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große Probleme : Ärger über defekte Löschwagen

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Das Modell Magirus TLF 4000, rund 250 000 Euro teuer, steht jetzt im Gerätehaus und darf nicht bewegt werden. So lautet die Vorgabe des Herstellers, der mittlerweile Mängel eingeräumt hat.

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erstellt am 16.Sep.2014 | 11:07 Uhr

Schon auf der Fahrt von der Fabrik in Ulm nach Brandenburg stellten die Feuerwehrleute fest, dass sich der Löschwagen nicht einwandfrei steuern lässt. Man habe immer gegenlenken müssen, berichtet der Stadtbrandmeister von Finsterwalde (Elbe-Elster), Michael Kamenz. Das Modell Magirus TLF 4000, rund 250 000 Euro teuer, steht jetzt im Gerätehaus und darf nicht bewegt werden. So lautet die Vorgabe des Herstellers, der mittlerweile Mängel eingeräumt hat.

„Wir wurden vor den Kopf gestoßen“, sagt der Ordnungsamtsleiter von Finsterwalde, Michael Miersch. „Die ganze Situation ist sehr unbefriedigend.“ Denn das Vorgängerfahrzeug des TLF 4000, ein Löschwagen aus DDR-Beständen, wurde bereits stillgelegt. „Wir müssen jetzt erst prüfen, wie wir den Ersatz absichern“, so Miersch.

Auch in anderen Feuerwehren ist der Ärger groß. „Da steht ein teures Modell im Gerätehaus, das wir nicht anfassen dürfen“, sagt René Mydaß, stellvertretender Stadtbrandmeister von Baruth (Teltow-Fläming). Für den Kauf hat die Stadt selbst 125 000 Euro beigesteuert, die andere Hälfte kam vom Innenministerium. „Die Stadt hätte das Geld auch für andere Projekte gebraucht, etwa Sportstätten. Das muss man den Bürgern erst mal erklären“, sagt er.

Sechs Fahrzeuge wurden bislang ausgeliefert, weitere 25 sollten bis November folgen. Dabei gebe es schon jetzt „erhebliche Lieferverzögerungen“, heißt es im Innenministerium. Derzeit wird Ursachenforschung betrieben. Bis die Mängel behoben sind, nimmt das Land keine weiteren Fahrzeuge mehr ab. „Noch ist unklar, ob möglicherweise die ganze Fahrzeugserie betroffen ist“, sagt Ministeriumssprecher Wolfgang Brandt.

Die Technik wurde im Rahmen eines Förderprogramms für die Stützpunktfeuerwehren angeschafft. In der Führungsebene der Feuerwehren im Land spricht man von einer „ärgerlichen Entwicklung“. Da die Sicherheit der Brandschützer nicht gefährdet werden dürfe, sei der Auslieferungsstopp folgerichtig, sagt der stellvertretende Landesbranddirektor Carsten Pranz. Die Einsatzbereitschaft der betroffenen Feuerwehren ist nach seinen Erkenntnissen aber nach wie vor gewährleistet.

Ähnlich äußert sich Heinz Rudoph, stellvertretender Leiter der Landesschule und Technischen Einrichtung für Brand- und Katastrophenschutz (LSTE), das für die Prüfung der Feuerwehrtechnik zuständig ist. „Die Kommunen haben komplexe Gefahrenabwehrkonzepte aufgestellt“, sagt er. „Da müssen auch defekte Fahrzeuge ersetzt werden.“ Nach seinen Erfahrungen erfüllen die Produzenten der Löschfahrzeuge „höchste Ansprüche an Fahrphysik“. Meist wird der Aufbau von spezialisierten Unternehmen wie Magirus gebaut, Fahrgestelle werden von anderen Herstellern geliefert.

„Durch die tonnenschwere Ladung werden die Lkw bis an die Grenzen belastet“, erklärt er. Magirus selbst erklärt zu der Panne, man verfolge „höchste Qualitätsstandards“. In der Vergangenheit sei bereits eine Vielzahl ähnlicher Löschfahrzeuge ausgeliefert worden – ohne Probleme beim Fahrverhalten, meint Sprecher Tobias Knebel. Unabhängige Sachverständige hätten die Wagen im Werk inspiziert. Einen Zeithorizont zur Behebung der Probleme nennt der Sprecher allerdings nicht.

Die Feuerwehren nehmen indes auch das Innenministerium in die Kritik. „Man darf nicht immer nur auf den Preis achten“, sagt René Mydaß. So wurden die 31 Fahrzeuge zentral ausgeschrieben, allerdings blieben gesonderte Wünsche der Abnehmer unberücksichtigt. „Es ist manchmal besser, wenn die Fahrzeuge diejenigen bestellen, die sie auch nutzen. Jede Feuerwehr hat unterschiedliche Bedürfnisse“, meint er. Bei der LSTE nennt man die Sammelbestellungen durch das Land zwar ein Erfolgsmodell, das Kosten spart, dennoch sind dabei laut Rudolph auch Lieferprobleme möglich. Er geht jedoch davon aus, dass man die Fahrgestelle nachbessern kann.

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