Stephan K. gestern bereits zum zweiten Mal vor dem Perleberger Amtsgericht verantworten. Insgesamt soll er zwischen dem 19. und 23. November 2013 genau 379 Briefe an 244 Empfänger aus dem Raum Kyritz nicht ausgeliefert haben. Strafverschärfend kommt hinzu, dass der 21-Jährige bereits im Juni wegen eines ähnlichen Delikts, zu einer Geldstrafe von 600 Euro, zu zahlen an den Bügerverein Pritzwalk, verurteilt worden war. Hierbei ging es um etwa 200 Briefe an 100 Empfänger, die wenige Tage vor der zweiten Tat ebenfalls nicht zugestellt worden waren.

„Hätten wir das bereits beim vergangenen Mal gewusst, wäre die Geldstrafe wohl höher ausgefallen, doch hätte es nichts an unserem positiven Eindruck von Ihnen geändert [...] Das Problem ist, dass der Staatsanwalt Sie beim vergangenen Mal gefragt hat, ob es noch mehr Briefe gibt, die nicht angekommen sind und nun sitzen wir schon wieder hier“, erklärte Richterin Christine Kirbach.

Warum die Briefe nicht ihre Empfänger erreichten, darüber konnte der Angeklagte auch keine ausführlichen Aussagen machen. Vor allem sei es der vorweihnachtliche Stress gewesen. „Ich mache mir selbst keinen Stress und wenn, dann kann ich das auch nicht so ab“, formulierte es der zum Tatzeitpunkt 20-Jährige.

Kurios mutet an, dass lediglich Briefe entsorgt wurden, etwa 80 Pakete jedoch ihren Empfängern zugestellt wurden. „Wir haben keine Erklärung dafür, war Ihnen das Sortieren der Briefe zu müßig“, formulierte es die Richterin. Der Angeklagte, der als befristete Zustellkraft beschäftigt wurde und dessen Vertrag eine Woche nach der Tat auslief, gab an, dadurch täglich etwa eine Stunde Arbeitszeit gespart zu haben.

Jedoch plagte ihn anschließen oft ein schlechtes Gewissen, wenn er zum Beispiel selbst Briefe erhielt, außerdem fürchtete er Konsequenzen. „Sie haben die Briefe in einem so schönen Steinpilzwald entsorgt, sie mussten doch damit rechnen, dass diese eines Tages gefunden werden“, so die Richterin, die an den Angeklagten appellierte sich bewusst zu machen, welche Folgen seine Tat für die Empfänger haben könnte: „Diese Leute haben nun eventuell Konsequenzen, da sie Rechnungen nicht bekommen haben. Vielleicht waren es auch Traueranzeigen oder Geburtstagsglückwünsche. Der Ausmaß des Schadens ist gar nicht klar.“

Angesprochen darauf, ob er denn darüber informiert war, was passiert, wenn er Briefe nicht zustellt, verneinte es der junge Mann, der derzeit in Pritzwalk wohnt und gab auch an, über das Postgeheimnis nicht informiert zu sein. Der Staatsanwalt forderte, das Erwachsenenstrafrecht anzuwenden und das Strafmaß nicht so knapp anzusetzen – möglich wären sogar bis zu fünf Jahren Haft.

Am Schluss der Verhandlung stand eine Verurteilung zu 60 Tagessätzen a 30 Euro. „Wir hätten auch eine höhere Geldstrafe ansetzen können, damit wären Sie vorbestraft gewesen. Doch wir wissen, dass wir Sie durch den vermoderten Zustand der Briefe nicht hätten überführen können. Sie waren geständig, sind bisher nicht vorbestraft und kein typischer Krimineller. Auch wenn die Bedingungen in Ihrem Leben nicht immer günstig waren, waren Sie immer arbeitswillig“, so die Richterin.

Nach der Urteilsverkündung zeigte sich der 21-Jährige, der derzeit als Maschinenführer arbeitet, erleichtert und nahm das Urteil an – damit ist es rechtskräftig. „Wir haben Ihnen mehrmals angeboten, reinen Tisch zu machen. Wenn wir jedoch noch einen Brief finden, reizen wir den Rahmen weiter aus. Die nächste Pilzzeit steht jetzt an“, gab Richterin Kirbach noch mit auf den Weg.

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