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Mehr Gewalt: : Beamte leben immer gefährlicher

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Aus der Redaktion des Prignitzers

In Brandenburg nimmt die physische und psychische Gewalt gegenüber Polizisten und anderen Staatsdienern zu. Wie das Potsdamer Innenministerium mitteilte, wurden 2013 allein gegen die Ordnungshüter 1121 Straftaten verübt, davon waren 1038 Gewaltdelikte.

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erstellt am 28.Okt.2014 | 07:00 Uhr

In Brandenburg nimmt die physische und psychische Gewalt gegenüber Polizisten und anderen Staatsdienern zu. Wie das Potsdamer Innenministerium mitteilte, wurden 2013 allein gegen die Ordnungshüter 1121 Straftaten verübt, davon waren 1038 Gewaltdelikte. Im Jahr davor wurden noch 1065 Straftaten angezeigt, darunter 968 Gewaltdelikte. Insgesamt wurden laut Ministerium im vergangenen Jahr 211 Polizisten - meist bei Routineeinsätzen - verletzt. Das waren fast 30 mehr als 2012.

Wie eine Umfrage ergab, klagen auch Gerichtsvollzieher und Beamte der Kommunen vermehrt über Gewalt. „Die Polizei ist keine Autorität mehr im Land“, beklagt der Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft (GdP), Andreas Schuster. „Wir sind nicht länger die Polizisten, sondern die nervigen Bullen.“ Pro Tag würden im Schnitt zwei seiner Kollegen angegriffen, dies sei eine enorme Zahl. Auch der Polizeihauptkommissar selbst musste schon Gewaltandrohungen über sich und seine Familie ergehen lassen.

Schuster äußerte sich besorgt, dass die Aggression gegenüber Polizisten schon bei ganz normalen Verkehrskontrollen gestiegen ist. „Beamtenbeleidigung bringen Kollegen nur noch zur Anzeige, wenn sie Zeugen haben oder das Wortgefecht recht heftig ausfällt“, sagt der Gewerkschafter. Unter dem Motto „Auch Mensch“, startete die Gewerkschaft vor drei Jahren eine Kampagne, die zeigen soll, dass in den Uniformen auch ganz normale Bürger stecken. Zu Bildern von prügelnden Polizisten, die oft bei Auflösungen von Demonstrationen gezeigt werden, bemerkt Schuster: „Das ist nur die halbe Wahrheit. Welche Provokation vorausging, wird oft nicht gezeigt.“

Wie aus zahlreichen Fortbildungsveranstaltungen und persönlichen Gesprächen mit Betroffenen bekannt wurde, haben verbale Attacken und versuchte körperliche Angriffe auch gegenüber Gerichtsvollziehern im Vergleich zu den Vorjahren zugenommen, erklärte das brandenburgische Justizministerium. Es gehöre zum Berufsbild des Gerichtsvollziehers, den persönlichen Kontakt zum Schuldner herzustellen. Auf die unmittelbare persönliche Konfrontation mit diesen reagierten die Betroffenen oft aggressiv.

Das Land bietet laut Sprecherin Gewaltpräventionskurse für Justizbedienstete und Gerichtsvollzieher an. Teilnehmern würden  Strategien zur Deeskalation und Selbstschutz beigebracht.  „Einige Gerichtsvollzieher haben in Gesprächen mit dem Ministerium die Ausrüstung mit Stichschutzwesten angeregt“, sagt die Sprecherin. Die Anschaffung sei dort, wo es die Gerichtsvollzieher als notwendig ansehen, nun geplant.

Weniger gefährlich, dafür aber oft verbal heftig, geht es in den Verwaltungen der Kommunen zu. Für den Notfall werde jedoch vorgesorgt. „Es gibt in einigen Kommunen - etwa im Sozialbereich - verdeckte Klingeln“, heißt es beim Städte- und Gemeindebund. Auch im Büro des Cottbuser Oberbürgermeisters gebe es einen Alarmknopf, verrät Stadtsprecher Peter Lewandrowski. „Die Leute machen besonders beim Sozialamt ihrem Ärger mit Beleidigungen Luft“, sagt er.

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