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Lokaler Bezug : Brandenburger Tierparks setzen auf regionales Futter

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Heu vom Bauern, Rindfleisch vom Schlachthof um die Ecke, Obst vom Kleingärtner: Märkische Tierparks versorgen sich beim Nachbarn

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erstellt am 05.Okt.2015 | 18:36 Uhr

Die Tierparks in Brandenburg beziehen das Futter bevorzugt aus der Region. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Rindfleisch für unsere Raubtiere holen wir bei einem benachbarten Schlachthof ab“, sagt Karsten Künstler, Tierpfleger im Tierpark Perleberg (Prignitz). Das Fleisch könne wegen geringer Mängel nicht mehr für die Lebensmittelproduktion verwendet werden.

Aber für die Tiere sei es allemal genießbar. An der Gratisware habe man bislang noch nie etwas auszusetzen gehabt. Futtermittel kaufe der Tierpark bei einem regionalen Anbieter zu günstigen Preisen.  „Grünes mähen wir auch selbst“, sagt Künstler.

Zudem gebe es Spenden – und die meisten seien hochwillkommen. So brächten Kleingärtner Obst und Gemüse oder Grünschnitt mit. „Bei unserem Herbstfest können Kinder den Eintritt mit Eicheln und Kastanien zahlen“, erzählt der langjährige Tierpfleger.

Zu einem gewissen Grad sei der Tierpark auf die Spenden angewiesen und die Spender wollten etwas zum Erhalt der beliebten Einrichtung beitragen. „Wir müssen zum Glück gar nicht erst zu Spenden aufrufen“, erzählt der Leiter des Tierparks Angermünde (Uckermark), Dennis Sonnenberg.

Gerade im Herbst brächten viele Tierfreunde Äpfel und Birnen. Auch bei Discountern könne Ware abgeholt werden, bei der das Haltbarkeitsdatum abgelaufen sei. „Was selbst für die Tiere nicht mehr genießbar ist, wird aussortiert oder weggeschmissen“, erklärt Sonnenberg.

„20 Prozent unserer Einnahmen geben wir für Futter aus“, sagt der Leiter des Tierparks Oranienburg, Horst Eichholz. Dazu seien Spenden willkommen. In den Eingangsbereichen stehen Aufnahmeboxen bereit, in denen Besucher Obst, Gemüse und Brot ablegen können. „An wirbellose Tiere wie Schlangen verfüttern wir auch Tiere, die wir selbst züchten“, so Eichholz. Das seien unter anderem Insekten und Mehlwürmer.

Weniger darauf angewiesen, aber ebenfalls dankbar für Futterspenden ist der zweitgrößte Tierpark Brandenburgs, der Zoo Eberswalde (Barnim). Größere Gaben von Kleingärtnern oder Discountern hole der Zoo selbst ab. „Dazu sind unsere Mitarbeiter vom Freiwilligendienst permanent auf Achse“, sagt Zoodirektor Bernd Hensch. Gute Kontakte pflege der Zoo auch zu Bauern und Fischern im Umland.

Damit Besucher aber möglichst gar nicht erst auf die Idee kommen, die Tiere mit Mitgebrachtem selbst zu füttern, stehen laut Hensch im Zoo Futterautomaten bereit, für den Einwurf von 10 Cent. Darum habe es in der Vergangenheit nie Probleme mit unsachgemäßer Fütterung oder in deren Folge gar Erkrankungen der Tiere gegeben.

„Meine Nachbarn wissen, dass ich seit über 30 Jahren Zoodirektor bin. Sie stellen dann oft mal einen Sack voll Nüsse oder Eicheln vor meine Tür“, sagt er. Lebendfutter gebe es im Zoo Eberswalde nur für Reptilien, ansonsten werden tiefgefrorene Mäuse, Küken oder Ratten beim Händler eingekauft.

Hensch zufolge zeigen sich die Tierparks in Brandenburg untereinander solidarisch. Besonders den kleineren Einrichtungen werde geholfen und Ware ausgetauscht oder Kontakt zu Spendern vermittelt. Die Großzügigkeit der Spender wird von einigen Tierparks belohnt.

„Wir bieten den Leuten dann im Herbst kostenlose Führungen an“, sagt Hensch. „Dann können sie die Tiere als kleines Dankeschön mal streicheln.“

Der Tierpark Angermünde etwa tauscht sein Futter zum Teil gegen Jungtiere oder auch mal gegen natürlichen Dünger ein. „Unsere Experten halten bei den Futtermittelherstellern oder Kleingärtnern dann auch mal kostenlos Fachvorträge“, sagt Tierparkleiter Sonnenberg.

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