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Geisel : Auf eigene Faust nach Syrien

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ein 27-Jähriger aus Strausberg wird in Syrien verschleppt und gerät in die Hände der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Mit viel Glück kam er im Juni frei. Doch über die Hintergründe der Freilassung schweigen die Behörden sowie seine Familie.

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erstellt am 27.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Ein 27-Jähriger aus Strausberg wird in Syrien verschleppt und gerät in die Hände der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Mit viel Glück kam er im Juni frei. Doch über die Hintergründe der Freilassung schweigen die Behörden sowie seine Familie.

Es ist der aufrüttelnde Hilferuf eines Vaters, der versucht, über soziale Netzwerke ein Lebenszeichen seines Sohnes zu erhalten: „Helft mit Toni zu finden – bitte“, schrieb Dirk N. im Juli 2013 auf seiner Facebook-Seite. Sieben Wochen hatte er vergeblich auf eine Nachricht von Toni N. gehofft, nachdem dieser über die Türkei nach Syrien aufgebrochen war. Damals ahnte der Finanzfachmann schon, dass seinem Sohn etwas zugestoßen ist: „Er hat es verdient zu leben“, teilte Dirk N. der Internet-Gemeinde eindringlich mit.

Längst waren zu dieser Zeit die Sicherheitsbehörden in Deutschland eingeschaltet. Die Familie hatte sich bei der Polizei gemeldet, der Fall landete schnell beim Bundeskriminalamt. Doch erst im Frühjahr dieses Jahres bekamen die Angehörigen des gelernten Kochs Toni N. die Gewissheit, dass der 27-Jährige von Extremisten entführt wurde: Sie erhielten eine E-Mail mit einem Video, in der Toni N. als Geisel zu sehen ist. In der Aufnahme wurde die Hinrichtung eines weiteren Gefangenen gezeigt. Und: Die Islamisten forderten Lösegeld.

Nach Medienberichten gelang es schließlich dem Bundesnachrichtendienst, einen Kontakt zu den Entführern herzustellen, es folgten wochenlange Verhandlungen unter Federführung des Auswärtigen Amtes. Im Juni kommt Toni N. zusammen mit einem Dänen frei – sie werden an der syrischen Grenze von türkischen Polizisten aufgegriffen. Ob jedoch Lösegeld gezahlt wurde, darüber hüllen sich sowohl das Auswärtige Amt als auch die Familie in Schweigen. „Wir würden weitere Geiseln, die noch in Gefangenschaft sind, in Lebensgefahr bringen“, erklärt der Vater. Er werde daher keine weiteren Details nennen, unter welchen Bedingungen sein Sohn freigekommen ist.

Allerdings bestätigt der Strausberger, dass Toni N. aus humanitären Gründen in das Bürgerkriegsland Syrien gereist ist. „Er wollte einfach den Menschen vor Ort helfen“, so Dirk N. „Er ist eben caritativ veranlagt.“ Sein Sohn habe sich ohne besondere Reiseplanung auf den Weg gemacht, kaufte sich ein Flugticket in die Türkei. Dieses Verhalten sei naiv gewesen, heißt es in Ermittlerkreisen.

Auch die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder), die Ermittlungen gegen Unbekannt wegen der Geiselnahme aufgenommen hat, will „wegen der hohen Brisanz“ keine näheren Angaben zu dem Fall machen. Man gehe nach bisherigen Erkenntnissen davon aus, dass sich die Entführung so zugetragen habe, sagt Sprecher Ulrich Scherding. Man müsse aber im Hinterkopf behalten, dass die Veröffentlichung weiterer Details zur Entführung womöglich weitere Geiseln der IS in Lebensgefahr bringen könnten.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Brandenburger in Syrien verschleppt wurde. Im März 2013 kam der aus Neuenhagen (Märkisch-Oderland) stammende Abenteurer Billy S. frei, nachdem er im Krisengebiet von Unbekannten entführt wurde und schließlich wegen illegaler Einreise in einem syrischen Gefängnis landete. Nach zwei Monaten in Haft wurde der 27-jährige Vermögensberater, der zuletzt als freiberuflicher Reporter für die rechtskonservative Zeitung „Junge Freiheit“ arbeitete, von den syrischen Behörden an die russische Botschaft in Damaskus übergeben. S. war mehrere Jahre als Kommunalpolitiker in Neuenhagen tätig. Schon einmal führte ihn eine lange Reise quer durch Afrika. „Ich mag es, mit den Menschen auf Tuchfühlung zu gehen“, sagte er nach seiner Freilassung.

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