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UMWELTVERSCHMUTZUNG : Braune Spree gefährdet die Trinkwasserversorgung

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Sulfate in der Spree belasten das Wasser / Die Grenzwerte werden noch eingehalten, die Tendenz ist aber problematisch

svz.de von
erstellt am 04.Sep.2014 | 07:15 Uhr

Die Sulfat-Belastung der Spree wird zu einem immer größeren Problem. Angesichts steigender Werte wird in Briesen (Oder-Spree) die Trinkwasserproduktion umgestellt. Nach Angaben des Landesumweltamtes können die Schwefelverbindungen auch Bauwerke angreifen.

„Wir mussten aktiv werden“, sagt Anne Silchmüller, Sprecherin der Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft (FWA), die 65 000 Einwohner versorgt. Im Spreewasser, das in Briesen teilweise zur Trinkwasserproduktion genutzt wird, werde ein immer größerer Sulfat-Gehalt gemessen. Allerdings sei der Grenzwert noch deutlich unterschritten, betont sie.

Laut Trinkwasserverordnung sind maximal 250 Milligramm Sulfat pro Liter erlaubt, derzeit weist die Spree in dem Bereich zwischen 150 und 170 Milligramm auf. Daher werde als „Lösung für die Zukunft“ eine Umstellung der Produktion vorbereitet, so die Sprecherin weiter. Ein Süßwasser-Reservoir, welches jüngst entdeckt wurde, soll dafür angezapft werden.

Das Problem besteht laut Landesumweltamt schon seit Jahren und ist wie die Verunreinigung des Flusses mit Eisenoxid eine Folge des Braunkohleabbaus. Andere Wasserwerke planen indes derzeit keine Maßnahmen. „Es gibt keine alarmierenden Werte, wir beobachten die Entwicklung aber engmaschig“, sagt der Sprecher der Berliner Wasserbetreibe, Stephan Natz.

Das städtische Unternehmen hätte nach seinen Angaben bei Überschreitungen der Grenzwerte ein großes Problem. Im Wasserwerk Friedrichshagen, das ein Fünftel des Berliner Trinkwassers liefert, stammt das geförderte Grundwasser ursprünglich aus der Spree. Sulfate werden jedoch nicht natürlich abgebaut.

Dagegen profitiert der Fürstenwalder Zweckverband von einer geologisch günstigen Situation. „Wir nutzen Wasser, das zur Spree fließt“, erklärt Ingenieur Volker Maczek. In den Brunnen würden minimale Sulfat-Werte gemessen. Auch der Landeswasserverbandstag gibt Entwarnung: „Trinkwasser kann überall bedenkenlos getrunken werden“, sagt Präsidentin Iris Hornath.

In einer für die sächsische Landesregierung erarbeiteten Studie heißt es jedoch, es sei überhaupt nicht sicher, ob die Qualität des Spreewassers künftig zur Trinkwasserherstellung ausreichen wird. „Es ist davon auszugehen, dass die Sulfat-Belastung weiter ansteigen wird.“ In der Studie wird auch eine „Aggressivität“ der Sulfate gegenüber Betonbauwerken genannt.

Matthias Freude, Chef des Landesumweltamtes, berichtet, dass Schwefelverbindungen im Flusswasser unter anderem Teile von Wehren brüchig machen. „Wir werden mit dem Problem leben müssen“, sagt er.

Beim Bergbausanierer LMBV will man mit der Einleitung zusätzlichen Wassers in die Spree eine Reduzierung der Sulfat-Werte erreichen. Die derzeit höchsten Werte seien bei Spremberg mit 450 Milligramm gemessen worden, heißt es auf der LMBV-Webseite. „Für Menschen sind diese Werte nicht schädlich.“

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