Bauernbund: Kontrollen versagen

Aktuelle, agrarpolitische Probleme waren Hauptthemen des Bauerntages.
Aktuelle, agrarpolitische Probleme waren Hauptthemen des Bauerntages.

Bauerntag in Potsdam: Mittelständische Betriebe werfen Veterinärämtern Versagen vor

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10. März 2015, 13:22 Uhr

Scharfe Kritik an der Massentierhaltung und der Arbeit der Veterinärämter hat der Präsident des „Deutsche Bauernbundes“, Kurt-Henning Klamroth, gestern in Potsdam geäußert. „Die jüngsten Skandale in Sachsen-Anhalt widersprechen der Aussage, dass Tierwohl unabhängig von Bestandsgrößen möglich ist“, sagte Klamroth bei einem bundesweiten Bauerntag, an dem auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) teilnahm. „Alle bisher bekannten eklatanten Tierschutzverstöße fanden in agrarindustriellen Massentierhaltungsanlagen statt.“

Ihm stelle sich dabei die Frage, warum die Behörden „so lange und so offensichtlich so völlig versagt haben.“ Kleine Landwirtschaftsbetriebe würden so überprüft, „dass es schon manchmal an die Grenze der Schikane geht“, auf dem „agrarindustriellen Auge“ seien die Behörden dagegen blind und „akzeptierten erstaunliche Verstöße“. Deutschland habe in der Tierhaltung genügend Gesetze und Verordnungen. Sie müssten lediglich durchgesetzt werden. „Wenn im Tierschutzgesetz festgelegt ist, dass Tiere in den Genuss von Tageslicht kommen müssen, in Deutschland aber kein einziger Hähnchenmäster dieser Auflage Rechnung trägt, dann frage ich mich schon, wer hier wann in welcher Stube Lobbyarbeit gemacht hat.“

Pointiert äußerte sich Klamroth auch zum Aufkauf immer größerer Landflächen durch Agrarkonzerne. „Es ist unbedingt notwendig, dass die Parlamente und die Administrationen aufhören, Agrarstrukturen schönzureden, die nirgendwo auf der Welt funktionieren, bei uns eben auch nicht“, so Klamroth. Grundlage der Landwirtschaft müssten die bäuerlichen inhabergeführten Familienunternehmen sein. „Die in der Region verwurzelten Bauern stehen für eine ökologisch tragfähige und ökonomisch existenzfähige Landbewirtschaftung, die sich einer sozialen und ressourcenschonenden Wirtschaftsweise verpflichtet fühlt“, sagte Klamroth.

Unterstützung erhielt Klamroth von Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt. „Es kann niemandem Freude machen, wenn sich Kapitalgesellschaften in den Bodenmarkt so einbringen, dass die agrostrukturellen, ökonmischen, soziologischen Voraussetzungen dabei ins Hintertreffen geraten“, so Müller.

Der ländliche Raum lebe von der Landwirtschaft. Sie dürfe deswegen nicht zu anonym werden. Zudem müsse es weiter attraktiv bleiben, in der Landwirtschaft eine Existenz zu gründen. „Wir sind gefordert, die Strukturvielfalt in der Landwirtschaft zu erhalten“, sagte Schmidt. „Die ländliche Entwicklung muss unser gemeinsames Ziel sein.“ Wer sich für das Tierwohl einsetze, müsse auch dafür Sorge tragen, dass Produzenten ökonomisch und ethisch verantwortlich produzieren könnten. „Und das hat dann damit zu tun, dass die Preise stimmen.“

Beim vorgelegten Entwurf des Bundesagrarministeriums zur neuen Düngeverordnung berfürchtete Klamroth zudem unnötige Kosten ohne Umwelteffekte. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) kündigte an, die Anregungen zu prüfen. Es werde aber nicht einfach, betonte er. In vielen Details sei der Entwurf fachlich nicht fundiert, beklagte Klamroth. Insbesondere das Verbot, Festmist im Herbst auf dem Acker einzuarbeiten, verkenne völlig die positiven Eigenschaften dieses seit jeher eingesetzten Düngers. Auf dem Bauerntag beklagten die Landwirte auch die steigenden Preise für Äcker und Weiden.

Der häufig als Unterstützer industrieller Großbetriebe bezeichnete Brandenburger Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) betonte in einem Grußwort, dass Brandenburg sowohl den „bäuerlichen Familenbetrieb wie auch die Agrargenossenschaft“ brauche. Seit 2010 habe sich die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft um acht Prozent erhöht. Dies sei ein Erfolg, so Vogelsänger. Kritik an Tierhaltern wies der Minister zurück. „Meine Brandenburger Landwirte gehen sehr sorgsam mit dem Tierwohl um“, so Vogelsänger. „Sie sind keine Tierquäler, denn die Tiere sind ihr Kapital.“

Benjamin Lassiwe
 

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