Pyrotechnik unterwegs : Auftrag mit größter Sprengkraft

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Mit hochexplosiver Ladung im Rücken ist in diesen Tagen Lkw-Fahrer Heiko Herpich für die Bahntochter DB Schenker auf den Straßen von Berlin unterwegs.

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30. Dezember 2014, 15:00 Uhr

Mit hochexplosiver Ladung im Rücken ist in diesen Tagen Lkw-Fahrer Heiko Herpich für die Bahntochter DB Schenker auf den Straßen von Berlin unterwegs. Berlins Logistikauftrag mit der größten Sprengkraft hat DB Schenker dem Discounter Lidl zu verdanken, der in Kremmen (Oberhavel) sein Zentrallager hat und die für seine 55 Filialen im Norden Berlins bestimmte Pyrotechnik durch DB Schenker verteilen lässt. Der 38-jährige Herpich ist einer von 30 Fahrern mit der Gefahrgut-Lizenz, die zum Transport von insgesamt 370 Paletten Feuerwerkskörpern nötig ist – das entspricht in etwa 100 Tonnen.

Für die Männer hinter dem Steuer bedeuten die drei letzten Tage des Jahres Hochkonjunktur. Zum Teil im Zwei-Stunden-Takt liefern sie die explosive Ware in die Geschäfte. „Das ist abhängig von der Lagerkapazität“, sagt Ole Constantinescu, Sprecher von DB Schenker. Damit die Raketen und Böller in den Geschäften nicht ausgehen, müsse die Logistikkette reibungslos funktionieren und im Vorfeld detailliert geplant werden. Nachdem die Pyrotechnik bereits am Sonnabend und in der Nacht zu gestern aus dem Zentrallager in Kremmen zum DB Schenker-Geschäftssitz in Berlin-Charlottenburg angeliefert worden ist, werden die Paletten den einzelnen Filialen zugeordnet und auf Laster verteilt.

Heiko Herpich hatte dann gestern Mittag seinen Laster bis unters Dach vollgeladen – das reicht für vier Geschäfte. Jede Palette ist gescannt und mit Warnaufklebern gekennzeichnet – „1.4 G“ steht für Böller und Raketen, „1.4 S“ für Tischfeuerwerk.


Orange Tafeln als Warnsignal


Dass ausgerechnet am ersten Großkampftag Berlin fast im Schnee versinkt, setzt den Lkw-Fahrer zwar zusätzlich unter Zeitdruck, bringt ihn aber nicht aus dem Konzept. Und auch die Ladung ist für ihn nicht ungewöhnlich. Er ist ständig mit gefährlicher Fracht auf Tour, wozu auch vermeintlich harmlose Dinge wie Haarspray, Rasierschaum oder Spülmittel auf der Ladefläche zählen.

Vor dem Jahreswechsel ist es Pyrotechnik mit einer Nettoexplosivmasse von 34 Tonnen. Rund zehn nur mit Feuerwerk beladene Laster von DB Schenker beliefern die Filialen im Durchschnitt zwei Mal – zu erkennen an den fast unauffälligen orangefarbenen Warntafeln vorn und hinten.

Die signalisieren: Hier ist ein Gefahrguttransport unterwegs, und genau deshalb muss Heiko Herpich vor der Abfahrt eine umfangreiche Checkliste abarbeiten: Ladung und Sicherheitsausstattung werden mit einem Kollegen überprüft. Der Lkw muss Warnweste, Schutzbrille, Handschuhe, Schaufel und zwei Feuerlöscher von je sechs Kilogramm mit an Bord haben. Herpich wiederum braucht eine Zusatzqualifikation, den so genannten Gefahrgutschein der Klasse 1, der alle fünf Jahre erneuert werden muss. Als er gegen 14 Uhr mit sechs Paletten Nachschub in der Lidl-Filiale in Heiligensee eintrifft, wird er von der Filialleiterin schon sehnsüchtig erwartet.

Am frühen Morgen um 7.30 Uhr hätten schon die ersten Kunden angestanden. 15 Paletten seien bislang verkauft worden – der Himmel über Berlin wird bunt.

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