Vier jahre haft : Baby erstickt und weggeworfen

Die Kriminaltechniker sicherten damals in Glindow  auch Spuren an einem Gebäude.
Foto:
Die Kriminaltechniker sicherten damals in Glindow auch Spuren an einem Gebäude.

Die 35-Jährige bleibt zunächst auf freiem Fuß. Der Haftbefehl war Ende 2013 außer Vollzug gesetzt worden. Das Gericht beließ es dabei. Staatsanwaltschaft und Verteidigung ließen zunächst offen, ob sie Rechtsmittel einlegen.

svz.de von
31. Juli 2014, 22:00 Uhr

Der Säugling lag auf einem Kompostierer, weggeworfen von seiner Mutter wie Müll. Wegen Totschlags muss die 35-Jährige nun vier Jahre in Haft. Das Landgericht Potsdam ging von einem minderschweren Fall aus. Als Grund nannte der Vorsitzende Richter Frank Tiemann die Persönlichkeit der Angeklagten. „Sie hat die Schwangerschaft nicht wahrhaben wollen und sie verdrängt“, sagte Tiemann gestern.

Als das Baby dann auf die Welt kam, habe sie in Panik die falsche Entscheidung getroffen. „Es ist nicht Ausdruck krasser Selbstsucht“, meinte der Richter. Die gelernte Einzelhandelskauffrau hatte im Prozess gestanden, ihr Neugeborenes im Oktober 2013 erstickt zu haben. Nach der Tat warf sie die Leiche des Jungen auf einen Kompostierer in Glindow auf dem Grundstück der Familie.

Dort fand sie die Großmutter des getöteten Kindes. Die Angeklagte hat bereits einen siebenjährigen Sohn mit dem Kindsvater. Die Familie lebte gemeinsam mit dessen Eltern sowie seiner Großmutter und Tante auf dem Grundstück bei Potsdam. Diese beengten Verhältnisse führten aus Sicht der Gerichts zu dem Drama.

Wegen eines zögerlichen Ausbau ihres Bungalows habe das Paar sechs Jahre auf einer Baustelle gelebt. Rückzugsmöglichkeiten habe die Frau kaum gehabt - was sie gestört habe. „Es gelingt ihr aber nicht, eigene Bedürfnisse durchzusetzen“, sagte Tiemann mit Verweis auf ein psychiatrisches Gutachten. Dadurch neige sie dazu, „die Dinge einfach laufen zu lassen“. Diese Persönlichkeit habe fast Krankheitswert.

Fragen der Familie nach einer Schwangerschaft habe sie immer verneint. Anders als die Staatsanwaltschaft, die sechs Jahre Freiheitsstrafe gefordert hatte, ging das Gericht von einem minderschweren Fall aus.

Ein Grenzfall, wie der Richter einräumte. Die Verteidigung der Frau hatte eine Bewährungsstrafe beantragt. Dafür sah das Gericht keine Möglichkeit. „Dafür, dass Sie einen Menschen getötet haben, ist eine Freiheitsstrafe von vier Jahren schon recht niedrig“ betonte Tiemann. Die 35-Jährige bleibt zunächst auf freiem Fuß. Der Haftbefehl war Ende 2013 außer Vollzug gesetzt worden. Das Gericht beließ es dabei.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung ließen zunächst offen, ob sie Rechtsmittel einlegen. Das Sorgerecht für ihren ersten Sohn wurde der Mutter entzogen. Sie kämpft vor dem Oberlandesgericht Brandenburg darum. Derzeit hat sie ein Umgangsrecht. Der Junge lebt bei seinem Vater. Das Paar hat sich getrennt. Der Ex-Partner stand laut Behörden nie im Verdacht, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Er trat im Strafverfahren als Nebenkläger auf.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen