zur Navigation springen

Geräte werden mit Farbpatronen ausgestattet : Bahn rüstet gegen Automatenknacker

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Auch in Brandenburg werden jährlich Dutzende Taten registriert. Jetzt will der Konzern die Geräte mit einem technischen Sicherungssystem besser schützen.

svz.de von
erstellt am 11.Feb.2015 | 08:00 Uhr

Durch die Zerstörung von Fahrkartenautomaten beklagt die Deutsche Bahn (DB) jährlich einen Millionenschaden. Auch in Brandenburg werden jährlich Dutzende Taten registriert. Jetzt will der Konzern die Geräte mit einem technischen Sicherungssystem besser schützen.

Doch Bernd Rattey hat nicht nur die Schäden im Blick, wenn er über Vandalismus und Diebstähle spricht. Für die Bahn bedeute jeder nicht betriebsbereite Fahrkartenautomat auch ein Imageproblem, sagt der für diesen Bereich zuständige Vertriebsleiter im Schienenkonzern. „In ländlichen Regionen sind Automaten das einzige Gesicht unseres Unternehmens“, erläutert Rattey. „Wenn diese fehlen, wächst die Unzufriedenheit der Kunden.“

Über Jahre wurden vor allem auf entlegenen Stationen die Geräte beschädigt. Oft wollten die Täter an die Geldkassetten gelangen, was jedoch laut Bahn nur in einem Drittel der Fälle gelang. Fast immer jedoch war die Folge von Diebstahl und Vandalismus, dass die Automaten nicht mehr zu benutzen waren. Dabei kostet ein Ersatz rund 30  000 Euro, berichtet Rattey. Allein 2014 sei somit ein Gesamtschaden von 6,7 Millionen Euro entstanden. Bundesweit betreibt die Bahn rund 7000 Automaten, die ein Drittel des Umsatzes beim Fahrkartenverkauf einbringen.

Mit einem umfangreichen Sicherungssystem will der Konzern jetzt gegensteuern. Einzelheiten wurden gestern in Berlin vorgestellt. Nachdem im Jahr 2013 eine Verdopplung der Automatenaufbrüche auf rund 560 Fälle bundesweit verzeichnet wurde, habe man intensiv an einem Konzept gearbeitet, sagt DB-Sicherheitschef Gerd Neubeck. Dies beinhaltet neben technischen Sperren, dem Einbau stärkerer Materialien und einem neuen Streifenkonzept vor allem mehr Videoüberwachung. Allein in diesem Jahr sollen 700 Kameras in kleinen Bahnhöfen installiert werden, sagt Neubeck.

Den größten Abschreckungseffekt verspricht sich der Sicherheitschef jedoch von Farbpatronen, die in die Automaten in den kommenden Monaten eingebaut werden. Wenn eine Geldkassette bewegt oder geschüttelt werde, löse ein Mechanismus aus, durch den nicht ablösbare Farbe auf die Geldscheine gesprüht werde – sie werden somit wertlos. „Auch der Täter erhält eine Farbdusche“, sagt Neubeck. Da die violette Tinte auch winzige DNA-Partikel enthält, könne man die Spuren gut verfolgen, meint er. „Diese verteilen sich überall in der Wohnung, auch wenn man versucht, die Farbe abzuwaschen“, erläutert er. Aufgrund dieser Spuren seien bereits Täter gefasst worden. Wenn ein Fahrgast von außen am Automat rüttelt, bestehe jedoch keine Gefahr, dass die Farbpatrone „zündet“, versichert er.

Als regionale Schwerpunkte für die Taten nennt die Bahn Brandenburg, wo 2014 knapp 50 Fälle registriert wurden, aber auch Sachsen, Sachsen-Anhalt und das Rhein-Main-Gebiet. Dabei wurden bereits mehrere Tätergruppen gefasst und angeklagt.

Auch zuletzt registrierte die Bundespolizei in Nordbrandenburg weitere Fälle von aufgebrochenen Automaten. Mittlerweile seien Ermittlungsgruppen gebildet worden, um gegen die oft bandenmäßig organisierten Täter vorzugehen, sagt Bernd Ströberl, Leiter für zentrale Ermittlungen im Bundespolizeipräsidium Potsdam. Fast immer werde mit brachialer Gewalt vorgegangen, berichtet er. Doch die Beute sei gering, „günstigstenfalls wenige hundert Euro“, da die Automaten regelmäßig geleert werden. „Und das Risiko für die Täter, von uns gefasst zu werden, ist mittlerweile sehr hoch.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen