zur Navigation springen

Opfer wegen Selbstjustiz in Haft : Blutige Rache

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Sein Handy hat ihm wohl das Leben gerettet: Nur knapp überlebte ein ehemaliges Führungsmitglied der Rockergruppe „Hells Angels“ im Mai 2011 einen Mordanschlag.

svz.de von
erstellt am 06.Jan.2015 | 14:00 Uhr

Sein Handy hat ihm wohl das Leben gerettet: Nur knapp überlebte ein ehemaliges Führungsmitglied der Rockergruppe „Hells Angels“ im Mai 2011 einen Mordanschlag. Ab morgen müssen sich nun die zwei Tatverdächtigen in Frankfurt (Oder) vor Gericht verantworten. Das Landgericht hat in dem Verfahren zunächst zehn Verhandlungstage bis Anfang Februar anberaumt. Für den Prozess gelten strenge Sicherheitsregeln.

Die Staatsanwaltschaft wirft den heute 33 und 38 Jahre alten Männern unter anderem versuchten Mord vor. Nach Angaben des Gerichts sollen die beiden Angeklagten dem ehemaligen Präsidenten der Berliner „Hells Angels Nomads“ Holger B. auf seinem Grundstück in Altlandsberg (Märkisch-Oderland) aufgelauert und den damals 50-Jährigen anschließend mit Schlägen und Messerstichen traktiert haben. Mit einem stumpfen Gegenstand versetzten die Angreifer dem bereits zu Boden gegangenen Opfer Schläge gegen Kopf und Oberkörper und fügten ihm schwere Messerstiche zu, heißt es in der Anklageschrift.

Mit dem vermutlich bereits wartenden Fluchtfahrzeug seien sie schließlich auf den am Boden Liegenden zugefahren. Dieser konnte sich jedoch noch rechtzeitig zur Seite rollen. Der durch Messerstiche in Beinen und Rücken Schwerverletzte blieb allein zurück, konnte jedoch mit seinem Handy Hilfe herbeiholen. Das Opfer schwebte nach dem Angriff in Lebensgefahr und soll nur dank mehrerer Bluttransfusionen und einer Notoperation überlebt haben.

Dem Anschlag vorausgegangen war die Entmachtung als Chef der Motorradgruppe „Nomads“ der Rockerorganisation „Hells Angels“ im Jahr 2008. Nach Angaben von Ermittlern soll Holger B. in die Vereinskasse gegriffen und seither bei den „Hells Angels“ als unerwünschte Person gegolten haben.

Die „unehrenhafte“ Entlassung aus dem Club und der Anschlag auf ihn gelten als Motiv für einen versuchten Auftragsmord, für den B. im Jahr 2013 selbst als Angeklagter vorm scharf bewachten Berliner Landgericht stand. Ihm wurde vorgeworfen, aus Rache für seine Entmachtung bei den „Nomads“ und den Mordanschlag die Tötung seines Nachfolgers in Auftrag gegeben zu haben. „Ich habe keine Zweifel, André S. ist dafür verantwortlich“, erklärte B. im September 2013 während des Prozesses. Im Juni 2012 soll er zwei Männer zu der Tat angestiftet haben. André S., der die Führung der Rockergruppe von B. übernommen hatte, war in der Nacht zum 10. Juni 2012 auf offener Straße vor seinem Lokal in Berlin-Hohenschönhausen durch sieben Schüsse lebensgefährlich verletzt worden. Holger B. bestritt jedoch, Mordpläne gehabt zu haben. André S. sollte lediglich das Knie zertrümmert werden.


Task Force als Reaktion


Abgemacht gewesen sei, André S. zu verletzen, aber nicht zu töten, hieß es. Die Aktion sei aus dem Ruder gelaufen. Ex-Rockerchef Holger B. gab sich entsetzt über die Schüsse auf seinen Nachfolger: „Wir waren ja mal sehr gute Freunde.“ André S. verweigerte im Prozess die Aussage gegen den Beschuldigten. Das Berliner Landgericht sprach den Angeklagten schließlich im Dezember 2013 der Anstiftung zum versuchten Mord schuldig. Nach seinem Rauswurf aus der Gruppierung sowie einem Anschlag auf ihn selbst sei er verbittert gewesen und habe schließlich die Tötung des Nachfolgers in Auftrag gegeben, begründeten die Richter ihre Entscheidung.

B. wurde zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Als Reaktion auf den Anschlag gründeten Berliner Staatsanwaltschaft und Polizei im Juni 2012 die „Rocker Task Force“. Staatsanwälte und Sacharbeiter aus den Abteilungen Tötungsdelikte, Organisierte Kriminalität, Organisierte Rauschgiftkriminalität und Gewaltdelikte arbeiten eng mit Kollegen aus Brandenburg zusammen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen