NAch Cockpit-Drama: : BGH hebt Flugschüler-Urteil auf

Der Pilot wurde damals ins Krankenhaus geflogen, der Co-Pilot flüchtete.
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Der Pilot wurde damals ins Krankenhaus geflogen, der Co-Pilot flüchtete.

Der Prozess gegen einen zu neun Jahren Haft verurteilten, griechischen Flugschüler wird neu aufgerollt. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil vom Februar auf.

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28. November 2014, 12:16 Uhr

Der Prozess gegen einen zu neun Jahren Haft verurteilten, griechischen Flugschüler wird neu aufgerollt. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil vom Februar auf. Der 53-Jährige stand wegen versuchten Mordes vor Gericht, nachdem er mehrmals mit einem Stein auf den Piloten eingeschlagen und ihn so zu einer Notlandung gezwungen hatte.

Schwer verletzt hatten Pilot Winfried Gebhardt aus Strausberg und sein Flugschüler Kleomenis S. am 21. Juni 2013 die Notlandung überlebt. Der 73-jährige Gebhardt kletterte aus dem Cockpit, nachdem sich die Cessna überschlagen hatte und kopfüber auf dem Acker liegen blieb, der Grieche verschwand in die andere Richtung und wurde Stunden später von einem Fährtenhund in einem Gebüsch aufgespürt.

Was sich in den letzten Minuten vor der Bruchlandung im Cockpit abgespielt hatte, versuchte in den Monaten darauf das Frankfurter Landgericht ans Tageslicht zu bringen, wo Kleomines S. wegen Körperverletzung und versuchten Mordes im Februar dieses Jahres zu neun Jahren Haft verurteilt wurde. Er soll, so urteilen die Frankfurter Richter, aus niederen Beweggründen und Heimtücke gezielt mit einem schweren Kristallstein auf den Piloten eingeschlagen haben, um das Flugzeug zum Absturz zu bringen. Als plausibelstes Motiv gilt dem Gericht die unheilbare Aids-Erkrankung des Angeklagten. Die Beweislage scheint erdrückend, zumal der Angeklagte neben dem Stein auch ein Messer mit an Bord geschmuggelt hatte, an dem Gutachter später nur Spuren des Griechen finden.

Doch nun verschafft ein Beschluss des Bundesgerichtshof (BGH) dem Angeklagten wieder etwas Luft. Der BGH folgte dem Revisionsantrag der Verteidigung und hob das Urteil auf – in erster Linie deshalb, weil der BGH die Einschätzung der Kollegen am Landgericht für rechtlich bedenklich hält, Kleomenis S. sei nicht strafbefreiend vom Versuch zurückgetreten. Im Klartext: Die Bundesrichter schließen nicht aus, dass der Grieche vielleicht doch von seinen Mordplänen abgelassen haben könnte, nachdem er den Piloten drei Mal mit dem Stein attackiert hat und ihm die Augenhöhlen eindrücken wollte.

„Entscheidend ist danach nicht, ob der Angeklagte seinen ursprünglichen Tatplan nicht verwirklichen konnte, sondern ob ihm infolge einer Veränderung der Handlungssituation oder aufkommender innerer Hemmungen das Erreichen seines Zieles ... nicht mehr möglich erschien“, heißt es in der Begründung des BGH.

„Der freiwillige Rücktritt vom unbeendeten Versuch ist eine goldene Brücke für den Angeklagten“, erläutert Verteidiger Michael Sinapius. Marco Krieglstein, Sprecher des Frankfurter Landgerichts, wo der Fall ab 20. Februar vor einer anderen Strafkammer neu verhandelt wird, beschreibt es so: „Es kommt auf die Gedanken des Menschen beim letzten Teilakt der Tat an.“ Ob der Grieche tatsächlich im letzten Moment zur Vernunft kam oder einfach nur die Aussichtslosigkeit seines Vorhabens eingesehen hat, muss die Neuauflage des Prozesses zu klären versuchen. Die Strafkammer wird auch erneut der Argumentation des Angeklagten nachgehen, der behauptet, sich während des Fluges lediglich gegen unsittliche Annäherungsversuche des Fluglehrers gewehrt zu haben.

Verteidiger Sinapius bemüht sich derzeit, seinen Mandanten aus dem Gefängnis in Cottbus zu holen.Sein Mandant selbst hat den BGH-Beschluss mit verhaltener Freude aufgenommen. „Nun geht es wieder bei Null los, es wird von vorn verhandelt“, stellt Sinapius fest.

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