Statistik zur Kriminalität : Brandenburg – ein Paradies für Einbrecher

Wenn niemand zu Hause ist, kommt der Einbrecher.
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Wenn niemand zu Hause ist, kommt der Einbrecher.

Einbrecher haben in Brandenburg deutlich bessere Chancen als im Rest von Deutschland. Mehr als zwei Drittel aller Einbruchsversuche enden erfolgreich. Ein Gebiet ist besonders betroffen.

svz.de von
07. März 2014, 06:00 Uhr

Weil die Brandenburger ihre Häuser und Wohnungen oft nur unzureichend gegen Diebe schützen, enden Einbruchsversuche in 70 Prozent aller Fälle mit einem Erfolg des Täters. Nur in 30 Prozent der Fälle drehen die Einbrecher wieder ab, etwa weil eine Terrassentür oder ein Fenster mit besonders einbruchssicheren Fenstern versehen worden sind.

Im übrigen Bundesgebiet ist diese Quote besser: Im Bundesdurchschnitt gelingen nur 60 Prozent aller Einbruchsversuche. Das sagte Polizeipräsident Arne Feuring gestern bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik in Potsdam. „Wir werden deswegen auch in diesem Jahr nichts unversucht lassen, um den Selbstschutz zu erhöhen.“ Das ist auch nötig, denn insgesamt stieg die Zahl der polizeilich registrierten Straftaten im vergangenen Jahr um 1,1 Prozent auf 197 228 Fällen.

Die Anzahl der Diebstähle stieg auf knapp 83 540 Fälle (2012: rund 79 900), und es gab rund 4000 Wohnungseinbrüche (2012: 3735). Vor allem die Menschen im Speckgürtel von Berlin werden von Einbrecherbanden heimgesucht: Mehr als 62 Prozent der Fälle spielten sich dort ab. Auch bei anderen Straftaten bekommen sie die Nähe zur Hauptstadt und deren hohe Kriminalitätsbelastung zu spüren: 43,3 Prozent aller Taten werden dort begangen.

„Wir haben insgesamt sicher keine zufriedenstellende Lage, aber auch keine grundsätzlich bedrohliche Situation“, sagte Innenminister Ralf Holzschuher. Vor zehn Jahren hätte es noch wesentlich höhere Kriminalitätsraten in Brandenburg gegeben. Die Polizei in Berlin und Brandenburg haben inzwischen ihre Zusammenarbeit verstärkt.

Beim Thema Gewalt beobachtet Brandenburgs Polizei einen anderen Trend: „Hier stellen wir seit 2007 eine klar sinkende Tendenz fest“, sagte der Minister. Damals wurden fast 6000 Gewaltdelikte registriert, 2013 waren es rund 4250. Damit belegt Brandenburg im bundesweiten Vergleich einen der hinteren Plätze nach Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg.

Als zentrales Ziel nannte Holzschuher, Diebstählen und Einbrüchen die Stirn zu bieten. Diese machen 42 Prozent aller Straftaten im Land aus.

Die Entwicklung sorgt seit Monaten für Unruhe und hitzige Debatten um die Polizeireform. Die rot-rote Landesregierung ist inzwischen von ihrem ursprünglich geplanten Stellenabbau abgewichen. Von derzeit noch etwa 8200 Polizisten sollen 7800 übrigbleiben. Ursprünglich sah die Reform bis 2020 einen Abbau auf rund 7000 Polizisten vor.

Frühere Prognosen seien von einem Rückgang der Straftaten von bis zu zehn Prozent ausgegangen, verteidigten Polizeipräsident Arne Feuring und Holzschuher die Pläne.

Die Opposition im Landtag sieht die Polizeireform als gescheitert an. CDU-Politiker kritisieren vor allem sinkende Aufklärungsquoten. So wurden im vergangenen Jahr 21,5 Prozent der Einbruchsdiebstähle aufgeklärt, 2012 lag die Quote noch bei 25,5.

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