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Panorama BB

20. August 2017 | 00:21 Uhr

Angeklagte frei

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Fehlende Beweise im Giftanschlag-Prozess

Im Prozess wegen eines Giftanschlags in der eigenen Familie haben gestern vor dem Frankfurter Landgericht die ermittelnden Kriminalbeamten ausgesagt. Die beiden Angeklagten wurden belastet, der Richter ließ sie dennoch frei.

Am Ende des vorletzten Verhandlungstages klicken die Handschellen nicht mehr. Beide Angeklagte verlassen den Saal 007 des Frankfurter Landgerichts durch die große Tür. Draußen warten ein Freund von Mario B. und der Bruder von Uwe O., es fließen Tränen, sie klopfen sich auf die Schultern. Über neun Monate waren sie in Untersuchungshaft.

Wenige Minuten zuvor hat Richter Matthias Fuchs eine Entscheidung verkündet, die zu erwarten war. Schon in der vergangenen Woche deutete der Vorsitzende der Zweiten Strafkammer an, dass für ihn womöglich nur eine Verurteilung wegen Körperverletzung infrage komme, da beide Angeklagte ihre Mutter beziehungsweise Ehefrau Ursula O. geschlagen hatten.

Für den Kern der Anklage, versuchten Mord, scheinen dem Gericht offenbar stichhaltige Beweise zu fehlen. Demnach sollen beide Angeklagte in einem nicht näher ermittelten Zeitpunkt im Herbst 2012 versucht haben, Ursula O. mit einem Tablettencocktail zu vergiften, um an ihre Versicherungsprämien zu gelangen. Die damals 55-jährige, pflegebedürftige Frau überlebte. Sie starb im Dezember an einem Herzversagen – so protokollierte es ein Notarzt.

Die Staatsanwältin Annette Bargenda will das Verfahren, das ohnehin hin und her wogte mit belastenden und entlastenden Aussagen, mit zwei zusätzlichen Zeugen am kommenden Dienstag retten. Auch eine Freundin der Angeklagten soll noch einmal geladen werden, die sich in Widersprüche verstrickte.

Mireille B. heißt die junge Frau, die zu beiden mutmaßlichen Tätern eine Beziehung unterhielt und zeitweise mit ihnen in dem Haus in Strausberg wohnte – während die schwer kranke Ursula O. in einem kleinen Gartenhaus auf dem Grundstück lebte. Während die Zeugin vor Gericht sagte, sie habe nichts von dem Giftanschlag auf Ursula O. gewusst, machte sie in der polizeilichen Vernehmung noch völlig gegensätzliche Angaben.


Mario B. soll ihr seinen Mordplan offenbart haben


Demnach habe er einen halben Maßbecher voll Tabletten in einer blauen Mineralwasserflasche aufgelöst und diese dann seiner Mutter hingestellt. Dann fuhr er zur Arbeit. Am nächsten Tag soll er die Freundin wieder angerufen haben: „Die Alte hat überlebt.“ So erzählt es eine Kripobeamtin, die die Ermittlungen leitete, vor Gericht. „Ich hatte absolut den Eindruck, die Zeugin sagt die Wahrheit. Aber sie hatte Angst vor den Angeklagten und gehofft, dass sie in Haft bleiben“, so die Polizistin.

Ein weiterer wichtiger Beweis, auf den sich die Anklage stützt, ist ein aufgezeichnetes Gespräch, das der Polizei übergeben wurde. Mario B. hatte darin seinem Stiefbruder offenbart, dass es zu dem gescheiterten Anschlag gekommen sei. Der 33-jährige Angeklagte forderte ihn auf, der Polizei gegenüber zu schweigen.

Weitere Beweise fehlen. Die Leiche von Ursula B. wurde eingeäschert. In dem Gartenhaus selbst fehlte bereits jegliches Inventar, als die Polizei zur Durchsuchung eintraf.

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