Fehlende Sprachkenntnisse : Ausländische Ärzte auf der Schulbank

Bundesweit gleichen ausländische Ärzte den Ärztemangel aus
Bundesweit gleichen ausländische Ärzte den Ärztemangel aus

Die Zeitungsanzeige springt ins Auge: Das private Nestor Bildungsinstitut in Frankfurt (Oder) sucht einen Deutschlehrer für einen Sprachkurs mit ausländischen Ärzten. „Das Krankenhaus in Seelow hat das angeregt“, sagt Gernot Grünberg vom Bildungsinstitut.

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05. Februar 2014, 11:55 Uhr

Die Zeitungsanzeige springt ins Auge: Das private Nestor Bildungsinstitut in Frankfurt (Oder) sucht einen Deutschlehrer für einen Sprachkurs mit ausländischen Ärzten. „Das Krankenhaus in Seelow hat das angeregt“, sagt Gernot Grünberg vom Bildungsinstitut. Es ist der erste Sprachkurs für ausländische Mediziner – und sicher nicht der letzte am Institut. Sechs Monate lang werden Chirurgen, Urologen oder Anästhesisten aus aller Herren Länder an den Wochenenden auf der Schulbank sitzen, um mit einem anerkannten Zertifikat zurück ins Krankenhaus zu kehren.

In Brandenburg reicht das Sprachniveau B2, was nach Ansicht vieler deutscher Mediziner grenzwertig ist. Bis März sollen nach Aussagen des Gesundheitsministeriums „Eckpunkte für ein einheitliches Überprüfungsverfahren der erforderlichen Sprachkenntnisse“ vorgelegt werden – bundesweit einheitlich. Immerhin besteht auf Bundesebene Konsens darüber, „dass Angehörige der akademischen Heilberufe vor Aufnahme ihrer Tätigkeit ausreichende Kenntnisse in Wort und Schrift sowohl der deutschen Umgangssprache als auch der medizinischen Fachsprache nachweisen müssen“. So hat es die unter dem Vorsitz von Anita Tack (Linke) stehende Gesundheitsministerkonferenz einstimmig beschlossen und kommt damit auch einer Forderung der Landesärztekammer Brandenburg nach.

In der Praxis nämlich reden ausländische Mediziner und deutsche Patienten nicht selten aneinander vorbei. „Solch ein Problem kann man nur europaweit lösen und muss dabei auch nach England schauen, wo man schon lange mit ausländischen Ärzten zusammenarbeitet“, rät Thomas Vogel, Geschäftsführer des Sprachenzentrums an der Europa-Universität Viadrina. Es fehle an sprachpolitischen Konzepten und der Zusammenarbeit von Experten aus Politik, Hochschule und betroffener Institutionen. Mit Sprachkursen allein sei es nicht getan, betont der Wissenschaftler. Eine Prüfung allein sage wenig über die kommunikative Fähigkeit eines Arztes aus. „Er muss auf die Patienten eingehen können“, weiß Vogel aus Erfahrungen zwei ähnlicher Projekte. An der Landesrettungsschule Bad Saarow kümmert sich das Team von Vogel um deutsche, polnische und tschechische Sanitäter – Auftraggeber ist das Bundesgesundheitsministerium.

Für ausländische Ärzte ist das Bundesamt für Migration zuständig, das neben privaten Bildungsträgern bislang 100 berufsbegleitende Sprachkurse für ausländische Ärzte organisiert hat, bei denen Behördensprecherin Corinna Rappe zufolge gezielt und abhängig vom individuellen Bedarf die Kommunikation am Arbeitsplatz, mit Patienten, bei Übergabesituationen und bei Gesprächen mit Kollegen trainiert wurde. Die Nachfrage könne mit vorhandenen Kursen abgedeckt werden, betont sie. Thomas Vogel hat seine Zweifel: „Wenn das alles so prima wäre, hätten wir keine Defizite.“

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