Korrektur von Flurkarten : Brandenburg wächst – auf dem Papier

Umstellung auf ein elektronisches Katastersystem bereinigt alte, ungenaue Messungen

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24. November 2014, 14:01 Uhr

Manchmal lohnt es sich, genauer nachzumessen. Dieser Grundsatz gilt nicht nur für den Bau, sondern vor allem auch im Katasterwesen. Und weil das Landesvermessungsamt auf ein modernes System umgestellt hat, ist die Fläche Brandenburgs binnen Jahresfrist um 169 Quadratkilometer gewachsen, was in etwa der Fläche von Cottbus entspricht. Allerdings wird versichert, dass dadurch keine territorialen Scharmützel zu befürchten sind.
Hintergrund des beachtlichen Flächenzuwachses ist eine Korrektur von Flurkarten, die teilweise in der Entstehungszeit des Liegenschaftskatasters in den 1860er-Jahren letztmals verändert wurden. Dies betreffe insbesondere Waldgebiete und Äcker, auf denen in den vergangenen 100 Jahren – im Gegensatz zu Grundstücken in Siedlungen – kaum ein Vermesser tätig geworden ist, erklärt Birger Schmidt, Flächennutzungsexperte im Landesstatistikamt.

Dadurch sei eine Ungenauigkeit in vielen Grundbüchern enthalten. Denn die Messverfahren haben sich grundlegend geändert: Statt Bandmaß und optischen Geräten würden heute elektronische Apparate eingesetzt, die mit GPS-Koordinaten arbeiten.
Kleinere Zuwächse um einen oder zwei Kilometer habe es immer wieder gegeben, berichtet Oliver Flint vom Landesvermessungsamt in Potsdam. Der große Sprung auf nunmehr 29 654 Quadratkilometer brandenburgische Gesamtfläche sei zwar beachtlich, allerdings würden sich nur Zahlen, keine Grenzen ändern. „Es wirkt spektakulär, ist es aber nicht. Der Zuwachs besteht nur auf dem Papier.“ Grenzsteine müssten nicht versetzt werden.
Wenn Flint ins Detail geht, kommt er nicht umhin, Alkis zu erklären. Das Kürzel steht für den sperrigen Begriff „Automatisiertes Liegenschaftskatasterinformationssystem“, das seit vergangenem Jahr in der Landesbehörde eingeführt wurde. Zuvor gab es zwar elektronische Liegenschaftsbücher und elektronisches Kartenmaterial, allerdings wurden beide Bereiche erst jetzt zusammengeführt. Die Folge: Zahlenwerte in den Büchern und Kartengeometrie passten nicht immer zusammen, weshalb Anpassungen notwendig waren.
Doch dieser Sprung sei im Bundesvergleich schon einmalig, sagt Flint und verweist auf historische Gründe. In den östlichen Provinzen Preußens sei die Erfassung des Liegenschaftskatasters erst viel später begonnen worden als in den westlichen Teilen des Königreichs. Da man Zeit aufholen musste, seien ungenauere Ergebnisse herausgekommen, erklärt er. Diese Angaben seien bis zur Einführung von Alkis noch zur Ermittlung der Gesamtfläche verwendet worden.
Die Experten prognostizieren, dass auch die Fläche der Bundesrepublik zunehmen wird, wenn erst alle Länder auf Alkis umgestellt haben. „Bei allen Neuvermessungen ging der Trend in die Plusrichtung“, sagt Schmidt. Aber auch hier gilt: Die Grenzen bleiben unangetastet.


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