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Kommunikation : Brandenburg webt am Netz

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Breitbandausbau bis Ende 2015 abgeschlossen - doch mit Höchstgeschwindigkeit können nicht alle surfen

svz.de von
erstellt am 06.Mai.2015 | 11:20 Uhr

Mit einem Investitionsprogramm von 110 Millionen Euro wird das Land bis Jahresende an das schnelle Internet angeschlossen. Bislang verläuft der Ausbau planmäßig, in weiten Teilen Nord- und Ostbrandenburgs wurden bereits die Glasfaserleitungen gelegt. Doch es bleiben auch künftig weiße Flecken.

So sind auch die Zeiten, in denen sich Bernd Enderling vor dem Monitor ärgerte, bald vorbei. Als Chef des Betonwerks Milmersdorf (Uckermark) muss er große Datenmengen bewältigen. Architekten und Ingenieurbüros schicken Baupläne fast nur noch per E-Mail. Für digitale Kommunikation stand Enderling bislang nur eine Verbindung zur Verfügung, die aus der Internet-Steinzeit stammt.

Doch die Firma, die Betondecken und Treppen produziert, soll im Juni an das Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen werden – über ein Förderprogramm, mit dem allein 20 Millionen Euro in der Uckermark und im Barnim verbaut werden. Aufatmen will der Unternehmer dennoch nicht. „Ich habe schon viel erlebt“, sagt er. Über Jahre habe er immer wieder „gedrängelt“, sagt Enderling, sich bei Behörden und Politikern beschwert. „Wir hatten keine Verluste, aber alles, was mit dem Internet zu tun hatte, war sehr zeitaufwändig. Das kostete Nerven“, erklärt er. Dabei wurden im Ort Milmersdorf schon moderne Glasfaserkabel von der Telekom verlegt, aber das Werk lag zu weit weg, um angeschlossen zu werden.

Ähnliche Klagen hörte der Breitbandbeauftragte der Uckermark, Roland Thom, immer wieder. In dem ländlich geprägten Kreis haben knapp 35 Prozent der Haushalte einen Internetanschluss, aus dem die Daten nur tröpfeln, nicht fließen. Dort rentiert sich der Breitbandausbau für die Anbieter kaum: Nach Angaben der Telekom kostet ein Kilometer Glasfaserkabel zwischen 50  000 bis 70  000 Euro. „Viele Firmen hatten sich damit abgefunden“, sagt er.

Daher ist für die Uckermark das Programm „Breitband 2020“ ein Segen, das von der Landesregierung mit EU-Fördermitteln aufgelegt wurde. Bis Ende Juni sollen dort sämtliche Kabel für das schnelle Internet liegen, bestätigt die Telekom, die mit dem Ausbau fast überall im Land beauftragt wurde. Auch für die Wirtschaft erhofft man sich Impulse. Denn wiederholt hätten Berliner angefragt, die ihren Wohnsitz und ihr Büro gerne in den Norden verlegen würden, für diesen Schritt aber die notwendige digitale Infrastruktur brauchen.

In der Planungsregion 1, in den Kreisen Oberhavel, Ostprignitz-Ruppin und Prignitz, sind die Bauarbeiten laut Telekom bereits abgeschlossen. Auch dort wurde das Förderprogramm herbeigesehnt. „Abwanderungen von Unternehmen gab es zwar keine, aber es wurden Ansiedlungen zurückgestellt“, sagt der Breitbandbeauftragte der Prignitz, Andreas Jähnigen. Während Märkisch-Oderland, Oder-Spree und Barnim ebenfalls bis zum Sommer versorgt sein sollen, erfolgt der Ausbau im Süden des Landes erst bis zum Jahresende, wie Telekom-Sprecher Hubertus Kischkewitz betont. Darüber hinaus will der Konzern bis Ende 2016 weitere, nicht geförderte Kabelstränge verlegen. „Das sind Ersatzinvestitionen, für die es jetzt ein Budget gibt“, wie Jens Jankowsky, Technologiereferent der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg, erfahren hat.

Knapp 350  000 Haushalte in Brandenburg befinden sich nach einer letzten Erhebung im „Digital der Ahnungslosen“, sie verfügen über Verbindungen von weniger als sechs Megabit pro Sekunde. In einem Breitbandatlas des Landes hatten jedoch nur 10  300 Haushalte einen entsprechenden Bedarf angemeldet, fast ein Fünftel davon in Oder-Spree. „Wir springen mit unserem Konzept da ein, wo der Markt versagt hat“, sagt Claudia Lippert, Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Schnelles Internet sei für ein Flächenland elementar.

Doch nach dem Mammutprogramm werden weiße Flecken auf der Internet-Landkarte bleiben. Und nicht alle Haushalte im Land surfen dann mit den rasanten Geschwindigkeiten, die Anbieter derzeit im Markt bewerben. So werden nach Angaben der Landesregierung rund 200  000 Haushalte über einen Anschluss mit mehr als 50 Megabit pro Sekunde verfügen. Das Problem: Je länger die Entfernung vom Hausanschluss zum Kabelverzweiger, desto lahmer die Datenleitung. Rainer Schubert, Chef der Wirtschaftsfördergesellschaft in Spree-Neiße, fürchtet, dass die Erwartungen vieler Bürger enttäuscht werden. „Nicht jeder wird Internet-Fernsehen machen können“, meint er. „Dann schlagen wieder die Wogen hoch, warum der Nachbarort schneller unterwegs ist.“

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