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Historische Zentren sollen leben : Brandenburg will Berliner anlocken

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ betonte gestern, dass hiesige Kommunen in der Lage seien, abwanderungswilligen Hauptstädtern attraktive Kauf- oder Mietangebote zu machen.

Brandenburgs Städte mit historischen Stadtkernen wollen mehr Unterstützung beim Denkmalschutz. Der für das vom Bund und den Ländern gemeinsam aufgelegte Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ von den Kommunen zu leistende Eigenanteil von 20 Prozent sei für viele Brandenburger Städte immer schwerer aufzubringen, sagte der erste Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ und Bürgermeister von Treuenbrietzen, Michael Knape (Treuenbrietzener Bürgerverein), gestern in Potsdam.

„Mehr als die Hälfte der Mitgliedsstädte hat damit Probleme.“ In den nächsten Monaten wolle man mit dem Land über mögliche Lösungen verhandeln. Denkbar wäre etwa, dass der städtebauliche Denkmalschutz zu einer Pflichtaufgabe der Kommunen erklärt werde, die dann eine Refinanzierung durch das Land erhalten könnten. „Wir hoffen, dass wir mit der Landesregierung zusammen eine Möglichkeit finden, die Eigenanteile auf solide Füße zu stellen.“

Infrastrukturministerin Katrin Schneider (parteilos) äußerte sich zu den Plänen jedoch skeptisch. Ein nur 20 Prozent umfassender Eigenanteil sei für Drittmittelfinanzierungen bereits eine günstige Lösung, sagte die Ministerin. Aus dem Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ seien für Brandenburger Städte seit 1991 insgesamt 708 Millionen Euro bewilligt worden. Einschließlich der Eigenanteile der Kommunen seien damit insgesamt 876 Millionen Euro in die Stadtkernsanierungen investiert worden. Weitere 50 Millionen Euro stünden bis 2018 zur Verfügung.

„Die Rettung der historischen Bausubstanz in Brandenburg ist eine Erfolgsgeschichte“, so Schneider. Der stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Beeskows Bürgermeister Frank Steffen (SPD), kündigte an, verstärkt um Zuzügler aus Berlin werben zu wollen. Die steigenden Immobilienpreise in der Bundeshauptstadt böten eine Chance, Mieter und Eigentümer in die historischen Stadtkerne zu ziehen.

„Während durch die Vorstädte der Wind pfeift, und sich Hase und Igel gute Nacht sagen, bieten Innenstädte Wärme und Geborgenheit“, so der für Stadtentwicklung und Bauen zuständige Beigeordnete der Landeshauptstadt Potsdam, Matthias Klipp (Bündnis 90/Die Grünen).

„Der Trend in die Metropole sollte umgedreht werden“, sagte Frank Steffen (SPD), Rathauschef in Beeskow (Oder-Spree). „Wir können Berlin helfen, einige Probleme zu lösen, und wir merken, dass unsere Angebote für viele Menschen interessant sind. Bei uns gibt es für Berliner Wohnmöglichkeiten und ein intaktes Umfeld quasi vor der Haustür.“ Steffen verwies darauf, dass Menschen auch innerhalb Berlins eine Stunde und mehr zur Arbeit pendeln würden. „Von Beeskow aus ist man in 40 Minuten am Flughafen Schönefeld“, hielt er dem entgegen.Michael Knape, parteiloser Bürgermeister von Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft, schlug in die gleiche Kerbe: „Mieter, aber auch Investoren, die hierbleiben oder übersiedeln wollen, sind willkommen.“Er hob außerdem hervor, dass sämtliche Städte mit historischen Stadtkernen über gute Kindergärten, Schulen, Bibliotheken sowie ausreichend Kultur- und Gesundheitsangebote verfügten. „Wir sind nicht nur gut für einen Tagesausflug, sondern für 365 Tage im Jahr“, zeigte sich Knape selbstbewusst.

Wie groß die Zahl der abwanderungswilligen Berliner sei, vermochten die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft nicht zu schätzen. Auch die Anzahl der freien Quartiere in den märkischen Städten konnten sie nicht beziffern. Aber Knape beteuerte: „Alle Städte haben bislang ungenutzte Potenziale.“ Auf der bald beginnenden Bundesgartenschau im Havelland wolle man nun mit Infoständen das Werben um die Berliner intensivieren.

Zur Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ in Brandenburg gehören insgesamt 31 Kommunen. In der Prignitz sind Lenzen und Perleberg Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft.


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