Runter vom Gas : Brandenburger ist Lebensretter mit Botschaft

Lebensretter: Als Feuerwehrmann ist Frank Scholz regelmäßig mit den Folgen leichtsinnigen Verhaltens im Straßenverkehr konfrontiert. Nun ist er eines der Gesichter der „Runter vom Gas“-Plakatstaffel.
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Lebensretter: Als Feuerwehrmann ist Frank Scholz regelmäßig mit den Folgen leichtsinnigen Verhaltens im Straßenverkehr konfrontiert. Nun ist er eines der Gesichter der „Runter vom Gas“-Plakatstaffel.

Frank Scholz ist eines der Gesichter auf den Plakaten an Autobahnen. Als Feuerwehrmann ist er regelmäßig mit den Folgen leichtsinnigen Verhaltens im Straßenverkehr konfrontiert.

svz.de von
17. Dezember 2013, 22:00 Uhr

In der aktuellen „Runter vom Gas“-Kampagne geben reale Rettungskräfte den bundesweiten Autobahn-Plakaten ein Gesicht und verleihen den Verkehrssicherheitsbotschaften Nachdruck. Der freiwillige Feuerwehrmann Frank Scholz ist einer der Lebensretter.

Als Feuerwehrmann ist er schon mit so manchem Verkehrsunfall konfrontiert gewesen. An einen erinnert er sich noch besonders genau. Gewiss, weil damals ein Kamerad das Opfer war. Scholz’ Bekannter war abends unterwegs. Er war zu schnell – der Tacho zeigte 70 statt der erlaubten 50 Kilometer pro Stunde. Als plötzlich ein unbeleuchtetes Fahrzeug wie aus dem Nichts aus einer Parklücke auf die Straße scherte, konnte Scholz’ Bekannter nicht mehr schnell genug reagieren. Er fuhr dem Vordermann quasi ungebremst auf. Die Verletzungen waren schwer. Unter anderem ein Schädelbasisbruch. „Er ist dem Tod gerade noch mal so von der Schippe gesprungen“, meint Frank Scholz. Das Ganze sei sicher weit glimpflicher ausgegangen, wenn sein Kamerad angeschnallt gewesen wäre.

Er selbst verzichtet nie auf den Sicherheitsgurt, beteuert der 41-Jährige. Auch sonst ist der Berliner alles andere als ein Verkehrsrowdy. Sein Konto in Flensburg steht auf Null. Und wenn er Fahrrad fährt, trägt er immer einen Schutzhelm. Noch so ein Grund, warum man ihm abnimmt, dass er auch andere Menschen für Verkehrssicherheit sensibilisieren will. Das genau bezwecken nämlich die Plakatserien der bundesweiten Kampagne „Runter vom Gas“. Und Frank Scholz ist eines der Gesichter der aktuellen Staffel, die echte Lebensretter zeigt.

Überall in Deutschland sind die großen Plakate an Autobahnen installiert. Scholz ist in Feuerwehrmann-Kluft zu sehen. „Schnall dich immer an!“, lautet seine Aufforderung an die Autofahrer – und die Beifahrer oder Insassen auf der Rückbank. Die Botschaften seiner beiden Mitstreiter – einer Chirurgin vom Berliner Unfallkrankenhaus und eines Rettungsassistenten bei den Maltesern in Erftstadt (Nordrhein-Westfalen) – lauten „Lass die Finger vom Handy!“ und „Fahr immer nüchtern!“.


Verkehrssicherheitsrat würdigt Einsatzkräfte


„Wir müssen alle aufpassen und noch besser mitdenken“, sagt Scholz mit Blick auf die jährlich Tausenden Menschen, die auf deutschen Straßen tödlich verunglücken. „Dazu will ich beitragen – bevor etwas passiert. Wenn die Plakate nur einen Menschen retten können, dann ist das Grund genug.“ Oftmals würden Autofahrer das Anschnallen schlichtweg vergessen, meint der Schlossermeister, der eine Schlosserei mit Sitz in Berlin-Hohenschönhausen und eine Werkstatt in Werneuchen (Barnim) führt. Für den Fall könne sein Plakat als Erinnerungsstütze fungieren. Leute hingegen, die sich aus Prinzip nicht anschnallen, wird man mit der Kampagne wohl eher nicht erreichen, vermutet Scholz. „Aber man soll die Hoffnung nicht aufgeben“, sagt der Hohenschönhausener, der sich nun seit fast 20 Jahren bei der dortigen Freiwilligen Feuerwehr engagiert.

Das Gefühl, das er hatte, als er sich auf dem Berliner Ring zum ersten Mal in Großformat auf einem der Autobahn-Plakate gesehen hat, beschreibt Scholz als „nicht wirklich real“. „Es kam mir vor, als wäre das ein anderer Mensch.“ Natürlich habe er sich auch gefragt, wie das Plakat auf sein Umfeld wirkt, ob ihn seine Bekannten erkennen. „Einige schon, andere nicht“, berichtet der 41-Jährige. Letztlich sei ihm das aber egal. „Vor allem bin ich stolz, dass ich zeigen kann: Die Feuerwehr hilft.“

Scholz hat von der Plakataktion durch den Deutschen Feuerwehrverband erfahren und sich dann als Gesicht beworben. Er und die anderen zwei Protagonisten wurden schließlich aus vielen Bewerbern ausgewählt. „Wir möchten mit der aktuellen Plakatstaffel auch die lebenswichtige Tätigkeit der Einsatzkräfte würdigen, die oft sogar ehrenamtlich geleistet wird“, erläutert Walter Eichendorf, Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR), der die „Runter vom Gas“-Kampagne gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium im Jahr 2008 initiiert hat. „Das Engagement dieser Menschen ist natürlich enorm.“

Und so bleibt auch Frank Scholz für die Familie, die Firma und Hobbys manchmal wenig Zeit. Erst im Juni war er wieder von zu Hause weg, weil er als Hochwasser-Helfer unterwegs war. Überhaupt geht es für ihn als freiwilligen Feuerwehrmann nicht nur um den Einsatz auf der Straße, beim Wohnungs- oder Kellerbrand. „Man muss sich auch ständig fit halten und fortbilden“, sagt der Berliner. Immer öfter bringen Bewerber diese beiden wichtigen Voraussetzungen nicht mit. Zugleich droht den Freiwilligen die Manpower auszugehen. „Auch wenn es nicht immer einfach ist, ich kümmere mich gerne um Leute in Not“, sagt Scholz. „Und wenn man nach einem Einsatz ein ehrliches Danke von jemandem hört, dem man helfen konnte, ist das Motivation genug.“

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