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31 freie Ausbildungsplätze : Bäckern fehlt der Nachwuchs

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Binnen 15 Jahren hat sich die Zahl der eigenständigen brandenburgischen Bäckereien mehr als halbiert.

Bäcker in Brandenburg finden immer weniger Lehrlinge. Die drei Handwerkskammern im Land melden aktuell 31 freie Ausbildungsplätze für angehende Bäcker. „Die Zahl der Auszubildenden im Bäckerhandwerk geht seit Jahren deutlich zurück“, beklagt der Geschäftsführer des Landesverbands der Bäcker und Konditoren Berlin-Brandenburg, Johannes Kamm. Neben der demografischen Entwicklung führe auch die Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte dazu, dass immer weniger Jugendliche den Beruf des Bäckers anstrebten.

Auch der Lehrlingsmangel trägt aus Verbandssicht dazu bei, dass die Zahl der eigenständigen Bäckereien weiter sinkt. In Brandenburg gebe es aktuell rund 220 Betriebe, heißt es im Verband. Im Jahr 2000 seien es noch 500 gewesen. „Uns stehen immer weniger Jugendliche zur Verfügung“, berichtet Kamm.

Eine Ursache dafür sei, dass Schulabgänger vermehrt das Abitur ablegten und danach ein Studium anstrebten. Diese Jugendlichen fehlten dann dem Berufsausbildungsmarkt.

Ein lange bekanntes Problem der Branche sind nach den Worten Kamms die als unbequem geltenden Arbeitszeiten von Bäckern mit oftmaligem Arbeitsbeginn in aller Herrgottsfrühe. „Hierbei wird übersehen, dass sich auch andere Arbeitszeitmodelle entwickelt haben und ein Bäcker nicht nur nachts arbeitet“, sagte Kamm.

In den letzten Jahren sei zudem die Ausbildungsvergütung bundesweit vereinheitlicht, für allgemeinverbindlich erklärt und stufenweise angehoben worden. Zuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit würden ebenfalls gewährt. „Das führt dazu, dass auch die Netto-Vergütung von Bäckergesellen mit den Löhnen anderer Gewerke konkurrieren kann“, sagt Kamm.

Zu den Bäckerei-Unternehmern, die über einen Azubimangel klagen, gehört Olaf Thonke in Rathenow (Havelland). „Die Zahl der Bewerber wird immer geringer, der Aquiseaufwand ist hoch, die Qualität der Schulabgänger sinkt“, fasst er das Problem zusammen. Aktuell würden in seinen 55 Filialen und Verkaufsstellen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt 18 Lehrlinge ausgebildet. „Wenn vor 15 Jahren noch 20 Bewerbungen auf meinem Tisch lagen, können wir uns heute schon über fünf freuen“, sagt Thonke. Sein

Betrieb versuche, den Jugendlichen entgegen zu kommen und schon über Schulen und auf Messen Kontakt aufzunehmen. Demnächst solle auch das Internet bei der Suche nach potenziellen Bewerbern helfen.


Man sieht jeden Tag, was man geschaffen hat


Drei Azubis konnten laut Thonke zuletzt ihre Lehre in der Produktion der Bäckerei abschließen, einer davon mit „Hängen und Würgen“. „Den habe ich danach nicht übernommen.“ Wenn sich ein Lehrling permanent verspäte oder ganze Tage fehle, lasse das wenig Motivation erkennen. Wie Kamm versucht auch Thonke, mit der Vorstellung eines Knochenjobs als Bäcker aufzuräumen. Es gebe inzwischen Spezialmaschinen, die so manche Aufgaben abnehmen – und dem frühen Aufstehen stehe ein freier Nachmittag entgegen. „Als Bäcker sieht man jeden Tag, was man geschaffen hat“, so Thonke – etwa, wenn die Ware warm und duftend aus dem Ofen geholt werde. Doch mit den Maschinen müsse umgegangen und Zutatenmengen berechnet werden können. „Ein gewisses Maß an Bildung und Lust ist für die Lehre eben unerlässlich“, sagt der Bäcker.

  Mit der Ausbildung von Lehrlingen hat es der Bäckermeister Marco Götz in Wittenberge bereits ganz aufgegeben. „In den vergangenen vier Jahren hatte ich nicht eine Bewerbung“, erinnert er sich. Der letzte Azubi sei 38 Wochen krank gewesen. Aus Unlust, wie Götz vermutet.

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