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Stiftung Organtransplantation: : Brandenburg weiter Organspende-Schlusslicht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

mgerechnet auf eine Million Einwohner gibt es in Brandenburg nur 9,4 Organspenden pro Jahr, in Sachsen sind es 13,6.

Das Land Brandenburg ist in Ostdeutschland das Schlusslicht bei Organspenden. Umgerechnet auf eine Million Einwohner gibt es in Brandenburg nur 9,4 Organspenden pro Jahr, in Sachsen sind es 13,6. Ostdeutscher Spitzenreiter ist Mecklenburg-Vorpommern, wo es 25,4 Organspenden pro Million Einwohner pro Jahr gibt. Das sagte der Geschäftsführende Arzt der Organspenderegion Nordost der Deutschen Stiftung Organtransplantation, Detlef Bösebeck, gestern im Gesundheitsausschuss des Brandenburger Landtags. Seiner Ansicht nach müssten sich Krankenhäuser in Brandenburg dringend die Frage stellen, warum es in Mecklenburg-Vorpommern drei Mal so viele Organspenden wie in Brandenburg gebe. „Es liegt nicht an der Bevölkerung“, sagt Bösebeck. „Wenn man in Brandenburg Angehörige am Totenbett fragt, liegt die Zustimmungsrate für eine Organentnahme bei 76 Prozent.“ In ganz Ostdeutschland liege sie nur bei 60 Prozent.

„Wir sehen hier in erster Linie ein Informationsdefizit“, sagt Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke). Das Land sei gerade dabei, eine Verordnung zur Umsetzung des neuen Transplantationsgesetzes auf den Weg zu bringen. Wie der Abteilungsleiter für Gesundheit, Thomas Barta, im Ausschuss sagte, sollen im Unterschied zu anderen Bundesländern auch Pflegekräfte in den Kliniken als Transplantationsbeauftragte ernannt werden können.

Bösebeck begrüßte das. „Pflegekräfte sind viel öfter als der Arzt vor Ort und haben einen viel besseren Kontakt zu den Spendern und ihren Angehörigen.“ Dagegen machte die Landtagsabgeordnete der Grünen, Ursula Nonnemacher, deutlich, dass das Potential für weitere Organspenden in Brandenburg eher gering sei. Zur Begründung berichtete sie aus ihren Berufsleben – Nonnemacher arbeitete vor ihrer politischen Karriere als Ärztin auf einem Notarztwagen und auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Berlin-Spandau: „Ich habe als Krankenhausärztin mehrere hundert Menschen wiederbelebt“, sagt Nonnemacher. „Ich bin dann die Ärztin, die diesen Patienten behandelt, die Anwältin dieses Patienten und habe die Aufgabe, ihn in einen würdigen Tod zu begleiten.“ Transplantationsmediziner seien dagegen die Anwälte von Patienten, die auf eine Organspende warteten. Dies sei ein Konflikt, der sich auf jeder Intensivstation stelle.

Zudem verwies Nonnemacher darauf, dass es einen immer schwerwiegenderen Konflikt zwischen Patientenverfügungen und Organspenden gebe. „Um für eine Organspende in Frage zu kommen, muss ich hirntod sein, aber gleichzeitig noch beatmet werden“, sagt Nonnemacher. Wer in seiner Patientenverfügung aber lebenserhaltende Maßnahmen ausschließe, werde nie in diese Situation geraten. Damit es mehr Organspenden gebe, brauche es nicht nur mehr Menschen mit einem Organspendeausweis. Es müssten auch mehr Menschen auf einer Instensivstation sterben und hirntod sein. Dieser Fall sei zumindest in ihrer Berufspraxis fast nie eingetreten.

Diskutiert wurde im Ausschuss auch über die Frage, wie junge Menschen am Besten über Organspenden informiert werden könnten. Bösebeck zufolge hätten Schüler oft „keinen Knoten im Kopf“, wenn es um das Thema Organspende gehe. „Jugendliche können bei diesem Thema oft freier sprechen als Erwachsene, und sind unbefangen“, so der Mediziner. Es sei aber schlicht logistisch nicht möglich, alle Schulen des Landes zu erreichen. „So etwas kostet am Ende Millionen.“

Benjamin Lassiwe
 

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