Maskenmann-Prozess : „Alles nur ein potemkinsches Dorf“

Wer hat in den Jahren 2011 und 2012 in Oder-Spree zwei Millionärsfamilien überfallen und dabei einen Wachmann angeschossen sowie einen Investmentbanker entführt? Der im Maskenmann-Prozess angeklagte Mario K. (l.) auf jeden Fall nicht, sagt sein Verteidiger Axel Weimnann.
Wer hat in den Jahren 2011 und 2012 in Oder-Spree zwei Millionärsfamilien überfallen und dabei einen Wachmann angeschossen sowie einen Investmentbanker entführt? Der im Maskenmann-Prozess angeklagte Mario K. (l.) auf jeden Fall nicht, sagt sein Verteidiger Axel Weimnann.

Verteidigung attackiert Staatsanwalt und will Freispruch erreichen

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04. Juni 2015, 15:58 Uhr

Die Stimmung ist am Boden. Auf Attacke folgt der Gegenangriff, mit immer neuen, oft ehrenrührigen Unterstellungen. Nach mehr als einem Jahr Prozess vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) liegen die Nerven bei Staatsanwaltschaft, Nebenklagevertretern und Verteidigung blank. Nachdem Verteidiger Axel Weimann in den Schlussplädoyers der Gegenseite hart angegangen worden war, ihm unterstellt wurde, gegen Standesregeln zu verstoßen und mit seiner Verteidigungsstrategie die Nebenkläger im Prozess zum zweiten Mal zu Opfern zu machen, schlägt er gestern wortgewaltig zurück. Ziel seines Angriffs ist vor allem Staatsanwalt Jochen Westphal und dessen Plädoyer, in dem er schließlich lebenslange Haft für Mario K. gefordert hatte.

Westphal habe mit falschen Behauptungen schon früh „eine mediale Kampagne“ gegen den 47 Jahre alten Dachdecker und jetzigen Angeklagten inszeniert. „Da wurde gleich nach der Festnahme meines Mandanten öffentlich behauptet, es gebe eine Spur an einer Decke, die ihn überführe. Inzwischen wissen wir, dass dies nicht stimmt.“ Mit vielen solchen Behauptungen habe Westphal schließlich ein „potemkinsches Dorf“ aufgebaut. „Alles nur Fassade“, empört sich Weimann. „Haus für Haus dieses Dorfs kann man sich anschauen. Da ist nichts dahinter.“

Nichts als Häme hat der Verteidiger für Westphals „Täterpyramide“ übrig. Um dieses Motiv hatte der Staatsanwalt sein Plädoyer gebaut. Am Fuß der Pyramide stehen alle Menschen, die im Ausschlussverfahren Stufe um Stufe nach oben aussortiert werden. Am Ende bleibe nur noch Mario K. an der Spitze übrig. „Das muss passen“, so Westphals Logik. Axel Weimann warnt das Gericht davor, sich dieser Sicht anzuschließen: „Da macht der Bundesgerichtshof nicht mit“, ist Weimann überzeugt. Der Bezug auf eine Täterpyramide finde sich nirgendwo in der Rechts-Literatur.

Dann geht Weimann konkret auf die Vorwürfe gegen Mario K. ein. Er zweifelt an der Einzeltätertheorie, hält es für wahrscheinlich, dass an der Entführung eines Investmentbankers am Storkower See, so es sie überhaupt wie vom Opfer geschildert gegeben hat, zwei Männer beteiligt waren. Die polizeiliche Rekonstruktion jener Entführung über das Wasser weist er als „sinnlos und ohne Beweiswert“ zurück.

Dass bei den Überfällen eine Ceska-Pistole verwendet wurde und Mario K. mal eine solche besaß, sei kein Beweis für seine Schuld. „Kaum eine Waffenart ist in Deutschland so weit verbreitet wie diese.“ Ausführlich geht der Verteidiger darauf ein, wie Zeugen den Angreifer beschrieben haben, nämlich als maximal 1,75 Meter groß. Mario K. sei aber 1,85 Meter groß.

Dass sein Mandant für die Entführung ein farblich auffälliges Kajak verwendet und am Ablageort schließlich nicht nur dieses Kajak, sondern zahlreiche Gegenstände zurückgelassen haben soll, passe ebenfalls nicht zu ihm. Schließlich beschreibe die Staatsanwaltschaft ihn als „akribischen Spurenvermeider“.

Weimanns Fazit: „Bei allen von der Staatsanwaltschaft vorgebrachten Indizien fehlt es an der Feststellung von Wahrscheinlichkeiten.“ Es könnte alles ganz anders gewesen sein. Deshalb müsse K. freigesprochen werden.

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