Warnsignal : Angler schlagen Alarm

Der Naturschutz verdrängt die Fischer von den angestammten Seen.
Der Naturschutz verdrängt die Fischer von den angestammten Seen.

Für den Landesfischereiverband ist es ein Warnsignal: Der Naturschutz verdrängt die Fischer von den angestammten Seen. Vor dem Hintergrund, dass die Zukunft der vom Land gekauften rund 60 Seen immer noch ungeklärt ist, braut sich neuer Ärger zusammen.

svz.de von
04. März 2014, 10:00 Uhr

Für den Landesfischereiverband ist es ein Warnsignal: Der Naturschutz verdrängt die Fischer von den angestammten Seen. Vor dem Hintergrund, dass die Zukunft der vom Land gekauften rund 60 Seen immer noch ungeklärt ist, braut sich neuer Ärger zusammen.

Der Schwarze See liegt in der Uckermark, im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Er ist etwa 10,5 Hektar groß und wird von Thomas Löwe und seiner Seefischerei Angermünde bewirtschaftet. Das Gewässer war in Bundeseigentum, wurde als Nationales Naturerbe eingestuft und zusammen mit anderen, insgesamt mehr als 50 Seen in Brandenburg an Naturschutzstiftungen und Vereinen übertragen.

Im Fall des Schwarzen Sees war es der Kulturlandschaft Uckermark, e. V., der Förderverein des Biosphärenreservates. Am 18. Februar erhielt Fischer Löwe – wie er sagt ohne Vorwarnung – das Kündigungsschreiben für den Pachtvertrag. Der Verein kündigt an, künftig ein eigenes Angelkonzept zu entwickeln und entspreche Angelkarten ausgeben zu wollen.

Martin Krassuski, Vorsitzender des Vereins, erklärte gestern dazu, dass dies ein Angebot an die Angler der Region werden soll. In den vergangenen Jahren wurden einzelne Seen in die Totalreservatsflächen des Biosphärenreservates eingegliedert, so dass auf ihnen nicht mehr geangelt werden kann. Der Schwarze See könnte nun als Ausgleich für die Petrijünger aus der Gegend dienen. Laut Löwe ist das jetzt schon der Fall. Die Mitglieder des Deutschen Anglerverbandes, der einen Nutzungsvertrag mit dem Fischer abgeschlossen hat, können dort ihrem Hobby nachgehen.

Andere, nicht organisierte Angler erwerben bei Löwe direkt eine Angelkarte. Außerdem wird der See, der für seine Welse bekannt ist, von Löwes Betrieb befischt. Gregor Beyer, FDP-Landtagsabgeordneter aus der Region, wirft dem Kulturlandschaftsverein vor, mit dem Vertrieb von Angelkarten selbst Kasse machen zu wollen. Bei intensiver Vermarktung seien damit einige 1000 Euro pro Jahr zu erzielen. Für einzelne Fischereibetriebe machen die Angelkarten bis zu 75 Prozent der Einnahmen aus, schätzt das Landwirtschaftsministerium.

Thomas Löwe, der 1800 Hektar Seenfläche bewirtschaftet, sieht sich einem generellen Problem gegenüber. Auch andere Seen der Region wurden an Naturschutzverbände und Stiftungen übertragen, insgesamt 200 Hektar der von ihm genutzten Gewässer. Nun bestehen Schwierigkeiten, die alten über zwölf Jahre laufenden Pachtverträge entsprechend zu verlängern. Künftig sollen Nutzungsverträge über ein oder zwei Jahre abgeschlossen werden.


Idee ohne Gegenliebe


Für Lars Dettmann, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes, haben die kurzen Pachtzeiten nichts mehr mit Nachhaltigkeit zu tun. Gerade bei kurzer Laufzeit und ungewisser Verlängerung bestehe die Gefahr, dass ein Fischer alles aus dem See holt, was zu herauszuholen ist, sagt Dettmann.

Sein Verband verlangt auch Klarheit, wie mit den rund 65 Seen umgegangen wird, die das Land vor zwei Jahren für knapp vier Millionen Euro vom Bund erworben hatte. Die Fischer und der Anglerverband hatten gemeinsam mit dem Städte- und Gemeindebund die Idee entwickelt, eine Stiftung zu gründen, die die Seen übernehmen soll. Seitdem tritt man auf der Stelle.

Die Idee scheint im Finanzministerium und im Umweltministerium nicht auch viel Gegenliebe zu stoßen. Dort bevorzugt man eine Aufteilung des Pakets. Zum Einen an interessierte Kommunen (und zwar an solche, die sich den Unterhalt leisten können).

Und zum Anderen soll rund ein Drittel der Seen für Naturschutzziele im Landeseigentum bleiben oder entsprechenden Verbänden und Stiftungen übertragen werden. Dettmann fürchtet, dass dabei nach dem gleichen Muster verfahren wird wie in der Uckermark: Kündigung der Fischer oder der Versuch, statt zwölfjährigen Pachtverträgen wie es im Landesfischereigesetz befürwortet wird, nur noch kurzfristige Pachten zu einzuräumen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen