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Designerin Anneke Goertz : Alltagshilfen zum Selbermachen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Anneke Goertz stellt in einem Buch Dinge vor, die für Senioren nützlich sein können

svz.de von
erstellt am 08.Okt.2015 | 09:53 Uhr

Ob Spezialbesteck, Aufstehhilfe oder Spielkartenhalter – im Handel gibt es verschiedenste Alltagshelfer für Senioren. Die Potsdamer Designerin Anneke Goertz zeigt, wie ältere Menschen und ihre Angehörigen viele Dinge ohne große Kosten selber basteln können. Ihr Buch „Ich helf Dir“ (Beltz Verlag) ging aus der Masterarbeit an der Fachhochschule Potsdam hervor, die sie für Alzheimerpatienten und deren Angehörige schrieb. „Eigentlich wollte ich als Designerin etwas entwickeln, das die Welt verändert“, sagt die 31-Jährige. 

Bei Recherchen in Pflegeheimen und Gesprächen mit Angehörigen habe sie schnell gemerkt, dass es viele nützliche Dinge bereits gibt, die aber oft recht teuer und nicht für jeden erschwinglich sind. So sei sie auf die Idee gekommen, einzelne Produkte nachzubauen. „Ich bin durch Bau- und Drogeriemärkte gegangen und habe mich inspirieren lassen“, so Goertz.

Herauskamen Bastelanleitungen zu 22 Themen wie Körperpflege, Anziehen, Medikamenteneinnahme, Kochen, Putzen, Freizeit und Sicherheit. Ihr Lieblingsbeispiel ist das Essbesteck, das nicht so leicht aus der Hand rutscht. Es lasse sich mit Schaumstoffpapilloten herstellen. Dazu müsse man nur den Draht aus Lockenwicklern nehmen und sie über die Griffe von Messer, Gabel oder Löffel ziehen. „Die Papilloten sind geschirrspülmaschinenfest“, sagt Goertz.

Leicht zu basteln ist auch die Putzhilfe. Goertz empfiehlt, aus einem Kunststoff-Tischset einen Henkel auszuschneiden und an einem Schwammtuch zu befestigen. „Jetzt kann man den Fuß hineinstecken und einen Fleck auf dem Boden aufwischen, ohne sich zu bücken.“

Zwei Scheiben aus Pappe und die Klammer einer Versandtasche genügen, einen Spielkartenhalter zu basteln. Für die Aufstehhilfe braucht es einen Wandhaken, zwei Pömpel, etwas Werkzeug.

Die Potsdamerin Angela Rienäcker und ihr Mann, der an Demenz leidet, probierten das Papilloten-Besteck aus. „Mein Mann kann gut damit umgehen“, sagt Rienäcker. Zuvor hatte sie teures Besteck aus dem Sanitätshaus besorgt, das sich zu Hause als unbrauchbar erwies. „Man ist auf Sachen angewiesen, die geboten werden, und kann sie erst zu Hause ausprobieren“, sagt Rienäcker. Sie habe sich schon häufig „verkauft“. Goertz hatte das Ehepaar bei ihrer Recherche für die Masterarbeit kennengelernt.

Weil sie nach dem Abschluss nicht wollte, dass die Arbeit verstaubt, sei sie auf Verlage zugegangen – mit Erfolg. Um mehr Menschen zu erreichen, habe sie ihr Thema schließlich auf das Altern im Allgemeinen ausgedehnt, erzählt Goertz.

Ursula Lenz von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen glaubt, dass die Buch-Idee ankommen wird: „Ältere Menschen haben oft große Hemmungen, nach Hilfsmitteln zu suchen. Viele haben Probleme dazu zu stehen, dass sie Hilfe brauchen.“

Goertz’ Ideen böten ihnen die Möglichkeit, zu Hause im geschützten Raum Dinge zu basteln und auszuprobieren. Es biete sich an, Familie oder Freunde einzubeziehen. Begegnungsstätten und Seniorenklubs könnten Bastelnachmittage veranstalten.

Der Vorsitzenden des Brandenburgischen Seniorenverbands, Hertha thor Straten, gefällt, dass sich ein junger Mensch Gedanken um ältere Menschen und ihre Probleme gemacht hat. Das spreche gegen den so oft beschworenen Konflikt der Generationen.  

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