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Uckermark : Babyleiche: Kind schon länger tot

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Totes Baby lag in einer Tüte auf einer Wiese: Mordkommission ermittelt. Es ist nicht der erste Fall in Brandenburg und Berlin.

Das auf einer Wiese in der Uckermark gefundene Baby war ein Mädchen und ist bereits vor einigen Tagen getötet worden. Wie die Leiche auf die Wiese gelangte, ist weiter ungewiss. Das Kind sei auf unnatürliche Weise ums Leben gekommen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Neuruppin, Lolita Lodenkämper.

Das tote Mädchen war am Montag bei Mäharbeiten im Gartzer Ortsteil Friedrichsthal entdeckt worden. „Der Tod liegt mehrere Tage zurück“, sagte Lodenkämper. „Es war ein nach der Geburt vollständig entwickelter und lebensfähiger weiblicher Säugling.“ Die Staatsanwaltschaft ermittle wegen des Verdachts des Totschlags.

Viele Fragen bleiben indes offen: Woher das Mädchen stammt, wie es starb und wer dafür verantwortlich ist. Dazu wurden zunächst – aus ermittlungstaktischen Gründen – keine Angaben gemacht. Einzig grenzte die Sprecherin ein, dass das Baby nicht ertrank. Es werde gegen Unbekannt ermittelt – eine Mordkommission sei einbezogen, fügte Lodenkämper hinzu. Am Dienstag sei die Wiese mit Hunden abgesucht worden. Entdeckt hätten das Mädchen am Montagmittag zwei Männer, die im Auftrag der Kommune mähten.

In dem beschaulichen Ortsteil Friedrichsthal hat sich die schreckliche Nachricht unter den 130 Einwohnern schnell herumgesprochen. Der Amtsdirektor des Amtes Gartz, Frank Gotzmann, sagte: „Wir sind alle bis ins Mark erschüttert. Wir wissen nicht, welches Schicksal hinter dem grausamen, für uns unfassbaren Fund steckt.“ Auch im Internet zeigten sich viele entsetzt über die Nachricht.

Indes wurde bekannt, dass das Landgericht Potsdam Anklage gegen eine Mutter eines toten Säuglings, der auf einem Kompostierer in Glindow (Potsdam-Mittelmark) entdeckt worden war, Anklage zugelassen hat. Die Babyleiche war am 22. Oktober 2013 gefunden worden. Die 35-Jährige stellte sich später und gestand laut Behörden, den Jungen erstickt zu haben. Aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens geht die Anklage davon aus, dass die Frau voll schuldfähig ist. Der Prozess gegen sie soll laut Landgericht am 14. Juli beginnen.

Die Frau war nach der Tat zunächst in Untersuchungshaft, der Haftbefehl wurde jedoch außer Vollzug gesetzt. Seit vergangenem November ist sie auf freiem Fuß. Nach Angaben ihres Verteidigers ist sie inzwischen umgezogen. Die Frau hat bereits ein Kind. Dieses lebt derzeit beim Vater und dessen Familie. Der Mann stand laut Behörden nicht im Verdacht, an der Tat beteiligt gewesen zu sein.

Erst Ende April war eine junge Mutter vom Landgericht Frankfurt (Oder) wegen Totschlags in einem minderschweren Fall zu knapp vier Jahren Haft verurteilt worden. Laut Urteil hatte die Frau in Golzow (Märkisch-Oderland) ein Kind allein zur Welt gebracht und mit einem Messer erstochen.


Traurige Reihe von Fällen in der Region


In Berlin und Brandenburg gab es bereits mehrfach ähnlich Fälle. Am 9. April 2013 entdeckte ein Hund in Berlin-Hellersdorf eine Tüte mit dem Leichnam eines Neugeborenen. Die Obduktion ergab, dass der Junge bei der Geburt gelebt hatte und getötet wurde.

Wenige Tage zuvor entdeckten Mitarbeiter einer Recycling-Firma in einem Altkleider-Container in Berlin-Neukölln eine stark verweste Babyleiche in einer Plastiktüte. Von der Mutter des kleinen Mädchens fehlte jede Spur.

Im August 2012 wurde in einer vermüllten Wohnung in Berlin-Reinickendorf beim Entrümpeln eine Babyleiche in einem Karton entdeckt. In denselben Räumen war zwei Monate zuvor die Leiche einer 36-Jährigen entdeckt worden – vermutlich war es die Mutter.

Im Februar 2012 wurde ein Neugeborenes in Brandenburg vermutlich von seiner Mutter erstickt. Das tote Mädchen wurde in einer Plastiktüte auf dem Grundstück in Hohen Neuendorf gefunden.

Dezember 2011: In Potsdam wird kurz vor Heiligabend ein totes Neugeborenes in einem Garagenkomplex gefunden. Die Mutter bleibt bis heute verschwunden.

Februar 2011: Polizisten finden die Überreste eines toten Babys in einem Garten in Jüterbog in Brandenburg. Die Mutter und ihr Ex-Partner sollen es nach der Geburt 2009 vergraben haben.

Dezember 2010: Eine 20-Jährige wirft in Berlin ihren Jungen aus einem Wohnungsfenster in den Schnee, das Baby überlebt nur wenige Stunden.

Juli 2005: In einer Garage im brandenburgischen Brieskow-Finkenheerd werden bei einer Entrümpelung neun Babyleichen entdeckt. Die Mutter der Kinder hatte sie in einem mit Sand gefüllten Aquarium, in Eimern und Blumenkübeln versteckt.

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